Warburg. Zeit für die Steuererklärung: Jetzt brüten Arbeitnehmer wieder über Quittungen und Rechnungsbelegen, haben Fragen und suchen im Steuerdschungel nach Antworten. "Rechtzeitig zu Beginn der Abgabezeit haben wir ein Bürgerbüro eingerichtet", sagt Rolf-Udo Seewald. Diese Service- und Informationsstelle sei im Warburger Finanzamt erster Ansprechpartner für den Steuerzahler, so der stellvertretende Amtsleiter.
Im Erdgeschoss des Dienstgebäudes an der Sternstraße kümmern sich drei Mitarbeiter um die Belange der Ratsuchenden. "Wir möchten mit dem Bürgerbüro dem Bedürfnis nach mehr Service Rechnung tragen", begründet Seewald die neue organisatorische Maßnahme. Das Bürgerbüro entlaste auch durch die Annahme und Bearbeitung der Arbeitnehmer-Steuererklärungen andere Bereiche der Behörde. Daneben könne der Bürger dort "Auskünfte zu allgemeinen steuerlichen Fragen erhalten und alle notwendigen Angelegenheiten rund um seine Lohnsteuerabzugsmerkmale regeln", bemerkt Seewald.
Mit einem Rekordergebnis bei den Steuereinnahmen wartet die kleinste Finanzbehörde des Landes auf. "Dank der guten Konjunktur", begründet der stellvertretende Amtsleiter die Zunahme in 2011 um satte 9,3 Millionen Euro. Die Gesamtsumme der in Warburg verbuchten Steuern belief sich im vergangenen Jahr auf 95,5 Millionen Euro. "Das ist eine Größenordnung, die wir hier noch nie erreicht haben", zieht Behördenleiter Jürgen Heyke Bilanz. Ein Plus von 10,8 Prozent, das sich sowohl im OWL-Vergleich (7,2 Prozent) als auch bei der Gegenüberstellung aller 50 Finanzämter innerhalb der Oberfinanzdirektion Münster (2,9 Prozent) sehen lassen könne. "Dies Ergebnis verdeutlicht", so Seewald, dass sich die Prognose aus dem vergangenen Jahr, der wirtschaftliche Aufschwung werde die Region ein wenig später erreichen, bewahrheitet habe.
Mit 51,3 Millionen Euro entfällt der Hauptanteil des Steueraufkommens in der Region auf die Umsatzsteuer, die mit einer Zuwachsrate von 14,3 Prozent besonders ins Auge sticht. Einen Grund für den beachtlichen Anstieg sieht Seewald im privaten Konsum der Verbraucher. "Die Konsumlaune wiederum wird wesentlich durch den Arbeitsmarkt geprägt", ergänzt er und verweist auf die Lohnsteuer. Letztere schlage bei einer Steigerung von 7 Prozent mit 29,2 Millionen Euro zu Buche. "Das spricht für einen positiven Arbeitsmarkt und gestiegene Einkommen", so Seewald. Die Bürger haben Lust, Geld auszugeben. "Sie investieren in Werte", bemerkt der Steuerfachmann.
Das Handwerk hat volle Auftragsbücher: Nach 8,8 Millionen Euro in 2010 flossen 2011 aus der von den Gewerbetreibenden zu entrichtenden Einkommensteuer 12,4 Millionen Euro in die Staatskasse. Ein Zuwachs von knapp 41 Prozent. Die Amtsverantwortlichen freuen sich nicht nur über die vermeldeten Rekordzahlen, auch die Umbauarbeiten im Gebäude sind abgeschlossen. Die Büros sind barrierefrei zu erreichen. Jetzt kann auch der Bürger mit Mobilitätsproblemen eigenständig seinen Ansprechpartner erreichen. "Ich bin froh, dass das Provisorium ein Ende hat und Menschen mit Handikap auf keine Hindernisse mehr stoßen", sagt Behördenleiter Jürgen Heyke.
Um einen weiteren Eingang zu schaffen, wurde an der Ostseite des Finanzamts eine Rampe errichtet. Über die Eingangshalle führt im Treppenhaus ein Lift in die Diensträume in den oberen Geschossen. Auch das Foyer wurde neu gestaltet und mit einem Info-Pavillon ausgestattet. Dort kann nach dem Ansprechpartner gefragt oder Formulare abgeholt werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine neue Toilettenanlage mit barrierefreiem WC.