Was ist Liebe? Ein starkes Gefühl, vielleicht das stärkste, das Menschen entwickeln können. Es umschreibt eine Form von Verbundenheit zu einem Menschen, die man sich inniger und positiver nicht vorzustellen vermag.
Vor allem aber: Liebe ist selbstlos. Es geht bei der Liebe zwischen zwei Menschen nicht um einen Zweck oder einen Nutzen. Es geht um ein mächtiges Gefühl, das jemanden so stark an einen anderen bindet, dass es nicht einmal eine Erwiderung bräuchte.
Dass Frank-Walter Steinmeier, der ehemalige Außenminister und jetzige Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, in dieser Woche seiner nierenkranken Frau ein Organ spendete, ist ein Geschenk für das Leben. Mit den bislang bekannten Organspende-Debatten in Deutschland hat das zunächst mal gar nichts zu tun. Es ist vor allem ein beeindruckender Beleg für ein großes Gefühl.
Meine Woche wird seither von der Frage an mich selbst bestimmt: Hätte ich auch den Mut? Würde ich mich – wie ein Journalisten-Kollege es formulierte – ganz bewusst für meine Frau versehren? Natürlich würde ich. Aber Angst hätte ich schon. Angst ist ein anderes großes Gefühl.
Vielleicht braucht man bei einer solchen Lebensfrage Pathos, um Angst zu überwinden. Frank-Walter Steinmeier brauchte es nicht. Er hatte keine Angst. Er trug seine Entscheidung nüchtern vor. Als natürliches Einstehen für seine Frau.
Ihm reichte: Liebe.



Steinmeier gehört zum Bürgertum und da orientiert sich die Denkweise bekanntermaßen an den rechtlichen Arrangements. Die Analyse der Kosten-Nutzenrechnung muss daher lauten: "Bleibt ja in der Familie."