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14.08.2010
Daniel Aichinger - Ein Fiesling für 30 Minuten
In der RTL-Serie "Alles was zählt" spielt der Bielefelder Daniel Aichinger einen Intriganten, doch er kann auch ganz anders sein.
VON THOMAS SCHÖNEICH

Die Verwandlung | FOTO: TYLER LARKIN

Die Verwandlung dauert 10, an manchen Tagen vielleicht 15 Minuten, und sie braucht vor allem eins: ganz viel Haargel. Die blaue Jeans und sein weißes Freizeithemd hat Daniel Aichinger bereits gegen eine dunkle Anzughose und das karierte Hemd mit dem gestärkten Kragen getauscht.

Der 35-Jährige sitzt in einem schwarzen Friseurstuhl und wirft, während ihm die Stylistin – richtig, mit ganz viel Gel – die Haare nach hinten kämmt, noch einen letzten Blick auf seinen Text für die nächste Szene. Um die Krawatte mit einem "doppelten Windsor" zu knoten, benötigt Aichinger nur wenige Sekunden und einen kurzen Blick in den Spiegel – es ist ein tägliches Ritual. Dann ist die Verwandlung komplett.

Aus Daniel Aichinger ist Dr. Axel Steinkamp-Schwarz geworden. Von Beruf Chefcontroller der Familie Steinkamp. Ein intriganter Emporkömmling, dem für seinen beruflichen Erfolg kaum ein Weg zu schmutzig ist – ein Fiesling, wie er im Drehbuch steht. Schließlich braucht jede Serie ihren Bösewicht.

Daniel Aichinger ist in Bielefeld geboren

Auch "Alles was zählt" auf RTL. Seit vier Jahren ist der in Bielefeld geborene Schauspieler von Montag bis Freitag im Vorabendprogramm des Kölner Senders zu sehen. Am 30. August wird die 1.000. Folge der Serie laufen, und Aichinger war von Beginn an dabei.
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Soap-Darsteller? Ich? Niemals! Daniel Aichinger hat das mal gesagt. Etwa 15 Jahre ist das her. Nachdem er schon als Schüler in den USA und am Brackweder Gymnasium Theatererfahrungen gesammelt und nebenbei als Tonassistent am Bielefelder Theater gejobbt hatte, schaffte er nach dem Abitur den Sprung an das renommierte Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Oscar-Preisträger Christoph Waltz hat dort studiert, Klaus Maria Brandauer ist dort Dozent. Zwar verließ Aichinger nach nur einem Jahr wieder die Schule, nachdem er sich ein wenig mit ebenjenem Klaus Maria Brandauer angelegt hatte, doch bekam er danach schnell ein Engagement am Theater in Stendal.

Zunächst wollte Aichinger zum Theater oder Kino

"Tatsächlich habe ich damals gedacht, dass ich gerne tolle Rollen an großen Theatern spielen oder gerne viele Kinofilme machen würde", erzählt Aichinger heute. Doch er erzählt auch, dass ihn die Realität des Berufs vor ein paar Jahren einholte. "Der Idealismus ist die eine Seite, die andere Seite ist, dass man auch Geld verdienen muss, um die Miete zu bezahlen."

Als er das Angebot bekam, eine Rolle bei "Alles, was zählt" zu übernehmen, sagte er zu. Trotz seiner früheren Vorbehalte. Auch, weil "ich damals einfach froh war, einen Job zu haben". Aber auch, "weil sich das Niveau dieser täglichen Serien deutlich gesteigert hat. Als ich gesagt habe, ich würde niemals eine Soap drehen, wurde noch in der Disco gecastet. Ich glaube, dass wir heute richtig gute Unterhaltung machen. Ich stehe zu hundert Prozent hinter der Serie."Etwa fünf bis sechs Wochen ist die Produktion der Ausstrahlung im Fernsehen voraus. Eine Folge pro Tag wird in den Studios in Köln-Ossendorf abgedreht. Um 8 Uhr morgens die erste Szene, um 18.30 Uhr ist Schluss. "Wenn ich zu Beginn und am Ende dabei sein muss, dann war es ein langer, harter Tag", sagt Aichinger.

Darsteller und Produzenten stehen unter hoher Anspannung

Anstrengend auch emotional, die Darsteller und die Produzenten stehen unter hoher Anspannung. Viel Zeit bleibt nicht, dann müssen die Szenen im Kasten sein. "Ich mache ganz bewusst zwischendrin mal einen Scherz, um nicht in eine Überspannung zu geraten." Ein echter Fiesling ist Daniel Aichinger immer nur für 30 Minuten. Immer nur dann, wenn er im Studio vor der Kamera steht.

Denn wenn Aichinger morgens ein paar Stunden Zeit hat, dann quält er sich schon mal: für sich selbst und für einen guten Zweck. Vor einem Jahr fing er an zu laufen. "Erst einmal hatte ich einfach einen dicken Bauch, den wollte ich einfach loswerden", sagt Aichinger. "Aber die Motivation reichte nicht lange, weil ich es schnell langweilig fand, alleine Runden durch den Wald zu drehen."

Erst als er von "42tausend" hörte, einem Wohltätigkeitsprojekt, bei dem die Läufer Spenden für Kinder aus sozial benachteiligten Familien sammeln, war sein Ehrgeiz wieder geweckt. Inzwischen hat er mit "Scheucht Daniel" (siehe Kasten "Zur Person") sein eigenes Spendenvorhaben, für das er am 26. August beim Business-Lauf in Köln an den Start geht.

Sport ist Aichingers liebstes Hobby

Sport ist das Hobby, für das Aichinger neben seinem Beruf noch am ehesten Raum hat. Zeit ist kostbar, sagt der Schauspieler. "Es gibt Zeiten, wo die Schauspielerei für mich sehr anstrengend ist. Gar nicht unbedingt quantitativ, sondern weil es Geschichten gibt, die schwierig sind und große Konzentration erfordern." Einen Ausgleich findet Aichinger dann in der Meditation. Seit 1997 ist er bekennender Buddhist.

Ein perfekter Tag beginnt für ihn mit Meditieren, einem guten Frühstück und Sport. "Im Buddhismus geht man ja davon aus, dass man sich seine Lebensumstände selbst schafft. Dass wirklich alles, was geschieht, Wirkungen von Ursachen sind. Und insofern weckt der Buddhismus auch manchmal ein kreatives Potential in mir, weil ich mir einfach mehr zutraue oder auch mit den Dingen leichter und spielerischer umgehen kann", erzählt der Schauspieler.
Info

ZUR PERSON

Daniel Aichinger wurde am 25. Oktober 1974 in Bielefeld geboren. Sein Vater war ein in Berlin stationierter amerikanischer Soldat, wo er auch Aichingers Mutter kennenlernte. Am Anfang seiner Schauspielkarriere spielte Aichinger in verschiedenen Theatern, seit 2001 steht er vor der Kamera. Daniel Aichinger lebt in Köln. Bei seinem aktuellen Projekt "Scheucht Daniel" können Menschen Aichinger mit Spenden auf dem Weg zu einer neuen Bestzeit beim Kölner Business-Lauf unterstützen. Für den Gewinner kocht Aichinger persönlich ein 4-Gänge-Menü. Mehr Infos unter www.scheucht-daniel.de.

Nach 4 Jahren bei "Alles was zählt" wird er auch auf der Straße erkannt

Nach vier Jahren bei "Alles was zählt" passiert es Daniel Aichinger immer mal wieder, dass er auf der Straße angesprochen wird – natürlich auf seine Rolle. "Die Menschen begegnen mir daher mit Respekt. Ich werde eher gesiezt, die Leute sind etwas zurückhaltender, und das gefällt mir auch ganz gut." Und so hätten Menschen, die in ihm nur den Serienmenschen sehen, es vermutlich sehr, sehr schwer, seine Freunde zu werden. "Das würde vermutlich nicht klappen.

Das hat gar nichts mit den Leuten zu tun, die erst mal die Rolle sehen, aber für mich ist das halt ein Job, und als Privatmensch bin ich jemand ganz anderes", sagt Aichinger. Mit der letzten Szene des Tages endet für ihn auch das "Leben" des Dr. Axel Steinkamp-Schwarz. "Spätestens wenn ich bei mir zu Hause durch die Wohnungstür gehe, dann ist die Rolle abgelegt und die Arbeit auch. Das ist mir sehr wichtig." Dann ist der 35-Jährige nicht mehr Axel Schwarz, der Fiesling, sondern einfach Daniel Aichinger.


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Kommentare
Der Mann heißt in der Serie "Dr. Steinkamp-Schwarz" :P


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