Eine Stadt der Superlative: Die größte Zigarre Deutschlands, die berühmteste Seekuh der Welt und die einzigen Jod-Schwefel-Quellen NRWs gibt’s in Bünde.
Bescheidenheit ist des Bünders Lebensprinzip. Spricht er von seiner Stadt, nennt er sie liebevoll "Zigarrenkiste". Pure Untertreibung, denn allein die berühmteste Bünder Zigarre sprengt jeden Rahmen. Wer sie rauchen will, braucht eine gewaltige Lungenkapazität und Zeit – viel Zeit. Denn immerhin misst das Prachtstück 1,60 Meter und war die Antwort von vier Bünder Zigarrenmachern auf die amerikanische Herausforderung, die größte Zigarre der Welt zu besitzen.
Heute präsentiert sie sich im Deutschen Tabak- und Zigarrenmuseum im Herzen der Stadt und ist Teil einer Ausstellung, die die einzigartige industriegesellschaftliche Entwicklung Bündes aufzeigt.
Wenn der Bünder auf etwas stolz ist, dann auf sein "braunes Gold". Eine prägende Epoche in der 1.156-jährigen Geschichte war der Aufstieg der Tabakindustrie. Noch heute erinnern in der 45.000 Einwohner zählenden und damit zweitgrößten Stadt im Kreis Herford, prachtvolle Villen, ein wuchtiger, aus roten Backsteinen gebauter Tabakspeicher und herrschaftliche Parkanlagen an die florierende Zeit.
Ein Denkmal vor dem Rathaus zeigt die Fabrikanten August Steinmeister und Tönies Wellensiek, die vor 150 Jahren den Grundstein dieser Entwicklung legten – eine Erfolgsgeschichte, die heute fünf Zigarrenfabriken in Bünde und Umgebung fortschreiben.
Eine berühmte alte Dame
Zigarren sind aber längst nicht alles, was die an der Else gelegene Stadt zu bieten hat. So mancher denkt jetzt an das deutsche Sommermärchen von 2006, in dem Bünde als "Odonkor-City" ihren eigenen Fußballstar feierte. Doch viel berühmter als der ehemalige Nationalspieler ist eine in die Jahre gekommene Dame, die mit ihren Reizen dennoch nicht geizen muss. Immerhin zählt sie zu den weltweit wichtigsten geologischen Funden und hat 30 Millionen Jahre auf dem Buckel: Die Bünder Seekuh, 1912 im Doberg ausgegraben, lässt sich im gleichnamigen Museum bewundern. Hier werden Besucher eingeladen zu einer Expedition in die geheimnisvolle Welt des Dobergs, der am Stadtrand von Bünde auch in natura zu erkunden ist.
Schmuckstück | FOTO: PATRICK MENZEL
Die berühmte Mergelgrube hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich – sie ist das wissenschaftliche Muster für die Schichtenfolge des Oligozäns. Das heißt, nur am Doberg – wo auch der Schädel eines Zahnwals, Haie und Meeresschildkröten nachgewiesen wurden – findet die Menschheit diese Stein gewordene Visitenkarte – ein perfektes Schaufenster in die Erdvergangenheit.
Bündes Geschichte wird von seinen Bewohnern großgeschrieben, doch verstaubt ist die Stadt kein bisschen. Im Gegenteil, das Parken auf 3.000 gebührenfreien Parkplätze rund um die modern gestaltete Fußgängerzone ist ein cleverer Schachzug im Konkurrenzkampf der Einkaufsmetropolen. Denn als solche versteht sich Bünde, zwar klein aber fein: Zahlreiche inhabergeführte Geschäfte, Kaufhäuser und Boutiquen laden zum Stadtbummel ein.
Für eine kurze Pause ist immer Zeit, etwa in den gemütlichen Straßencafés der Innenstadt. Wem das an Erholung nicht reicht, kann es sich im Norden der Stadt gut gehen lassen. Hier liegt der Erholungsort Randringhausen mit den einzigen staatlich anerkannten Jod-Schwefel-Quellen in NRW. Und wer es noch nicht weiß: Ein Moorbad am Morgen vertreibt wirklich alle Sorgen.
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