30.06.2012
PORTRÄT
Katty Salié: Das kölsche Mädche in Rhein-Kultur
Porträt der bekannten Moderatorin
VON ANNEKE QUASDORF
Frau mit Stil | FOTO :DPA
Februar 2012, und Köln ist im Ausnahmezustand – mal wieder. Zwischen Tausenden ausgelassener Jecken tanzen sich die Jacob Sisters von Kneipe zu Kneipe, schunkeln und gröhlen Karnevalsschlager. Natürlich ist es nicht das echte Gesangsquartett, sondern eine originell verkleidete Frauenclique, die da ausgelassen feiert. Doch niemand würde wohl vermuten, dass sich unter einer der blonden Perücken Deutschlands neue Beauftragte für Hochkultur verbirgt: Katty Salié.
Anfang des Jahres übernahm sie die Moderation des ZDF-Magazins "Aspekte" von ihrer langjährigen Vorgängerin Luzia Braun und damit gleichzeitig die Verantwortung für ein 46 Jahre altes Flagschiff der deutschen TV-Kultur. So eine Aufgabe kann verschüchtern, und deshalb ist Salié wohl auch genau die Richtige für den Job. Denn Einschüchtern funktioniert bei ihr nicht.
KLANGVOLLER NAME
Katty Saliés Nachname stammt von den Hugenotten-Vorfahren ihrer Familie. Der Vorname ist ein Spitzname aus Kindertagen, eigentlich heißt die Moderatorin "Katrin".
Geboren wurde sie am 17. Mai 1975 im niedersächsischen Salzgitter. Nach dem Studium in Paderborn und einer Anstellung beim Jugendradio Fritz in Potsdam zog sie 2003 nach Köln, wo sie ein Jahr lang das Live-Magazin "Guten Abend, RTL" moderierte. 2005 übernahm sie die Moderation des WDR-Kulturmagazins "westart". Außerdem reist sie für das NDR-Auslandsmagazin "Weltbilder" nach Österreich, Italien und in das Baltikum.
"Ich strebe nicht nach Perfektion", sagt sie und lehnt sich entspannt im Sessel zurück. Ein kalter Sommertag umklammert Köln, doch gegen die gemütliche Stimmung im Café hat er keine Chance. Während draußen ein kalter Wind peitscht, plätschert drinnen leise Loungemusik, und ab und an rattert die Kaffeemühle. "Ich finde es wichtig und schön, den Menschen Kulturthemen nahezubringen, zugänglich zu machen. Und dabei möchte ich einfach ich sein und hoffe, dass so der Spaß, den ich an Kultur habe, herüberschwappt."
Mal ernsthafte, mal augenzwinkernde Anmoderation
Aber darf dat dat? Eine Kulturbotschafterin der Öffentlich-Rechtlichen, die närrisch "De Höhner" hört, statt Händel? Dat darf dat, findet Katty Salié. "Tankstellen der Kultur sind überall", hat sie mal gesagt, und vielleicht gelingt es ihr aufgrund dieses Verständnisses, so einladend über Themen wie Literatur, Kunst und Musik zu sprechen, dass man Lust bekommt, den Ehrfurchtsabstand zu verringern und einen Meter näher ranzugehen. Viel Zeit hat die 37-Jährige dafür nicht. In drei Minuten muss sie den nächsten Beitrag vor der Kamera schmackhaft verkaufen – was ihr um so besser gelingt, wenn sie ihn redaktionell mit vorbereitet oder ihn zumindest angeregt hat. Der Rest ist seriöse mal ernsthafte, mal augenzwinkernde Anmoderation.
Was dabei natürlich nicht durchscheint, ist Saliés Lockerheit. Die kommt privat um so sympathischer hervor: Ungezwungen kuschelt sie sich ins Polster, die Füße gemütlich unter die Beine gezogen. Zwischen beiden Händen hält sie mittlerweile einen großen Pott Milchkaffee, nippt am Schaum und seufzt selig. "Essen Sie unbedingt den Brownie", sagt sie und zeigt auf das Gebäck, das es zum Kaffee dazu gibt. "Lohnt sich." Ihre eigene Portion hat sie schon verputzt.Wer die Moderatorin sieht, würde allerdings kaum glauben, dass sie sich mit solchem Genuss auf dicke Schokoladenkuchen stürzt. In natura wirkt sie nochmal wesentlich schmaler und zarter als im Fernsehen. Fragil formen die hohen Wangenknochen ihr markantes Gesicht, und dann sind da ja noch diese Augen. Sie sind eigentlich Saliés Markenzeichen: Groß und braun leuchten sie dem Gegenüber entgegen, und fast das gesamte Gesicht scheint aus ihnen zu bestehen.
"Ich bin privat ein Jeans-und-Turnschuh-Typ"
Trotz ihres engen Kleides und der Stiefel wirkt die Kölnerin sportlich, nicht schick. "Ich bin privat ein Jeans-und-Turnschuh-Typ, eher leger gekleidet. So viel Chi-Chi ist nicht meins. Und von daher ist es immer wieder ein neues Erlebnis, fürs Fernsehen von professionellen Kollegen eingekleidet und geschminkt, kurz: aufgebrezelt zu werden."
Bei dieser Bodenständigkeit ist es kein Wunder, dass sich die gebürtige Niedersächsin ausgerechnet Köln als Wahlheimat auserkoren hat – und begeistert mitmischt im Klüngel. "Köln ist von allen Städten, die ich kenne, die leichteste. Das sieht man schon an den ganzen Kölschen Lebensweisheiten: Et es, wie et es. Et kütt, wie et kütt. Klar kann man da sagen: Boh, ist das abgegriffen. Aber es stimmt doch einfach!"
Sätze wie diese, pragmatisch und gern auch mal ein bisschen schnoddrig, sind typisch für die 37-Jährige. Vermessen oder gar arrogant wirkt sie deshalb nicht, sondern sympathisch direkt und wie ein Mensch, der einfach weiß, was er will und was er kann. Angestrebt hat sie die Stellung der Kulturbeauftragten allerdings nie – ebenso wenig wie irgendeine andere Position. "Ich hatte eigentlich nie ein konkretes Ziel." Alles, was sie nach dem Abitur weiß, ist, dass sie eine Quasselstrippe ist. Deshalb jobbt sie neben dem Studium der französischen Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft und Geschichte in Paderborn bei Zeitung und Radio. Es folgt eine Zeit bei Radio Fritz in Potsdam, bevor sie 2003 endlich zum Junge-Welle-Sender Eins Live und damit in ihre Traumstadt Köln ziehen kann.
In die Karriere hineingeschlittert, aber Tochter geplant
Weil sie gern eine fundierte Journalisten-Ausbildung vorweisen will, absolviert sie gleichzeitig die RTL-Journalistenschule. "Mir ist das immer alles einfach so passiert, ich bin da so reingeschlittert. Ich bin kein zielstrebiger Mensch. Außer wenn ich etwas wirklich will. Dann kann ich sehr ehrgeizig und auch sehr perfektionistisch sein."
Immerhin eine Sache gibt es aber in Saliés Leben, die sie, wenn auch gemeinsam mit ihrem Mann, zu 100 Prozent geplant hat: ihre dreijährige Tochter. "Ich wollte eigentlich nie Kinder, das war mir nicht so wichtig. Und plötzlich kam vor ein paar Jahren dann doch dieser dringende Wunsch. Und dann hat’s ja Gott sei Dank auch geklappt."
Eine Einstellung hat sich durch die Geburt allerdings nicht geändert: "Nur" Mutter sein ist Saliés Sache nicht. Und so pendelt sie zwischen "Aspekte"-Studio an der Spree und Heimat am Rhein hin und her. Ein Modell, das nicht nur auf Anerkennung stößt. "Ich glaube, dass dieses Thema heute noch viel zu einseitig gesehen wird, das merke ich oft an den Reaktionen, wenn die Leute mitkriegen, dass ich zwei Tage die Woche in Berlin arbeite. Was doch heute nicht mehr heißen muss, dass das Kind dabei zu kurz kommt. Meine Tochter geht total gern in die Kita. Und sie liebt es, Zeit mit ihrem Papa zu verbringen. Immer wenn ich arbeite, ist er – ebenfalls selbstständig – für sie da."
Weil sie so nah dran ist an diesem Thema und in ihrer Branche obendrein oft Konferenzzimmer voller Männer erlebt, ist Salié engagierte Befürworterin der Frauenquote. "Für Frauen geht es, trotz aller Qualifikation, an bestimmten Stellen einfach nicht weiter. Da muss eine Regelung her." Salié hat ihre Regelung bereits gefunden. Deshalb muss sie jetzt auch los. Ein Uhr ist Abholzeit in der Kindertagesstätte, und dann wartet ein kleines Mädchen auf sie. Der wichtigste Aspekt in ihrem Leben.
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