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07.07.2012
PORTRÄT
Greg Burke: Der PR-Direktor des Vatikans
Im Einsatz für den Papst
VON JULIUS MÜLLER-MEININGEN

Neuer Mann in der ewigen Stadt | FOTO: ALBERTO PIZZOLI

"Die Kommunikation des Heiligen Stuhls ist wie ein großes Schiff, das sich langsam bewegt", sagt Greg Burke. Der 52 Jahre alte US-Journalist muss es wissen, denn er übernimmt nun das Ruder in einer der altehrwürdigsten Institutionen der Welt: Burke wird Kommunikationsstratege des Vatikans.

Will man im Bild bleiben, dann brechen sich seit Wochen meterhohe Wellen über dem Boot. Hilflos sitzt ein Matrose in einer Schaluppe neben dem bewegungslosen Riesen und versucht vergeblich, ihn zu manövrieren. Der Matrose ist der Jesuitenpater Federico Lombardi, der auf sich allein gestellte Pressesprecher des Heiligen Stuhls.

Info

GEHEIM, GEHEIMER, OPUS DEI

Bei der Gemeinschaft handelt es sich um eine 1928 gegründete Laienorganisation der katholischen Kirche. "Opus Dei" ist Latein und bedeutet "Werk Gottes". Oberstes Ziel der nach eigener Definition Seelsorgeeinrichtung ist es, bekannt zu machen, dass gewöhnliche Lebensumstände wie Arbeit oder Familienleben Gelegenheiten sind, Gott zu begegnen, anderen zu dienen und zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse beizutragen.

Nach eigenen Angaben sind 98 Prozent der weltweit 87.000 Mitglieder Laien, sogenannte Supernumerarier/-innen, die überwiegend in Ehegemeinschaften leben. Die restlichen zwei Prozent sind Numerarier, also Priester, die in Gemeinschaften, Opus-Dei-Häusern oder Bildungszentren leben und hauptsächlich für Bildung zuständig sind.

Während die Organisation im Vatikan und strengkonservativen Kreisen der katholischen Kirche als hoch angesehen gilt, wird von vielen Seiten immer wieder Kritik laut. Sie bezieht sich sowohl auf die angeblich politisch rechte Ausrichtung des Opus Dei als auch auf die strengen Praktiken der Selbstgeißelung und Buße. Zudem wird die Gemeinschaft häufig im Zusammenhang mit Verschwörungen genannt.

Im Bestseller "Der Da-Vinci-Code – Sakrileg" von Dan Brown beispielsweise versuchen Angehörige des Opus Dei, mit radikalen Methoden die Veröffentlichung von Erkenntnissen über Nachkommen Jesu Christi und Maria Magdalenas zu verhindern.

Lombardi bekommt nun erstmals Unterstützung – oder, je nach Sichtweise, Konkurrenz. Während der Chef des unterbesetzten Pressebüros meist die heißen Kohlen aus dem Feuer holen muss, wenn es schon zu spät ist, wird für Burke an zentraler Stelle ein neuer Posten geschaffen. Und zwar dort, wo die Männer der Kurie entscheiden, welche Informationen wie an die Öffentlichkeit gelangen. Burkes Büro wird im Staatssekretariat angesiedelt, der Regierungszentrale des Papstes.

Wie der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses

Burke selbst vergleicht sein Amt mit dem des Kommunikationsdirektors im Weißen Haus. Er wird keine Entscheidungsgewalt haben, aber den Kardinalstaatssekretär, den zweiten Mann im Vatikan, und dessen Mitarbeiter darin beraten, wie man mit Informationen umgeht, sie verheimlicht oder günstig platziert.

Das gelang den Monsignori zuletzt ausgesprochen schlecht. In den vergangenen Wochen gab es Berichte über Intrigen und Eitelkeiten innerhalb der Kurie, geheime Dokumente wurden der italienischen Presse zugespielt und der Kammerdiener des Papstes wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat festgenommen. Schon zuvor hatten der Missbrauchsskandal in kirchlichen Lehranstalten und die Affäre um den Holocaust-Leugner und Lefebvre-Bischof Richard Williamson Benedikt XVI. und seine Mitarbeitern in ein schlechtes Licht gerückt.

Besonders der Fall Williamson brachte ans Tageslicht, wie rückständig Kommunikationsprozesse im Vatikan abgewickelt werden. Beinahe vier Wochen dauerte es, bis ein Warnbrief des apostolischen Nuntius in Stockholm von der vatikanischen Poststelle auf den richtigen Schreibtisch in der Kurie gelangte. Da war die Nachricht von der Begnadigung allerdings schon in der Welt.

Als Berater eher hinter den Kulissen aktiv

Weil er angeblich in Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche ist, beriet sich der Papst in den vergangenen Tagen außerplanmäßig mit den wichtigsten Kardinälen, den Präfekten der Kongregationen und anderen hohen Prälaten.Außerdem hält sich in Rom hartnäckig das Gerücht von einer vorzeitigen Pensionierung des umstrittenen Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone. Nach einem Zeitungsbericht soll er vor Wochen sogar dem Papst seinen Rücktritt angeboten haben, der lehnte angeblich ab. Bertone wird unter anderem für schlechtes Krisenmanagement verantwortlich gemacht und ist in einigen Fällen selbst der Stein des Anstoßes. Auch solche Gerüchte oder Meldungen soll der vatikanische Kommunikationsberater in Zukunft verhindern.

"Ich bin überzeugt, dass die Kirche die maximal mögliche Transparenz erreichen soll", sagt Burke. Dabei weiß er, dass das Innenleben der Kirche nur bis zu einem gewissen Grad nach außen getragen werden kann. Die Öffnung bislang sagenumwobener Vatikan-Institutionen befürwortet Burke allerdings. Nun werden erstmals in einer Medien-Offensive Journalisten in die Vatikanbank oder das Geheimarchiv geführt. Burke wird in Zukunft eher hinter den Kulissen als Berater agieren.

"Vatileaks"-Affäre brachte Umdenken

Der Pressesprecher des Papstes, Pater Lombardi, wird Personalien und Schreckensmeldungen weiterhin allein kommentieren. Bislang geriet er vor allem mit seinen Dementis in das Licht der Öffentlichkeit. Die gegenwärtigen Treffen des Papstes mit den Prälaten dienten dazu, "das erwünschte Klima der Ruhe und des Vertrauens gegenüber der Arbeit der römischen Kurie" wiederherzustellen, sagte er vor Tagen.

Vor allem die jüngste "Vatileaks"-Affäre hat in der Kurie nun zur Überzeugung geführt, dass auch ein absolutistischer Apparat wie der Vatikan nicht mehr ohne professionelle Hilfe in Sachen Kommunikation auskommt. Burke könnte der richtige Mann für diesen Job sein. "Ich bin ein altmodischer Katholik aus dem Mittleren Westen, dessen Mutter jeden Tag in die Messe ging", sagt er über seine Herkunft. Seit fast 25 Jahren berichtet er als Korrespondent aus Rom über die Kirche und kennt die Szene wie wenige andere.

Zu Beginn seiner Zeit in Rom schrieb der in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri geborene Journalist für die konservative katholische Wochenzeitung National Catholic Register, später für das angesehene Time-Magazine. Seit 2001 war er für den erzkonservativen TV-Sender Fox News tätig, der nicht gerade für seine ausgewogene Berichterstattung bekannt ist.

Mitglied im "Opus Dei"

Dennoch ist Burke unter Kollegen in Rom angesehen. Nicht zuletzt machte er beim Tennisturnier der Auslandspresse-Vereinigung von sich reden. Burke, der außerdem Golf spielt und regelmäßig joggt, gilt als sportbegeistert. "Wenn wir gut spielen, können wir am Ende gewinnen", sagt er über seinen neuen Job im Vatikan.

Dort dauert das Werben um Burke anscheinend schon länger an. Wie der Journalist erzählte, lehnte er die ersten zwei Anwerbungsversuche durch das Staatssekretariat ab. Erst beim dritten Mal will Burke eingewilligt haben. "So eine Chance bekomme ich nicht so schnell wieder", sagt er.

Burkes Mitgliedschaft bei der im Vatikan einflussreichen katholischen Gemeinschaft "Opus Dei" dürfte bei seiner Berufung förderlich gewesen sein. Burke ist seit 1978 in der konservativen Laienorganisation Mitglied und lebt, wie sie es für einige ihrer Mitglieder vorgesehen hat, ehelos.

"Habe nicht den Anspruch, vieles schnell zu ändern"

Was die Aufräumarbeiten hinter den Leonischen Mauern angeht, verlässt sich der Papst bereits auf ein anderes Opus-Dei-Mitglied. Kardinal Julian Herranz ernannte er zum Chef einer Untersuchungskommission in der "Vatileaks"-Affäre. Auch der Sprecher von Johannes Paul II., Joaquin Navarro-Valls, gehört der ultrakonservativen Gemeinschaft an, ebenso wie der kürzlich entlassene Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi. Als US-Amerikaner gehört Burke auch zu einer anderen einflussreichen Gruppe in der Kirche. In das Kardinalskollegium wurden zuletzt immer mehr Eminenzen aus den USA berufen.

Burke, der für seine direkte Art bekannt ist, sagt, er wolle nicht stürmisch wie ein Mitglied der berüchtigten US-Militäreinheit Marines vorgehen, sondern mit "Besonnenheit". "Ich habe nicht den Anspruch, vieles schnell zu ändern", sagte er. Es klingt so, als sei sich der Journalist darüber im Klaren, dass er als katholischer Laie im Vatikan auch auf Widerstände stoßen könnte.
      


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