Warburg. Plötzlich muss alles ganz schnell gehen: Mitarbeiter halten den Autoverkehr im unteren Bereich des Paderborner Tores kurz an. Das an der Linde angebrachte Seil wird auf Zug gehalten. Ein gezielter Schnitt mit der Motorsäge – und der Baum liegt flach auf der Fahrbahn. Dort, wo er hin soll. Sofort teilt André Wohlgemuth den Stamm in drei kurze, handliche Teile, die er zur Seite rollt. Ralf Morscheck schiebt die Baumkrone mit dem Radlader zur Seite.
Rund eine Minute, und der Verkehr auf der westlichen Einfallstraße in die alte Hansestadt läuft wieder. "Wir brauchen keine Vollsperrung. Wir kriegen das so hin", sagt Wohlgemuth über die Baumfällarbeiten am Paderborner Tor (die NW berichtete), die gestern Morgen begannen. Vorarbeiten für den zweiten Abschnitt des barrierefreien Stadtkern-Ausbaus, der Mitte März starten soll. Kurzfristig werde der Verkehr gestoppt, wenn eine der größeren von insgesamt 16 Linden fällt. Er und seine Kollegen, Spezialisten in Sachen Baumfällen und -pflege aus Langenthal, bereiten die Bäume je nach Größe vor.
Ein Mann steht in Schutzkleidung mit Motorsäge hoch oben im Hubkorb neben dem Brunnen an der Kreuzung zum Graf-Dodiko-Weg und kappt schon mal die Äste der Krone. Vorsichtig lässt er sie in den für Fußgänger abgesperrten Bereich herunterfallen. Arbeiten bei laufendem Auto- und Fußgängerverkehr zwischen Lampen und Schildern: Eine Herausforderung und ein bisschen Anspannung, verrät Wohlgemuth. Der sie mit Erfahrung begegnen. Man habe mit den Arbeiten gewartet, bis Busse und Eltern die Kinder in die Schule gebracht hatten. "Den schlimmsten Bereich im unteren Teil der Straße haben wir schon geschafft", sagt Wohlgemuth gegen 9.30 Uhr. Beidseitig standen die Linden dort. 80 Zentimeter hohe Stümpfe blieben stehen. "Damit wir einen Hebel für den Bagger haben, wenn später die Wurzeln entfernt werden müssen", erklärt Diplom-Forstingenieur Dirk Becker, der für die Stadt die Arbeiten vor Ort begleitet.
Er schaut sich die frische Schnittfläche der Winterlinde an und beginnt zu zählen: Etwas mehr als 25 Jahresringe im Stamm: "Vor 25 Jahren wurden der Baum ganz jung hier gepflanzt, als die Straße damals neu gemacht wurde", sagt er. Und: "Die Arbeiten laufen super." Die Autofahrer würden sich auf der vielbefahrenen Straße "vernünftig" verhalten, lobt Becker. "Sie sind einsichtig und kooperativ." Auch viele Fußgänger halten kurz inne und schauen sich die Arbeiten an. Äste und Kronen der gefällten Linden werden an Ort und Stelle geschreddert. "Das Material nutzen wir für die Pflanzbeete. Die Stämme kommen ins Blockheizkraftwerk nach Dössel."