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15.02.2012
WARBURG
Eine Bürgerbefragung wird Klarheit bringen
In der Diskussion um die autofreie Hauptstraße sollen jetzt die Warburger entscheiden
VON DIETER SCHOLZ

Obere Hauptstraße autofrei oder nicht? | FOTO: SANDRA WAMERS

Warburg. Valentinstag im Stadtrat: Einstimmig fiel gestern Abend in der Ratssitzung die Entscheidung aus, zur Frage einer autofreien oberen Hauptstraße, die Bürger zu befragen. Knapp 19.000 Einwohner zwischen Daseburg, Hardehausen und Bonenburg sind nun aufgerufen, Stellung zu nehmen. Die beiden Alternativen: Ganztägige Sperrung der oberen Einkaufsstraße für den Autoverkehr oder es bei der bestehenden Regelung mit den nachmittäglichen Sperrzeiten zu belassen.

Die Grünen hatten mit ihrem Antrag, den Barrierefrei umgestalteten Bereich dauerhaft für den Verkehr zu sperren (die NW berichtete), den Stein ins Rollen gebracht. Christian Holtgreve begründete kurz das Ansinnen in der Sitzung. Man habe sich in der langen Bauphase an die Situation gewöhnt und viele Bürger würden die autofreie Straße als Flaniermeile begrüßen, so der Ratsherr der Grünen. Dass die Warburger sich eine "echte Fußgängerzone" wünschten, zeige die derzeitige Stimmung in der Bevölkerung recht eindeutig, wie auch Bürgermeister Michael Stickeln bemerkte. Er sei dankbar, dass die Bündnisgrünen jetzt die Initiative ergriffen hätten. Die Bauphase habe Erkenntnisse gebracht, "die wir so nicht erwartet haben".

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Verlässlich
     

  
  
     
   Einigkeit in den Reihen der Christdemokraten, Erstaunen bei den Sozialdemokraten, Freude bei den Grünen: Dass sich die Warburger Ratsfraktionen so schnell und fast ohne jegliche Diskussion auf eine Bürgerbefragung verständigten, ist sicherlich auch dem eindeutigen Stimmungsbild unter den Bürgern der Stadt geschuldet. Autofrei soll die gute Stube der Warburger Innenstadt bleiben. Die während der langen Umgestaltungsphase gemachten Erfahrungen und das neue, ansprechend-freundliche Erscheinungsbild der Straße gefallen. Doch bisher war der Wunsch nach einer ganztägigen Fußgängerzone nicht verlässlich zu belegen. Mehr als zu begrüßen ist in diesem Zusammenhang das Vorhaben, die Bürger in allen Warburger Ortschaften zu Wort kommen zu lassen.

Und Ihre Meinung? Senden Sie eine Email an dieter.scholz@ihr-kommentar.de oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar mit Hilfe der unten stehenden Kommentarfunktion.

Willi Vonde (CDU) nahm den Faden auf und schlug für seine Fraktion die Bürgerbefragung vor. Doch seien bis zur entgültigen Entscheidung ordnungsrechtlich noch eine Reihe von Fragen zu klären. Darunter nicht nur der Ersatz der 20 Parkplätze, sondern auch Belastungen der Anwohner in der Unterstraße, durch die derzeit der Durchgangsverkehr fließt, seien zu berücksichtigen.

"Der Grünen-Antrag kommt zur rechten Zeit", befand Vonde. Ein breites Meinungsbild: An die Ergebnisse der Befragungsaktion werde sich die CDU-Fraktion gebunden fühlen. Christoph Dolle (SPD) begrüßte eine Befragung, fürchtete aber zunächst den Schnellschuss und forderte, ein Gesamtkonzept für die Innenstadt zu entwickeln. "Der Bürger sollte seine Verantwortung wahrnehmen", bemerkte Dolle.

Auch Wolfgang Gumm stimmte für die Bürger-Union einer Bürgerbefragung zu. Der bisherige Kompromiss mit der zeitlichen Sperrung habe sich allerdings bewährt. Rudi Ryll (FDP) lehnte eine autofreie Zone ab, befürwortete aber die Frage-Aktion. In einer von der SPD beantragten fünfminütigen Unterbrechung wurde dann von den Fraktionsvorsitzenden der Antrag pro Bürgerbefragung und dessen Wortlaut formuliert.

Bereits in der Ratssitzung im März sollen die Ergebnisse vorliegen und ein entsprechender Beschluss gefasst werden. "Wir werden die Befragung möglichst schnell auf den Weg bringen", so Bürgermeister Michael Stickeln. Post werden alle wahlberechtigten Bürger der Stadt ab 16 Jahren bekommen.

Kommentare
Herr Sterk,

die formalen Kriterien für einen rechtsverbindlichen Bürgerentscheid (auch Ratsbürgerentscheid) sind vom Gesetzgeber mit gutem Grund sehr hoch angesetzt.
s. § 26 GO NRW - Landesrecht Nordrhein-Westfalen / Bürgerbegehren und Bürgerentscheid

Da der Rat der Stadt Warburg die Einhaltung dieser Kriterien offensichtlich scheut, hat er ein in der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalens nicht vorgesehenes Verfahren gewählt, dessen Bedingungen der Rat selbst nach Gutdünken festlegen kann.
Nachdem der Rat (allen voran Herr Stickeln) in den letzten Jahren (seit Beginn der Planungen für den barrierefreien Umbau der Stadt Warburg) bei jeder Gelegenheit betonte, daß die bestehende Regelung nicht angetastet würde (und dies auch den Stadtplanern ins Pflichtenheft geschrieben hat), musste man ja ein Instrument finden, mit dem man nun das Gegenteil des öffentlich Postulierten durchsetzen kann, ohne die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen. Daß dies (mit wenigen Ausnahmen wie dem formal anspruchsvollen (Rats-)Bürgerentscheid) in unserer repräsentativen Demokratie nicht vorgesehen ist (eben damit die mit der Wahl übertragene Verantwortung nicht je nach Befindlichkeit wahrgenommen wird oder nicht) , wurde im Rat offensichtlich hingenommen. Deutlich wird dies durch die Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden der CDU-Fraktion Vonde, der in vorauseilendem Gehorsam ankündigte, seine Fraktion würde dem so festgestellten "Bürgerwillen" folgen. Die Übernahme von per Amt übertragener Verantwortung sieht anders aus. Courage? Fehlanzeige!

Rüdiger Hachmann

Es gibt keinen Grund eine für eine Bürgerbefragung!
``Die Verkehrsregelung wird beibehalten ``– hieß es vor der Baumaßnahme!
Wir brauchen keine Abstimmung à la "Wutbürger-Stuttgart 21"
Das Kalkühl hinter dieser "basisdemokratischen" Abstimmung lautet wohl:
Wenn 19000 Bürger über 500 Meter Strasse und das Schicksal von einigen hundert Anwohnern und Geschäftsleuten entscheiden dürfen, stehen die Chancen gut, das bestimmte Leute, Ihrem Traum einer "besseren" Welt wieder einen Schritt näher gekommen sind.
Wenn hingegen die Anwohner und Geschäftsleute der Meinung sind, hier müßte etwas geändert werden, sollte die Initiative von Ihnen ausgehen!
Der Bürger/Steuerzahler durfte ja auch nicht über die grundsätzliche Sinnhaftigkeit dieser Baumaßnahme entscheiden. Das Geld wäre z.B. besser in den Ausbau: Seichenbrunnen, Obere Hilgenstock-Industriegebiet, Bahnhofstrasse, Glockenbreite...investiert gewesen.
Die 10000€, also die Kosten dieser Bürgerbefragung, sollten besser für einen guten Zweck gespendet werden!

Ich bin dafür das die obere haupstrasse generell für den Verkehr geöffnet bleibt.Warburg bietet nicht genügend umliegende Parkflächen zur Hauptstraße. Wenn jeder schnelle Einkauf erst mit Parkplatzsuche und einer Wanderung in die Stadt erfolgen muss, dann fahren die Leute doch sofort nach Kassel oder Paderborn, wo das Angebot ohnehin viel größer ist. Die Geschäftsleute tun mir sehr leid, wenn sie durch die Fußgängerzone noch weitere Kundschaft verlieren.

Warum kein verbindlicher Ratsbürgerentscheid statt einer unverbindlichen Bürgerbefragung?

Link unterdrückt

Ich bin schon lange der Meinung, dass die obere Hauptstraße für Autos ganz gesperrt werden sollte. Letztes Jahr hatten wir Besuch, die ganz begeistert von unserer schönen Stadt Warburg war. Nur eins gefiel ihr absolut nicht. Das die Autos durch die Hauptstraße fahren durften. Es gibt dort keine so schweren oder sperrigen Teile zu kaufen, die man nicht bis zu seinem Auto tragen könnte und wenn doch, gibt es bestimmt eine/n nette/n Verkäufer/In, der/die einem das bis zum Auto tragen helfen kann. So etwas z.B. könnten die Kaufleute doch als Service anbieten. Ich gehe sogar noch weiter und sage, die ganze Hauptstraße vom Kasslertor oder zu mindestens von Hörgeschäft aus, sollte für Autos gesperrt werden. Parkplätze könnte man dann mehr am Paderborner Tor einplanen. Falls die Sternstraße und in der Josef-Wirma-Str. auch Barrierefrei umgebaut werden, könnten auch dort mehr Parkplätze geschaffen werden. Das ist alles sehr nah am Stadtkern.


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