26.05.2012
PORTRÄT
Bud Spencer: Zwei Fäuste, viel Talent
Als schlagkräftiger Westernheld eroberte der Italiener in den 70er Jahren die Herzen seiner Fans - doch die Schauspielerei ist nur eine seiner vielen Facetten
VON KATY HACKEL
"Bitte nur eine einzige Kopfnuss." Diesen Satz hört Carlo Pedersoli öfter. Kein Wunder, ist der Schlag doch seine Erfindung. Aber nicht nur das: Er führte sie auch mit einzigartiger Präzision in mehr als 30 Filmen aus. Denn Carlo Pedersoli ist Bud Spencer, ein kräftiger, einfältiger Haudegen – zumindest vor der Kamera.
"Guten Abend", mit diesen höflichen, deutschen Worten betritt die Italo-Western-Legende Kinosäle in Berlin, Bremen, München, Bochum und Paderborn. Und jedes Mal setzt sofort tosender Applaus der stundenlang wartenden Fans ein. "Ist der drollig und süß", entfährt es einer Frau, die den gealterten Spencer (82) zu seinem Signiertisch gehen sieht. Er läuft gebückt am Stock, begleitet und gestützt von seinem Fahrer und Freund Stalim aus Italien. Nichts mehr scheint übrig von seiner einst angsteinflößenden großen und kräftigen Gestalt. Auch seine – eigentlich kleinen – Fäuste sehen aus, als brauchten sie eher Streicheleinheiten als einen Kampf.
WISSENSWERT
- 1950 hat Carlo Pedersoli seine erste kleine Rolle als Leibwächter Neros im Monumentalfilm "Quo Vadis".
- 1967 dreht der Schauspieler erstmals zusammen mit Mario Girotti alias Terence Hill den Italo-Western "Gott vergibt – wir beide nie."
- 2003 bringt der Italiener seine erste eigene CD mit neapolitanischen Liedern heraus, die er selbst komponiert und eingesungen hat. Er soll klingen wie Barry White.
- Im April 2005 kandidiert Pedersoli bei den italienischen Regionalwahlen für ein Regierungsamt im Latium, der zentralen Region um Rom. Als Kandidat der Forza Italia wird er aber nicht gewählt.
- Der Schauspieler ist nebenbei Hobby-Erfinder. Er hat zwölf Patente unter anderem für einen Gehstock, aus dem sich ein Sitz und ein Tisch ausklappen lassen. "Das ist praktisch", findet er.
- Mitte April 2011 erscheint Bud Spencers Autobiografie "Bud Spencer. Mein Leben, meine Filme", die auf Platz Eins der Bestsellerliste landet. Im März 2012 folgt der zweite Teil "In achtzig Jahren um die Welt".
Dennoch liegt Helden-Flair in der Luft auf den Stationen seiner Buchtour. Gerührt vor allem: das starke Geschlecht. Mit Biografien ihres Idols stehen die Männer aufgeregt hinter der Absperrung im Kinosaal. Wenn diese fällt, stürmen sie los. "Halten Sie das Buch bitte aufgeschlagen, Bud signiert nur die dritte Seite", weisen die Kinomitarbeiter die Autogrammjäger an.
Von Starallüren keine Spur
Und tatsächlich, da ist er rigoros. Da hilft auch kein Bud-Spencer-Shirt. Mit diesem Trick versucht ungefähr jeder dritte Mann, den Star zu beeindrucken und zu einem gemeinsamen Foto oder Autogramm auf Karten oder gar Gemälden zu überreden. Es ist zwecklos. "So ist er immer", sagt Oliver Schwarzkopf, Verleger der Spencer-Biografie. "Direkt, korrekt, perfekt." Selten habe er, der mit vielen Stars verkehrt, so einen "tufften Typen" wie Bud erlebt. "Von Starallüren keine Spur." Auf ein simples "Hallo" reagiert Spencer während der Signierstunden dennoch nicht. Nur bei Italienern oder Kindern wird er wach, kontert mit frechen Sprüchen oder lächelt verschmitzt.
Dann beginnt Schwarzkopf, dem Schauspieler Fragen zu stellen, und das Publikum lauscht gebannt den Worten von Bud, den kaum jemand als Carlo kennt. Den Künstlernamen nahm er an, um als Privatperson Abstand zum Klamauk-Darsteller zu haben: Bud wegen der Biermarke "Budweiser", die er liebt; Spencer wegen des Schauspielers Spencer Tracy, den er verehrt.
Präsentation | FOTO: SCHWARZKOPF & SCHARZKOPF
Spencer redet italienisch, obwohl er einmal Deutsch gelernt hat. "Aber alles vergessen", sagt er. Diese drei Worte bekommt der Neapolitaner noch hin und ist dabei ganz fasziniert vom schönen Germany. "Die kleinen Häuser und die bunten langen Straßen – wie im Märchen", schwärmt der Star. Fast philosophisch antwortet der studierte und promovierte Jurist auf jede Frage mit einem langen Monolog, oft verknüpft mit einem Augenzwinkern.
Nur ein Laster: Das gute Essen
Nur bei einem Thema ist Spencer durchweg ernst: wenn es um Drogen geht. Gegen den Missbrauch setzt sich der Vater und Großvater seit Jahren ein, bereist Schulen in seiner Heimat. Auch Besuche in deutschen Schulen sind in ein oder zwei Jahren geplant. "Drogen machen jeden kaputt", sagt er. Deshalb habe er selbst auch nie welche probiert.
Sein Laster war immer das gute Essen. Und der Appetit scheint angeboren zu sein, rechtfertigt er sich. "Ich kam schon mit sechs Kilogramm Lebendgewicht auf die Welt." Daraus wurden zu Spitzenzeiten 156 Kilogramm. Heute ist er "dürr", wiegt nur noch 120 Kilo. "Aber ich bin 82 Jahre alt", kokettiert er. "Also, was soll’s." Er lässt sich weiterhin die Spaghetti schmecken, am liebsten mit Bohnen oder frischem Fisch, oft zusammen mit seinem Freund Terence Hill. "Aber heimlich", verrät Spencer. Die Frau von Hill möchte nämlich nicht, dass ihr Gatte Spaghetti isst. "Die machen dick, meint sie. Und sie hat Recht", gibt Spencer zu, lacht und streichelt seinen Bauch.
Zusammen mit Terence Hill wurde Spencer weltweit bekannt. "Er war der schöne Kerl, und ich wog damals schon 115 Kilo", erinnert er sich. Eigentlich habe er so gar nicht zu Hill gepasst, weil er ein völlig anderer Charakter war. "Aber das Konzept ging auf", sagt Spencer, der die Rolle im ersten Film nur dank seiner fülligen Figur bekam. "Den Frauen hat Terence gefallen, und mich fanden die Männer toll. Weil ich kräftig zugehauen hab."
"Es war immer nur weiche, kindliche Gewalt"
Trotzdem habe er nie ein Kind aus dem Kino rennen sehen. "Es war immer nur weiche, kindliche Gewalt." Die Kinder lachten, weil sie die Szenen nicht ernst nahmen. "Die Leute standen ja auch gleich wieder auf und rannten davon." Ähnlich wie die Film-Pferde auch. Denn die mochten Spencer nicht. Eines hätte sich sogar immer auf den Rücken geworfen, sobald es Spencer kommen sah. "Ja, mein Gewicht", sagt der Schauspieler und schmunzelt. "Als Leistungsschwimmer musste ich immer viel essen, und als ich mit dem Sport aufgehört habe, habe ich das dann immer noch getan."
Der Sport spielte eine große Rolle im Leben des Italieners, das wird spürbar, wenn er über seine einstige Leidenschaft, das Schwimmen, spricht. Er war der erste italienische Schwimmer, der 100 Meter Freistil in weniger als einer Minute schwamm. Zehn Jahre lang war Spencer italienischer Meister und erinnert sich noch an jede olympische und nichtolympische Station. Hat er sich dabei doch als Held gefühlt, hatte Autos und Frauen im Überfluss. "Und so entsteht ein Idiot", resümiert er. Deshalb brauchte er eine Auszeit vom Ruhm. Er ging nach Amerika und arbeitete neun Monate lang bei einer großen Straßenbaufirma. "Ich musste mich selbst finden. Auch wenn es kitschig klingt", fügt er mit einem verschmitzten Blick hinzu.
Dieser Blick, er ist das Markenzeichen des Schauspielers, den seine Italo-Western vor allem in Deutschland berühmt machten. Sein persönlicher Lieblingsfilm ist "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle", kam er durch ihn doch zur Fliegerei. Sogar eine eigene Airline hatte der Tausendsassa, bevor er sich wieder auf Freizeit besann – und auf die Familie.
Seit 53 Jahren glücklich verheiratet
Mit seiner Frau Maria ist Spencer seit 53 Jahren glücklich verheiratet. "Und ich liebe sie jeden Tag mehr", sagt er. Liebe und Kinder seien letztendlich das Glück seines Lebens. "Neben Essen und gutem Wein", sagt er. Deshalb plane der Italo-Western-Star auch, ein Kochbuch zu schreiben. Zwei seiner deutschen Lieblingsrezepte werden auf jeden Fall darin sein. "Bratkartoffeln und Wildschweinbraten", sagt Spencer auf Deutsch. "Mmmmhhh", fügt er schwärmend hinzu, während er genüsslich die Augen schließt.
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ALLE DIE ES NICHT GEWUST HABEN WIE WÄRE ES DIE NW SICH NACH HAUS SCHICKEN ZULASSEN
VIELEN DANK BUD