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20.10.2012
Interview
P!nk: "Ich hasse Lügner"

Die Sängerin hat gerade ihr neues Album veröffentlicht | Interview

Alecia Moore, besser bekannt als Pink, ist zurück. Das neue Album der 33-Jährigen, die seit über einem Jahrzehnt zu den schillerndsten, kreativsten und großklappigsten Popstars der Welt gehört, heißt "The Truth about Love". Auf ihm probiert sich gut hörbar eine Künstlerin aus, die in den vergangenen Jahren emotional sehr viel erlebt hat.

Frau Moore, das Video zu Ihrem aktuellen Hit "Blow Me (One Last Kiss)" haben Sie in Schwarzweiß gedreht. Sie sehen in dem Clip sehr edel und mondän aus, tragen ein elegantes Abendkleid. Die gesamte visuelle Aufmachung des Filmchens erinnert an die fünfziger und sechziger Jahre. Wollen Sie die guten alten Zeiten zurückbringen?
PINK:
Ja, warum nicht? Was gibt es denn stattdessen? Reality-TV-Shows und diesen ganzen Mist. Die Leute sehen sich nicht mehr etwas an, um ihre Phantasie zu stimulieren, sondern um ihre Phantasie abzutöten. Ich finde das furchtbar bedauerlich.

Pink

Stimmt es, dass Sie ein mit 20 Millionen Dollar dotiertes Angebot abgelehnt haben, Jury-Mitglied bei der US-amerikanischen Ausgabe der Castingshow "The X Factor" zu werden?
PINK:
Das stimmt. Und nicht nur das. Ich hatte auch Angebote von "American Idol" und von "The Voice Australia" auf dem Tisch. Ich habe Respekt für alle, die dort mitmachen, doch ich selbst möchte nicht mit diesen Shows in Verbindung gebracht werden. Außerdem hätte ich mich als Teil der Jury anpassen und verstellen müssen. Ich wäre nicht mehr ich selbst gewesen.

Ehrlichkeit ist Ihnen demzufolge besonders wichtig?
PINK:
Sie ist der Schlüssel. Ich rede viel Blödsinn, aber das meine ich ernst: Wer nicht aufrichtig ist im Leben oder in seinen Beziehungen, der wird dafür bezahlen. Ich hasse Lügner, und ich bin ziemlich stolz darauf, dass ich in über zehn Jahren in dieser Branche nicht zu einer verlogenen, falschen Zynikerin geworden bin. Man muss ehrlich und aufrichtig sein, immer. Man darf den Leuten keinen Scheiß erzählen.

Ihr Album heißt nicht von ungefähr "The Truth about Love". Sie sind vor gut einem Jahr zum ersten Mal Mutter geworden und hatten sich zuvor nach einer Trennung mit ihrem Ehemann und langjährigen Lebensgefährten versöhnt. Ist jetzt alles perfekt zwischen Carey Hart und Ihnen?
PINK:
Wir kämpfen jetzt netter als früher. Aber wir kämpfen immer noch manchmal. Wir lieben uns, wir erziehen gemeinsam ein Kind. Ich bin sehr zufrieden damit, wie es gerade läuft.Sie waren einige Zeit getrennt. Sind Sie überrascht, dass Sie wieder zusammengefunden haben?
PINK:
Wir haben uns immer geliebt. Dieses Gefühl war nie weg, auch nicht während der Trennung. Wir sind auch immer in Kontakt geblieben. Ich denke, wir waren einfach noch nicht fertig. Wir merkten, dass es noch nicht zu Ende war mit uns. Wir hatten noch etwas zu erledigen: ein Baby machen! (Lacht.) So im Nachhinein ist das doch alles ganz offensichtlich. Hinzu kommt: Mein Mann und ich, wir sind Kämpfer. Wir kämpfen manchmal gegeneinander, aber wir kämpfen auch füreinander. Wir wollten uns nicht geschlagen geben. Rechtzeitig merkten wir beide, dass es zusammen schöner ist als getrennt.

Verstehen Sie sich mit Ihrem Mann besser, seit Ihre Tochter auf der Welt ist?
PINK:
Es ist anders, verdächtig harmonisch (lacht).Dass Carey ein wunderbarer Vater sein würde, das wusste ich immer. Aber was mich wirklich überrascht, das ist, wie sehr wir uns neuerdings zusammenraufen. Wir wissen beide, dass ein Kind der härteste Job der Welt ist. Und wir halten echt toll zusammen.

Sie haben nach der Geburt Ihrer Tochter Willow eine Weile Pause gemacht. Fiel es Ihnen schwer, danach wieder zu arbeiten?
PINK:
Nein. Im Gegenteil. Willow verbreitet eine unglaubliche Energie, die auf mich abfärbt. Sie ist immer dabei, auch im Studio, und wenn sie da ist, bin ich zu hundert Prozent Mutter und zu hundert Prozent Rockstar. Mit Willow macht alles im Leben viel mehr Spaß. Seit sie da ist, ist mein Leben leichter, lockerer geworden. Ich verzichte jetzt auf wilde Partys, auf Zigaretten und – na ja, fast auf Alkohol. Aber das macht mir nichts, okay: wenig, aus.

Wie teilen Sie sich die Elternschaft mit Ihrem Mann auf?
PINK:
Die Natur sagt: Der Vater jagt und sammelt. Die Frau kümmert sich. Und ich kümmere mich gern um meine beiden – um Willow und um Carey.

Wenn das mal keinen Ärger mit den Feministinnen gibt.
PINK:
Ich will den Männern gar nichts in Abrede stellen, es gibt auch genug Singleväter da draußen, die ihre Sache großartig machen. Ich kann ja nur sagen, was ich erlebe. Und ich stelle fest, dass ich mehr im Haushalt mache als Carey, selbst wenn ich genauso viel arbeite wie er. Und dass das okay für mich ist. Außerdem merke ich, dass es machbar ist, Kind und Karriere zu kombinieren, auch wenn es verflixt anstrengend ist. Ich bin zu hundert Prozent Mutter und zu hundert Prozent Popstar. Wenn du Kinder hast und arbeitest, sind das zwei Vollzeitjobs. Ich bewundere jede Frau, die das hinbekommt.

Planen Sie weitere Kinder?
PINK:
Früher wollte ich immer ein ganzes Basketballteam, also sechs Stück. Von dieser Idee bin ich mittlerweile abgerückt. Ich weiß noch nicht, wie viele es werden sollen, aber ich will gerne noch mehr Kinder haben.

Trotz aller positiven Erfahrungen gibt es auf Ihrem Album auch traurige Stücke, wie die intensive Pianoballade"The Great Escape".
PINK:
Viele glauben, das Stück handelt von Selbstmord. Für mich selbst geht es eher um das Gefühl, sich betäuben zu wollen. Wir alle haben ja Wege gefunden, die scharfen Kanten des Lebens ein wenig zu begradigen, sei es mit Alkohol, Drogen oder diesen ganzen Drecksmedikamenten, die deine Gefühle abtöten. Ich habe oft den Eindruck, die ganze Welt hat irgendwas genommen. Wie sonst könnten wir dasitzen und zugucken, wie überall so viel Scheiße passiert.Ich habe gelesen, dass die meisten ihrer Freunde schwul oder lesbisch sind. Ist das korrekt?
PINK:
Früher war das so, ich kam mit den Schwulen immer am besten zurecht, schon als Teenager. Ich denke, das hat damit zu tun, dass wir vieles gemeinsam haben. Ich verallgemeinere jetzt ganz furchtbar, aber wenn du schwul bist oder lesbisch, dann hast du es nicht unbedingt leichter. Dein Leben ist kein Stück Kuchen, wenn du ein Junge bist und mit 14 oder so merkst, dass du auf Typen stehst. Du musst kämpfen, manchmal musst du leiden. Und du musst zu dir stehen. Alles das habe auch ich erlebt, meine Jugend war nicht leicht und das Gegenteil von unbeschwert. Mit 14 bin ich von zu Hause weggegangen, ich umgab mich mit zweifelhaften Charakteren, war emotional nicht stabil und für meine Eltern der reinste Horror. Heute schaue ich mich an und denke: Mensch, ich bin in Ordnung.

Hat sich Ihr Freundeskreis über die Jahre verändert?
PINK:
Ja, mittlerweile ist das der totale Mix. Früher konnte ich viel besser mit Jungs befreundet sein, mit Mädels hatte ich oft meine Schwierigkeiten, die meisten fanden mich einfach zu verrückt. Aber auch das hat sich verändert. Ich habe einige wirklich gute und enge Frauenfreunde. Viele meiner Freunde sind auch jetzt verheiratet und haben Kinder. Alle werden sesshaft und ruhiger.

Sie klingen fast schon altersmilde.
PINK (lacht laut):
Passen Sie auf! Ich bin trotz allem immer noch sehr gut in der Lage, jemandem zu sagen, er möge sich doch bitte f(. . .). Ich bin keine harmoniesüchtige Frau geworden, das wird auch niemals passieren.

Kommentare
Muß es nicht heißen, ich hasse Lügner und Lügnerinnen?
Ist Die LÜGE nicht weiblich?
Sind wir Frauen nicht besser im lügen als die Männer?


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