23.10.2010
Unterwegs in Minden
Am Puls der Zeit
Die Stadt an der Weser schafft den Spagat zwischen Wirtschaftsstandort,
Kulturmetropole und Naherholungsgebiet spielend.
VON HANS–JÜRGEN AMTAGE
Straßenkreuzung aus Wasser | FOTO: EDWIN DODD
Minden – seit 798 merk-würdig. Als sich 2008 eine Gruppe Mindener auf die Suche nach einem neuen Slogan für die Stadt an der Weser begab, wurde dieses Motto heiß diskutiert. "Historisch" kann nahezu jeder, "erlebenswert" auch, "schön" und "romantisch" erst recht.
Weil Minden all dieses ohnehin vereint, aber mit auf der Weser treibenden Drachen und einer schwimmenden Mühle diese und andere "Merkwürdigkeiten" zu bieten hat, entschied sich die Gruppe für das Gründungsdatum der Stadt und den Hinweis "merk-würdig". Denn würdig, sich zu merken, ist das Zentrum an der Kreuzung von Weser und Mittellandkanal allemal.
Minden, das ist eine Stadt mit rund 83.000 Einwohnern , die im Jahr 798 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Name "Minden" geht laut Gründungslegende auf Karl den Großen und Sachsenherzog Widukind zurück, die sich darauf einigten: "Disse Borch schall nun myn unde dyn seyn." (Diese Burg soll nun mein und dein sein). Myn und dyn gleich Minden.Hier entstand um 800 eine Saalkirche, aus der im Laufe der Jahrhunderte der Mindener Dom erwuchs. Er wurde durch Feuer und Krieg mehrfach zerstört aber immer wieder aufgebaut. Heute lockt er unter anderem mit seiner Goldenen Tafel jährlich zigtausende Touristen.
In Minden kreuzen und kreuzten sich immer schon bedeutende Handelsrouten. So fand die Weserstadt im 13. Jahrhundert Anschluss an die Hanse. Mehr als sieben Jahrhunderte später zeigt die Stadt noch vieles von ihrer Jahrhunderte währenden Pracht, was ein wenig in dem charakteristischen Baustil dieser Region, der Weserrenaissance, deutlich wird.
300 Jahre alte Tradition | FOTO: MANFRED OTTO
Eine pulsierende Metropole zwischen Hannover und Bielefeld
Aus der "Borch", die "myn und dyn seyn" sollte, ist eine pulsierende Metropole zwischen Hannover und Bielefeld geworden. Unter anderem weltweit tätige Familienunternehmen aus der Elektronik-, Kaffee- und Folienbranche sowie der größte Coffein- und Ephidrin-Produzent wirken in dieser Kommune, die wegen ihrer preußischen Geschichte auch immer noch als Beamtenstadt beschrieben wird.
Ein Stück Erinnerung an alte Zeiten ist der Grüngürtel, das Glacis, welches sich rund um die Innenstadt zieht. Nach dem Schleifen der preußischen Festungsanlage wurde dieses ehemals freie Schussfeld begrünt. Die teilweise mehr als 100 Jahre alten Bäume dieser öffentlichen Grünanlage geben Minden heute das Gesicht und bieten einen hohen Naherholungswert in unmittelbarer Nähe der City.
Die ist Handels- und Kulturforum zugleich. Hier wurden in den vergangenen Jahren innovative Einzelhandelskonzepte besonders im Bereich der Mode entwickelt, hier lädt der Markt vor dem historischen Rathaus mit abwechslungsreicher Gastronomie zum Verweilen. Hier wird aber auch Musik und Theater in den großen und kleinen Kultureinrichtungen lebendig.
Sportlich gesehen ist Minden vor allem eine Handball-Hochburg. Mit dem Bundesligisten GWD Minden pulsiert grünes Blut in den Adern der Stadt, die sich besonders der Jugend gegenüber aufgeschlossen zeigt. Ein landesweit beachtetes Bildungskonzept trägt dazu bei – und der Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld, die sich auf Architektur, Bauingenieurwesen, Technik spezialisiert hat.
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