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08.09.2012
Interview
Jessica Schwarz:
"Ich grusle mich gern"
Die erfolgreiche Schauspielerin sprach über Hai-Tauchen, Horrorfilme und ihre Angst vor dem Tod

Opferbereitschaft | FOTO: DPA

Jessica Schwarz scheut keine Herausforderungen. Gerade hat die 35-Jährige in "Das Ende eines viel zu kurzen Tages" (Kinostart: 30. August) ihre erste englischsprachige Rolle gemeistert. Für das Drama "Heiter bis wolkig" (Kinostart: 6. September) spritzte sie sich Hormone, um glaubwürdig eine Krebskranke spielen zu können. Daneben führt sie mit ihrer Schwester ihr eigenes Hotel. Zum Glück gibt es noch ihren Freund, der vor allem Schutz bietet.

Info

Ein Leben in ständiger Bewegung

Jessica Schwarz wird am 5. Mai 1977 im hessischen Erbach geboren. Ihre Karriere beginnt im Jahr 1993 mit der Wahl zum BRAVO-Girl. Danach arbeitet Schwarz als Model und heuert später als Moderatorin beim Musiksender VIVA an. Außerdem arbeitet sie als Internet-Moderatorin für "Wetten, dass. . .?".

Ihr Durchbruch als seriöse Schauspielerin gelingt Schwarz in der Literaturverfilmung "Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders". Später spielt sie die Tony in "Die Buddenbrooks". Ihre bislang größte Rolle ist die der Romy Schneider im deutschen Fernsehfilm "Romy", für die sie mit dem Bambi als beste internationale Schauspielerin ausgezeichnet wird. Von 2001 bis 2005 ist die Schauspielerin mit ihrem Kollegen Daniel Brühl zusammen. Nach der Trennung unternimmt sie nach eigenen Angaben aus Verzweiflung und im betrunkenen Zustand einen Selbstmordversuch. Seit dem vergangenen Jahr ist sie mit dem Kameramann Markus Selikovsky liiert, für den sie in die österreichische Hauptstadt Wien zog. In ihrem Geburtsort Erbach hat Schwarz zudem mit ihrer Schwester Sandra 2008 das Hotel "Die Träumerei" eröffnet.

Frau Schwarz, Ihr Auftritt in "Am Ende eines viel zu kurzen Tages" ist kurz. Sie spielen darin eine lebenserfahrene Prostituierte. War das eine Rolle, die Sie unbedingt haben wollten?
JESSICA SCHWARZ: Ursprünglich sollte ich ja eine ganz andere Rolle spielen. Aber das Projekt hat sichjahrelang hingezogen, und auch das Drehbuch hat sich ständig verändert. Die deutsche Produzentin hielt dem Projekt die ganze Zeit die Stange, und so eine Einstellung respektiere ich. Selbst wenn es bedeutete, dass ich nun nur noch zwei Drehtage hatte und in einer ganz anderen Rolle halbnackt als Prostituierte auftrete. Außerdem wollte ich mal auf Englisch drehen, und da musst du mit kleinen Sachen anfangen. Und der wichtigste Grund: Es gab einen so schönen Satz im Drehbuch, in den ich mich verliebt habe. Den wollte ich unbedingt sagen.

Wenn Sie auf die Frage des Jungen "Wie geht Sex?" antworten.
SCHWARZ: "Das ist ein Wettkampf zwischen zwei Menschen, bei dem beide versuchen, den anderen gewinnen zu lassen."

Genau. Können Sie diese Antwort auch für sich selbst unterschreiben?
SCHWARZ: Diese Antwort passt genauso auf die Frage "Wie geht eigentlich Liebe?". So stand sie auch ursprünglich im Drehbuch. Das war meine Vorstellung vor vielen Jahren, und sie hat sich letztlich die ganze Zeit so gehalten. Du musst eben in einer Partnerschaft darauf achten, dass es dem anderen gutgeht und dich deshalb auch ein Stück selbst aufgeben.

Im Zentrum des Films steht aber weniger die Liebe als der Tod. Die Hauptfigur ist ein unheilbarer krebskranker Teenager, der in seinem Leben noch bestimmte Erfahrungen sammeln möchte. Wie sehr beschäftigen Sie sich selbst mit dem Thema?
SCHWARZ: Ich habe festgestellt, dass viele der Filme, die ich in letzter Zeit gedreht habe, mit dem Thema Tod zu tun haben, vor allem ja auch "Heiter bis wolkig", in dem ich ja selbst eine krebskranke Frau im Endstadium spiele. Ich habe mich selbst gefragt, warum das so ist. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass noch niemand in meinem Umfeld gestorben ist, den ich auch kennengelernt habe. Deshalb habe ich Angst vor dieser Ohnmacht und setze mich auf diese Weise damit auseinander.
Hingabe | FOTO: DPA

Hoffen oder glauben Sie, dass es eine Existenzform nach dem Tod gibt?
SCHWARZ: Nicht so richtig. Ich denke, dass wir uns in einer Form von minimalsten Teilchen irgendwo bewegen, aber das kann Gott weiß wo sein. Man ist einfach Energie. Mit der Kirche als Institution kann ich nichts anfangen. Ich bin zwar religiös erzogen worden, aber später dann ausgetreten. Ich interessiere mich aber durchaus für mystische Dinge.

Woher kommt das?
SCHWARZ: Das begann wohl, als ich in meiner Kindheit "Der kleine Vampir" gelesen habe. Und wenn du wie ich im Odenwald aufwächst, dann begegnest du Phänomenen wie Geisterbeschwörungen. Aber auch im Alltag habe ich unerklärliche Erlebnisse.

Was für welche?
SCHWARZ: Als ich im letzten Jahr "Jesus liebt mich" drehte, gab es einen Tag, wo ich merkte, dass irgend etwas in der Luft lag. Ich musste im 14 Grad kalten Walchensee ausharren, und die örtliche Feuerwehr spendete zusätzlich noch den Regen, den wir für die Szene brauchten. Dann fuhr sie weg, und ein wahnsinniges Gewitter zog auf, es donnerte und blitzte richtig bedrohlich, und dann erfuhren wir, dass sich drei Fahrminuten von uns entfernt ein junger Mann das Leben genommen hatte. Solche Dinge lassen mich nicht los. Das Gefühl, diesen Urängsten ausgeliefert zu sein, hat etwas Magisches an sich. Ich grusle mich auch gerne. Ich bin da wirklich Mädchen – das panisch schreit, wenn es erschreckt wird.

Wann wurden Sie zum letzten Mal erschreckt?
SCHWARZ: Als ich zu Hause auf meinem iPad den zweiten Teil des Horrorthrillers "The Descent" anschaute. Und dann merkte ich: Das geht gar nicht. Ich habe immer wieder ausgeschaltet und mich mit was anderem beschäftigt, bis die Neugier wieder größer wurde. Ich war dann ganz froh, als mein Freund nach Hause kam, und meinte zu ihm: "Du musst das mit mir zusammen anschauen, ich kann das nicht alleine sehen."

Sie sind ja wegen Ihres Freunds nach Wien gezogen, eine Stadt, die für ihre Morbidität sehr bekannt ist. . .
SCHWARZ: Das habe ich früher auch gedacht, aber jetzt, wo ich hier lebe, empfinde ich das gar nicht mehr.

Gibt es denn noch etwas, was Sie in diesem Leben unbedingt machen wollen?
SCHWARZ: Ich möchte gerne einen hohen Berg besteigen, und auch mit Haien zu tauchen ist noch ein Plan. Vor zwei Monaten habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Das war auch ganz oben auf meiner Liste.


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