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14.01.2012
PORTRÄT
Alexandra Kamp: Die Frau mit Feuer
Porträt der bekannten Schauspielerin
VON ANNEKE QUASDORF

So sieht Zufriedenheit aus

Ein gutbürgerlicher Haushalt in Baden-Baden, Mitte der 80er Jahre. Die Tochter des Hauses hat ihr Abitur in der Tasche. Und nun tobt der klassische Streit: Einen sicheren und gut bezahlten Beruf wünschen sich die Eltern für ihr Mädchen. Die 19-Jährige hat andere Pläne. Ein Schauspielstudium soll es sein. Und zwar in New York. Am Ende der Diskussionen steht ein Ultimatum der Eltern: "Mach was du willst – aber ohne unsere finanzielle Unterstützung." Ein paar Wochen danach marschiert eine junge Deutsche durch die Tür der Lee-Strasberg-Schule in Manhattan.

Gute 25 Jahre später, gehört Alexandra Kamp zu den bekanntesten und viel beschäftigtsten Schauspielern Deutschlands. Seit ihrem ersten Theater-Engagement, das sie gleich nach Ende ihrer Ausbildung erhielt, hat sie nahezu ununterbrochen vor der Kamera gestanden. Sie wirkte an deutschen, amerikanischen und französischen Produktionen mit und spielte neben Komik-Ikone Leslie Nielsen und Film-Diva Claudia Cardinale.

Info

KAMP GANZ BERUFLICH

Zuletzt stand Alexandra Kamp für das Stück "Illusionen einer Ehe" auf den Schauspielbühnen Stuttgart. Ihr nächstes Projekt ist ein Engagement an einem Pariser Theater.

Dazwischen jedoch kommt die Schauspielerin nach Ostwestfalen: Als eine von vielen Prominenten ist sie Gast des Literatur-Festivals READ, das vom 20. bis zum 22. Januar im Gräflichen Park stattfindet. Gemeinsam mit Schauspielern wie Matthias Brandt oder dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu wird Kamp auf den Spuren der Romantik wandeln. Und auch Sie können dabei sein:

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Wenn Kamp heute an den Auszug aus dem Elternhaus denkt, dann muss die 46-Jährige zwar immer noch lachen. Doch dieses Lachen klingt auch sehr beifällig. "Das war wohl das erste Mal, dass sich das kleine Feuer-Pferd in mir so richtig auf die Hinterbeine gestellt hat." Auf das Feuer-Pferd, ein chinesisches Sternzeichen beruft sie sich gern, um ihren Charakter zu beschreiben – und das nicht ohne Stolz. "Im alten China sind Mädchen, die in diesem Mondjahr geboren wurden, ertränkt worden. Weil die sich nicht einfach fügten, sondern sagten, was ihnen nicht passte, revolutionär dachten."

In kürzester Zeit von der Kellnerin zum Top-Model

Feuer-Pferde gelten in der chinesischen Astrologie aber nicht nur als rebellisch und direkt, sondern auch als wild, unabhängig und abenteuerlustig. Und damit passt das fernöstliche Sternzeichen erstaunlich gut zu der Wahl-Berlinerin, für die ein Leben im Durchschnitt nie in Frage kam. Wer ihr da reinreden will, kann sich auf was gefasst machen. "Sobald mir jemand sagt: ,Das kannst du nicht, wird mein Ehrgeiz erst so richtig entfacht."

Ergo kommt die 19-jährige Alexandra Mitte der 80er auch nicht reumütig nach Hause zurück, um Jura oder BWL zu studieren. Im Gegenteil: Innerhalb kürzester Zeit hat sie ihre Finanzprobleme nicht nur im Griff, sondern braucht sich um Geld überhaupt keine Sorgen mehr zu machen. Im berühmten Luxusrestaurant "Bouley" steigt sie aufgrund ihres fließenden Französischs innerhalb kürzester Zeit von der Kellnerin zur "Maitre D", also zur Restaurantleiterin auf.
Leidenschaftlich | FOTO: DPA

Und weil die junge Frau aus "good old Germany" nicht nur ein Talent für Fremdsprachen, sondern auch eine Körpergröße von 1,78 Metern und ein bildhübsches Gesicht vorzuweisen hat, läuft sie plötzlich für Designer wie Dior über die internationalen Laufstege. "Ich war einfach der Typ Frau, der damals in New York gefragt war: Nicht der ,Ich hunger mich zu Tode-Typ’, sondern eher Marke Cindy Crawford, mit Kurven und breiten Schultern."

Schauspiel bleibt trotz Catwalk-Erfolg der große Traum

Ihren Traum vom Schauspielern verliert die junge Frau dennoch nie aus den Augen. "Mein Ziel war es nie, Karriere als Model zu machen, sondern mit dem Modeln meine Schauspiel-Karriere zu finanzieren." Ihr Mut und ihre Ausdauer werden schnell belohnt: Gleich nachdem sie ihre Schauspielausbildung abgeschlossen hat, erhält Kamp ein Engagement am Berner Atelier Theater. "Und da waren meine Eltern dann natürlich schon sehr stolz." Mission erfüllt.

Der Wille und die Konsequenz, mit der sie damals das Leben auf die Hörner nahm, treiben Alexandra Kamp auch heute noch an – und der Wunsch nach Unabhängigkeit. Hochzeit und Kinder passen in so ein Leben nicht hinein. Darüber habe sie auch nie nachgedacht, sagte sie mal in einem Interview.

Wann wäre allerdings auch Zeit dafür? Schließlich hat Kamp genug zu tun mit den Kritikern und Zweiflern, denen sie so gern das Gegenteil beweist, und deren Zahl parallel zu ihrer Prominenz anstieg. Das seriöse Fach, das traute man ihr lange nicht zu – ein Urteil, das geprägt wurde durch eine nicht unerhebliche Brustvergrößerung und Schmonzetten-Produktionen wie "Antonia – Tränen im Paradies".
Radikal | FOTO: PETA

Hobby-Köchin bewirtet jede Woche bis zu 14 Gäste

Was tut ein Feuerpferd in so einer Situation? Es stellt sich wieder auf die Hinterbeine. Und so konnte die Öffentlichkeit 2007 im Playboy nicht nur Kamps neue Brüste, sondern auch den dazugehörigen perfekt geformten Körper der damals 40-Jährigen begutachten.

Auch in Sachen Schauspielkunst wählte die Mimin in den Folgejahren den direkten Weg: Sie stürmte die Theaterbühnen, spielte bei den Nibelungenfestspielen in Worms, im Theater am Dom in Köln und auf den Stuttgarter Schauspielbühnen. Das Resultat: ausverkaufte Vorstellungen und Feuilleton-Seiten voller Lobeshymnen. "Das vergangene Jahr war wohl das erfolgreichste meines Lebens", sagt Kamp dazu und bemüht sich nicht, den Triumph aus ihrer Stimme zu verbannen.

Das mit dem Theater will sie jetzt erstmal auf Eis legen. Schließlich hat sie sich und den anderen ja auch genug bewiesen. Es gibt aber noch einen anderen Grund für die Pause. So gern ein Feuerpferd nämlich in die Welt zieht, so wichtig sind ihm auch die Heimat und die Freunde.

Bücher über Serienkiller als Lieblingslektüre

Normalerweise bewirtet die Berlinerin am Vier-Meter-Tisch ihrer Altbauwohnung mindestens einmal pro Woche 12 bis 14 Gäste. Weil sie das Kochen genauso liebt wie die Gesellschaft. "Und jetzt war ich über ein Jahr nicht mehr zu Hause, das schlaucht! Ich liebe meinen Beruf, aber ich bin kein Schauspieler, der auf Tournee gehen, jeden Tag in einer anderen Stadt arbeiten möchte. Ich finde das ganz grauslich. Schon allein, weil ich gern in meinem eigenen Bett schlafe. Und ich reise immer mit eigener Knoblauchpresse, Spaghettizange, Spaghetti-Sieb und eigener Bettwäsche. Theaterwohnungen sind nämlich manchmal ganz schön grenzwertig. Und wenn ich aus der Vorstellung komme, muss ich noch etwas Gutes essen. Ich bin verfressen. Wenn es meinem Bauch gut geht, geht es meiner Seele gut."Also erstmal eine Auszeit für Alexandra Kamp. Die wird sie unter anderem mit Lesen verbringen – am liebsten sind ihr Bücher über Serienkiller. "Weil ich abgründige Charaktere liebe, selbst so gern Mörderinnen spiele. Und die Bücher ermöglichen mir, in deren Köpfe zu gucken." Bleibt die Frage, wie lang das Feuerpferd in ihr stillstehen kann.

KAMP GANZ PRIVAT

Alexandra Kamp wird am 29. Dezember 1966 als Tochter des Schauspielers Peter Kamp in Baden-Baden geboren. Ihr Großvater Bobbi Kamp schrieb 1948 das bekannte Berlin-Chanson "Ich hab’ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm", das unter anderen zu den Lieblingsliedern der Sängerin Hildegard Knef zählt.

Ihre Ausbildung zu Schauspielerin absolviert Kamp in New York, Los Angeles und Paris. Heute lebt sie in Berlin. 2008 gewann Alexandra Kamp vor dem Oberlandesgericht München: Sie hatte dagegen geklagt, dass mehrere Illustrierte sie bei der Beerdigung ihres Vaters an dessen Grab gezeigt hatten.



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