Gomez muss Schnee schippen, Schweinsteiger ist Royal-Fan und Özil lernt Spanisch – wenn Fußballer online gehen, schießen sie sich auch mal ein Eigentor
Mario Gomez: Hinsichtlich neuer Medien ist der Stürmerstar der Bayern ein Spätzünder: Erst vor sieben Monaten trat er dem sozialen Netzwerk Facebook bei – zumindest mit einer offiziellen Seite. Bei Twitter verrät er seinen Fans schon länger intime Details, dort "zwitschert" er seit Juli 2010. Und so erfahren die Gomez-Fans im Winter 2011 nicht nur, dass selbst ein Fußball-Ausnahme-Talent selber Schnee schippen muss und kurz vorm Fest noch keine Weihnachtsgeschenke besorgt hat, sondern auch, dass er Silvester gemütlich mit der Liebsten und ein paar Freunden feiert.
Spätestens nach einem Blick auf die Fotoalben des Stars wird auch klar: Völlig aus der Luft gegriffen ist der Ruf des eitlen Pfaus nicht. Mario leger mit Mütze, Mario gemütlich im Wollpulli, Mario elegant im Hugo-Boss-Anzug gibt es da zu bestaunen. Das gefällt den Fans, bis zu 1.500 Anhängern gleichzeitig. Diese Bewunderung scheint dem Stürmerass aber nicht ganz zu reichen. Und so schiebt er am 12. Februar schnell noch die Frage nach: "Wie findet ihr meine neue Frisur?"
Bastian Schweinsteiger hingegen hält sich doch arg zurück mit privaten Details. Lediglich über Arztbesuche (immerhin mit Foto eines schlecht gelaunten Bastians), neue Werbespots und den Zustand seines (meist leeren) Magens hält der Mittelfeldspieler der Bayern seine Fans auf dem laufenden. Eine Kleinigkeit ist ihm aber doch rausgeflutscht, die man bei ihm gar nicht vermutet hätte: Schweini ist Royal-Fan! Zur Hochzeit von Kate und William am 29. April postet der Starfußballer überschwenglich: "Royal Wedding! Wünsche Kate und William alles Gute." Ob er bei der Liveübertragung des Vermählungsgottesdienstes auch ein paar Tränchen verdrückt hat?
Toni Kroos: Süße Hunde hat er, der Toni. Julius und Lennox heißen die quicklebendigen Beagles, die den Mittelfeldspieler auf Trab halten. Gut, dass sie neben Spaziergängen durch die Felder noch den Garten zum Auslauf haben. In dem brutzelt Grillmeister Toni noch selbst die Würstchen, und zwar auf einem teuren De-Luxe-Gasgrill. Nachmittags gönnt er sich gern mal ein Eis, und zwar mit Sahne – sympathisch. Und natürlich steht für den Münchner die Wiesn auf dem Programm – zünftig in Karohemd und mit Hut, wie es sich für einen Bayern-Spieler gehört. Ach ja, Skilaufen hat Toni in diesem Winter auch gelernt – und zwar bei einem "super Skilehrer". Noch Fragen?
Mesut Özil: Hach, es ist schon schwer, den Verlockungen der Selbstdarstellung auf Facebook und Co. zu wiederstehen. Auch Real-Madrid-Star Mesut ist da nicht ganz so erfolgreich. Mit Vorliebe präsentiert er sich seinen Fans mit nacktem Oberkörper und frisch aus der Dusche kommend. Außerdem haben die Anhänger die Möglichkeit, Mesut verspielt in der Brandung kickend, lässig beim Jetski-Fahren oder verträumt am Strand stehend zu bewundern.
Eines muss man dem Mittelfeldspieler aber lassen: Seitdem er in Spanien spielt, postet er bilingual in seiner neuen und alten Landessprache. Oder er wählt den goldenen Mittelweg englisch. Davon, dass ihr Idol fleißig spanisch paukt, können sich die Fans übrigens auch selbst überzeugen – per Foto mit dem Spanischlehrer. Im Übrigen kann er es in punkto Selbstdarstellung im Netz bei weitem noch nicht mit einem aufnehmen: Seinem Teamkollegen und Narziss des 21. Jahrhunderts Ronaldo.
Ach, wenn es doch immer herrlich so weiterzwitschern könnte. Neue Medien bergen aber auch neue Risiken – und die werden auch den Fußball-Stars zum Verhängnis. Als erster deutscher Spieler musste
André Schürrle diese Erfahrung machen. Monatelang postete er nett und unauffällig, machte brav Werbung für alle möglichen Kooperationspartner und wollte seine Fans am 15. November 2011 dann doch nur über seinen Gesundheitszustand informieren. "Grippaler Infekt" lautete die Diagnose, die Schürrle gleich ins weltweite Netz beförderte.
Dass diese Nachricht nicht nur seine Anhänger interessieren würde, sondern auch den niederländischen Trainer Bert van Marwijk, gegen dessen Mannschaft die National-Elf abends antreten sollte, hatte der Leverkusen-Mittelfeldspieler nicht bedacht. Der DFB reagierte prompt und verordnete seinen Spielern künftig Twitter-Verbot – oder zumindest Stillschweigen über Informationen taktischer Natur. Oder wie es Teammanager
Oliver Bierhoff formulierte: "Wir müssen eine gewisse Vertraulichkeit behalten, die uns stark gemacht hat." Wolfsburg-Trainer
Felix Magath ging noch weiter und holte für seine Jungs gar einen Twitter-Trainer ins Haus.
Eigentlich eine gute Maßnahme, doch nicht für Unbelehrbare wie den niederländischen Hoffenheim-Kicker
Ryan Babel. Bereits im Januar 2011, damals spielte Babel für den FC Liverpool, hatte er seinem Unmut über Schiedsrichter Howard Webb Luft gemacht, der in seinen Augen die Partie gegen Manchester United verpfiffen hatte. Babel rächte sich, indem er den Referee im Man-U-Trikot postete. Das kostete ihn 11.000 Euro Strafe, die wohl nicht hoch genug angesetzt war. Nach seinem Wechsel zum 1899 Hoffenheim hatte Babel jedenfalls nichts Besseres zu tun, als erneut via Twitter den Schiedsrichter zu beschimpfen. "I don’t know, the ref was on drugs" ("Ich weiß nicht, der Schiedsrichter war auf Drogen"), wütete er. Dafür wurde er erneut zur Kasse gebeten, diesmal allerdings nur mit 3.000 Euro Strafe. Ob es an seiner Schwatzhaftigkeit liegt, dass er nicht mit der niederländischen Mannschaft zur EM fahren darf? Man weiß es nicht. Da er aber stündlich eine Meldung loslässt, ist immerhin sein derzeitiger Aufenthaltsort klar: die Bahamas.Scherereien wie diese hat auch Bayern-Trainer
Jupp Heynckes mit Spieler Breno. Nicht nur, dass gegen ihn wegen schwerer Brandstiftung ermittelt wird, äußerte er auch im Internet seinen Ärger darüber, dass er in der zweiten Mannschaft des FC Bayern spielen musste. "Es ist nicht so, dass ich über das B-Team von Bayern schlecht reden will. Aber ich muss mit der zweiten Mannschaft ein Freundschaftsspiel machen. In dieser Phase, die ich durchmache – Bayern macht da etwas Schlechtes mit mir", schrieb der Abwehrspieler. Nach einem klärenden Gespräch mit dem Trainer ist nun scheinbar alles bereinigt. Ob Breno, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, noch eine Zukunft bei den Bayern hat, ließ Heynckes offen.
Um sich Eskapaden wie diese zu ersparen, führen die Dänen das strengste Regiment. Absolutes Twitter- und Facebook-Verbot im EM-Lager sorgt für jede Menge Protest unter den Spielern. Dänische Medien und Buchmacher spekulieren bereits, wer das Verbot als erstes bricht. Am schlechtesten stehen die Wetten für Twitter-Junkie
Nicklas Bendtner. Der lässt seine Fans wissen, das er Pizza gegessen, den Film "Diktator" gesehen und von Marshmallows und Milchshakes geträumt hat. Sollten sich alle Dänen an das Netzwerk-Verbot halten, bekommt man für einen Euro Einsatz allerdings nur 1,10 Euro zurück.
Die Verantwortlichen für die deutsche Nationalelf können sich übrigens nicht nur wegen ihrer vorbeugenden Maßnahmen in Sicherheit wiegen. Sondern auch, weil sie stille Stars wie
Miro Klose dabei haben. Der ohnehin nicht zur Geschwätzigkeit neigende Stürmer überbietet sich im Netz selbst. Seine Twitter-Fans, immerhin 28.000 Anhänger, warten seit dem 9. Juni auf einen zweiten Beitrag. Seither hat Klose im Netzwerk nur seinen Wechsel zu Lazio Rom bekannt gegeben. Das war’s.
Die Top 10 auf Twitter
1 Lady Gaga
Mit 25.267.626 Anhängern steht die schräge Pop-Diva an der Spitze der Twitter-Rangliste.
2 Justin Bieber
Es dürfte interessant sein, herauszufinden, wie viele von seinen 22.843.572 Fans weiblich sind.
3 Katy Perry
Sollte sich die Sängerin noch nicht von ihrer Scheidung erholt haben, trösten sie sicher ihre 20.722.286 Fans.
4 Rihanna
Fraglich, ob sich die 20.074.361 Gefolgsleute für das Gesicht der freizügigen Sängerin interessieren.
5 Britney Spears
Auf eine treue Gefolgschaft von 17.373.188 Menschen kann das gefallene Sternchen blicken.
6 Shakira
Ihr unnachahmlicher Hüftschwung bescherte der Kolumbianerin 16.372.662 Anhänger.
7 Barack Obama
"Yes, we can!" 16.238.963 Menschen schließen sich der Meinung des US-Präsidenten an.
8 Kim Kardashian
Wer war das nochmal? Ob das alle 14.865.238 Fans des amerikanischen Seifenopernstars wissen?
9 Taylor Swift
Ist die süß. Das finden auch 14.753.257 Gefolgsleute der amerikanischen Countrysängerin.
10 YouTube
Warum Menschen mit einem Videoportal twittern wollen? Immerhin tun das 13.374.729 Fans.
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