Warburg. Am Dienstag hatten die Marktbeschicker kapituliert: "Ab Minus 15 Grad ist Schluss", sagt Mario Behrend. Minus 18 Grad Celsius hatte das Thermometer am Dienstag angezeigt. "Da sind wir gar nicht erst losgefahren", sagt der Gemüsehändler aus Langenthal. Der Warburger Wochenmarkt war ausgefallen.
Fast angenehm erscheinen da am Freitagmorgen die Minus sieben Grad bei leichtem Ostwind und Sonnenschein auf dem Neustadt-Marktplatz. Dort haben sich die Obst- und Gemüsehändler gegen die Kälte gerüstet. Die Strauchtomaten und schlanken Salatgurken sind zugedeckt. Hinten an der kälteren Standwand sind robustere Sorten wie Porree, Steckrübe und Kohl drapiert. Vorne im Verkaufsgang knattert der Gasheizstrahler. Den Südfrüchten in der Auslage am Stand von Mario Behrend wird gut eingeheizt - und das seit sieben Uhr in der Frühe.
"Das Zelt muss vorgewärmt sein, erst dann können wir die Waren aufbauen", erzählt Händlerin Daniela Fischer. Zwei Gasflaschen braucht es für einen Markttag. Kostenpunkt: Rund 40 Euro. "So 15 Grad schaffen wir damit", sagt Mario Behrends von der Obstplantage Langenthal. Die Wärme muss sein, sonst ist die Ware dahin.
Mario Behrend schaut auf eine Knolle, die es gerne dunkel und eigentlich auch kühl mag: die Kartoffel. "Wenn Kartoffeln zu viel Kälte abbekommen, dann werden sie süß", erklärt der 36-jährige Fachmann. Die Kälte verpasse den Enzymen in der Kartoffel einen Knacks, so dass die Stärke in der Knolle in Zucker umgewandelt würde. Bei Tomaten oder Gurken sei es hingegen der hohe Wassergehalt, der bei Frost die Ware besonders empfindlich mache. "Deshalb packt man sie am besten sofort ins Auto."
Die Kälte greift die Ware an und hält, wenn es richtig knackig kühl ist, auch die Kundschaft fern. "Im Winter kommen weniger Kunden", sagt Händler Behrend - mitunter bis zu 50 Prozent. Nicht so Rainer Bettermann, 48-jähriger Lokführer aus Warburg, und Michaela Heinemann, die extra aus Volkmarsen zum Warburger Wochenmarkt gekommen ist. Sie bevorzugen eindeutig das "gemütlichere Ambiente" auf dem Markt, als den "stressigen, mit Musik und Durchsagen" überfrachteten Gang durch große Konsumtempel, findet die 42-jährige Volkmarsenerin.
Im Winter sei die Auslage nicht so groß, sagt Händler Behrens. Trotzdem sind die Stiegen voll und bunt. "Saisonal ist angesagt", betont Michaela Heinemann und greift zu Feldsalat, Brokkoli und der aus Neuseeland importierten Zespri-Kiwi - und Kohl: "Der schmeckt eigentlich nur jetzt. Im Sommer ist so ein Gericht doch zu mächtig."
Auch Rainer Bettermann halten die Minusgrade nicht vom Markttreiben fern. "Ich treibe im Winter doch auch Sport." Und Sportlichkeit ist gefragt: Zwei Kilometer Fußweg liegen vor dem Lokführer. "Aber das Gemüse ist gut in Tüten und dem Rucksack verpackt."
Gute fünf Meter neben dem Obststand hat Sabrina Ellermann ihren Verkaufswagen in Stellung gebracht. "Im Winter mögen es die Leute eher deftig", weiß die 30-jährige Fleischfachverkäuferin aus Liebenau-Haueda. Griebenschmalz und Kohlwurst wandern über die mobile Theke. "Heute geht es ja", sagt Ellermann. "Aber am Dienstag, da war es so kalt, dass der Wagen nicht angesprungen ist." Das erste Mal in der 30-jährigen Markttradition der Ellermanns. Auch die Ellermanns rückten am Dienstagmorgen nicht an - und wurden vermisst. "Wo ward ihr denn alle", wundert sich Lokführer Bettermann.