In Bielefeld wurde sie geboren, in Hamburg stand sie auf der Musical-Bühne, doch in der Hauptstadt fühlt sie sich richtig wohl
Der Latte Macchiato kommt wie bestellt, der Kellner ist freundlich. Isabell Horn kann sich entspannt in ein weiches Sofa in ihrem Lieblingscafé in Berlin-Schöneberg fallen lassen. Niemand nimmt an diesem Morgen augenfällig Notiz von ihr, dreht sich um oder fragt nach einem Autogramm – obwohl von Montag bis Freitag täglich mehr als drei Millionen Menschen im Fernsehen ihr Gesicht sehen.
Aber heute kann sie Isabell Horn sein und nicht Pia Koch. "Hier im Kiez ist es sehr angenehm", sagt sie. "Manche, die ,Gute Zeiten, schlechte Zeiten‘ gucken, versuchen ab und zu, etwas über die Serie aus mir herauszukitzeln, aber das ist überhaupt nicht störend."
Die 26-Jährige weiß, dass es nicht immer vorteilhaft ist, ein bekanntes Gesicht zu haben. Eine Kollegin habe mal in einer Folge eine Beziehung auseinandergebracht, erzählt die in Oerlinghausen aufgewachse-ne Schauspielerin. "Die wurde am nächsten Morgen beim Bäcker nicht bedient. Und das ist natürlich Quatsch, die Serie eins zu eins auf das echte Leben zu übertragen."
Seit März 2009 ist Isabell Horn bei GZSZ
Seit März vergangenen Jahres ist Isabell Horn eine der Hauptdarstellerinnen in der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Sie spielt dort Pia Koch: von Beruf DJane, quirlig, fast immer gut drauf, eine Person, die gerne im Mittelpunkt steht und neue Herausforderungen voller Selbstbewusstsein angeht. Und seit Horn diese Rolle angenommen hat, weiß sie auch, dass es eine Herausforderung ist, immer der Mensch zu sein, den die Rolle verlangt.
"Bei mir muss die Energie immer ganz hoch sein, auch wenn man mal einen Tag hat, an dem man schlecht geschlafen hat oder vielleicht auch privat nicht so gut drauf ist. Das so zu überwinden, dass es keiner merkt, das ist manchmal schwer."
Dabei ist es schon früh ihr Wunsch, einmal vor vielen Menschen auf einer Bühne zu stehen. "Das war von klein auf da", erzählt Horn. Im Bielefelder Stadttheater himmelt sie die Solotänzerinnen an. Als junges Mädchen verlässt sie Ostwestfalen und besucht die staatliche Ballettschule in Berlin – sie will Ballerina werden. Doch die Konkurrenz in der Schule ist hart und sie merkt schnell, dass das Tanzen alleine sie nicht ausfüllt. Sie kehrt nach Bielefeld zurück.
Ihre zweite Leidenschaft ist das Tanzen
"Ich habe dann gedacht: Ist das jetzt wirklich alles?" Sie will weiter auf der Bühne stehen, arbeitet daran, ihre zweite Leidenschaft, die Schauspielerei, mit dem Tanzen zu verbinden, und schafft nach dem Fachabitur den Sprung an die Berliner Universität der Künste, wo sie Schauspiel und Gesang studiert. Noch während sie ihre Diplomarbeit schreibt, bekommt sie bei "Dirty Dancing" in Hamburg ihre erste Musical-Rolle angeboten: Eineinhalb Jahre lang steht sie als Baby Houseman auf der Bühne.
"Das war wirklich eine Traumrolle. Schon als ich den Film zum ersten Mal gesehen hatte, wollte ich immer einmal ,Baby‘ sein." Dabei hält die Schauspielerin selbst wenig davon, sich auf nur sehr wenige Rollen festzulegen und auch nur diese spielen zu wollen. "Wenn man unbedingt einen Job braucht und krampfhaft um eine Rolle kämpft, kommt es häufiger vor, dass man das Engagement nicht bekommt. Aber wenn du zu einem Casting gehst und zu dir selbst sagst: ,Eigentlich ist es ja auch egal‘, dann kriegst du auf einmal die Rolle. Aber so eine Einstellung zu haben, wenn man unbedingt einen Job braucht, ist natürlich verdammt schwierig."
Isabell Horn spricht aus Erfahrung. Zum Casting für GZSZ erscheint sie, die immer darauf achtet, pünktlich zu sein, zu spät. Die Verantwortlichen reagieren genervt, als sie anruft und die Verspätung erklären möchte. Die Sache ist gegessen, schlimmer kann es nicht mehr werden, denkt sie – und bekommt dennoch die Rolle. Es ist ihr erstes großes Fernsehengagement und die Chance, auch als Schauspielerin den Sprung vor die Kamera zu schaffen.
Zwischen 2005 und 2006 war Isabell Horn bereits bei MTV
Zwischen 2005 und 2006 hatte sie schon für den Musiksender MTV als Moderatorin gearbeitet. "GZSZ ist ein super Einstieg, weil es eine harte Schule ist. Und wenn es eine solche Möglichkeit gibt, dann muss ich sie nutzen. "Wenn jetzt was vom ,Tatort‘ gekommen wäre, hätte ich doch auch nicht nein gesagt, aber man muss einfach realistisch bleiben, und momentan ist GZSZ eine tolle Sache."
ZUR PERSON
Isabell Horn wird am 31. Dezember 1983 in Bielefeld geboren. Nach dem Abitur am Bodelschwingh-Gymnasium besucht sie die Universität der Künste in Berlin. Noch während des Studiums bekommt sie ein Angebot für die Rolle der Baby Houseman beim Musical "Dirty Dancing". Seit März 2009 spielt sie die Pia Koch in der Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".
Die Schauspielerin hat auch keine Angst, dass sie in der Zukunft nur noch mit ihrer Serienrolle identifiziert werden könnte. Manche Türen gingen auf, manche Türen gingen zu, denkt sie. "Aber ich glaube nicht, dass man als Darsteller einer Daily Soap nur einen negativen Stempel weghat." Und obwohl die Dreharbeiten ihr wenig Zeit lassen, bastelt sie zumindest gedanklich an ihrer Zukunft.
Gerne würde sie ihr Engagement vor der Kamera mit dem Schauspiel auf der Bühne kombinieren. Um einen Ausgleich zu haben und weil der Applaus am Ende eines Theaterstücks oder Musicals für sie einfach etwas anderes ist als das häufige "So, die nächste Szene bitte" an einem Drehtag. Letztlich sieht sie die Rolle bei GZSZdeshalb als endlich an. "Jetzt fühlt es sich richtig an. Ich lerne noch total viel, ich bin es noch nicht satt", sagt sie. "Aber ich brauche die Abwechslung. Es gibt zu viele andere schöne Projekte. Und irgendwann wird die Zeit kommen, da werde ich wieder etwas Neues machen."
Wenn sie nicht arbeitet, entspannt die Ostwestfälin am liebsten
Wenn die Ostwestfälin momentan einen Ausgleich zu ihrem Besuch sucht, geht sie spazieren und ins Spa. Oder sie lädt Freunde ein, um mit ihnen gemeinsam zu kochen. "Ich bin nicht der Typ, der jedes Wochenende um die Häuser ziehen muss. Mal geht das, aber es raubt so viel Energie, da könnte ich die Woche gar nicht überstehen."
Auch ihr Freund, mit dem sie seit mehr als sieben Jahren zusammen ist, hilft ihr, ab und zu abzuschalten. Er ist kein Schauspieler, und Isabell Horn ist sehr froh darüber. "Und obwohl er gar nichts damit zu tun hat, versteht er meine Sorgen, gibt mir immer wieder Tipps, holt mich runter oder tröstet mich", erzählt sie. "Schauspieler sind ja auch manchmal anstrengend, und es reicht ja, wenn einer anstrengend ist."
Und wenn sie träumt, dann würde sie gerne in fünf Jahren ihren ersten Kinofilm gedreht haben. Am liebsten mit Jürgen Vogel, Matthias Schweighöfer oder Christoph Maria Herbst zusammen. Letzteren hat sie im Sommer schon beim Joggen gesehen. "Da bin ich ein bisschen ausgeflippt, denn in seiner Rolle als Stromberg finde ich ihn einfach genial. Aber ich habe mich nicht getraut, ihn anzusprechen." Dafür hat sie sich schon überlegt, was sie ihn beim nächsten Mal fragen wird. Vielleicht ist es manchmal hinderlich, zu sehr eine Rolle zu wollen, aber ein bisschen an Träumen zu arbeiten kann nicht verkehrt sein.
Jemanden mit höherem Bildungsabschluss habe ich zumindest noch nie anhand von Salesch&co. argumentieren hören...
PS. Die NW berichtet doch ohnehin zu 70% über Lokalkolorit, willkommen in der Wirklichkeit.