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27.10.2012
Magazin
Unglücklich? Selbst schuld!

Jeder ist seines Glückes Schmied. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Universität Zürich. Dort trainierten Forscher mit 180 Männern und Frauen Charakterstärken wie Optimismus, Dankbarkeit und Freundlichkeit. Das Ergebnis: Nach zehn Wochen fühlten die Teilnehmer sich positiver.

Neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. Bereits seit den 80er Jahren sind deutsche Psychologen, Philosophen und Ökonomen dem Glück auf der Spur. Sie alle wissen: Von nichts kommt nichts. Dieser Meinung ist auch Karl-Heinz Ruckriegel, Professor für Volkswirtschaft und Psychologische Ökonomie an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg und Fachmann für Glücksforschung. Er weiß: Wer positive Emotionen stärkt und negative Emotionen auf jene beschränkt, die ihm wirklich weiterhelfen, geht dem Glück mit großen Schritten entgegen.

Info

Was macht mich glücklich?

Charlotta Requardt, 7 Jahre aus Bielefeld: "Ich bin glücklich, wenn meine Freunde auch glücklich sind. Und ich bin glücklich, wenn ich Geburtstag habe, weil ich dann meine ganze Familie und meine Verwandten sehe."


Björn Fritz, 37 Jahre, aus Bielefeld: "Wenn ich Zeit für mich habe, zur Ruhe kommen und einfach nur sein kann, dann bin ich richtig glücklich. Und ich bin zufrieden, wenn es meiner Partnerin und meiner Familie gut geht."

Emma Treder, 97 Jahre, aus Bielefeld: "Wenn ich andere Menschen glücklich machen kann, dann bin ich auch glücklich. Ich habe im Leben selbst viel Not erlebt und weiß deshalb, wie schön es ist, wenn jemand bei Problemen für einen da ist. Deshalb habe ich auch immer ein offenes Ohr für die Sorgen meiner Mitbewohner im Seniorenstift."

Dazu muss der Laie allerdings zuerst mal verstehen, dass das Glück in der Wissenschaft nichts mit dem Zufallsglück, also dem Lottogewinn zu tun hat. Ruckriegel: "Wenn Glücksforscher vom Glück sprechen, dann geht es um das subjektive Wohlbefinden. Dieses wird in zwei Ausprägungen erfasst: das emotionale Wohlbefinden, das sind die Glücksmomente, und das kognitive Wohlbefinden, die generelle Lebenszufriedenheit."

Auch Erwartungen formen unser Glück

Beeinflussen lassen sich beide Ebenen. "Beim kognitiven Wohlbefinden kommt es stark auf die Erwartungen an", so Ruckriegel. "Wenn jemand diese immer so hoch ansiedelt, dass er ständig frustriert ist, kann sich keine Zufriedenheit einstellen."

Und auch beim emotionalen Wohlbefinden kann jeder Mensch ein paar Rädchen drehen: "Man kann positive Gefühle üben, Dankbarkeit zum Beispiel. Dazu muss man versuchen, die Dinge, die einem über den Tag widerfahren, bewusst zu erleben und wertzuschätzen." Eine gute Übung ist ein Dankbarkeitstagebuch: Hier werden abends drei Dinge notiert, die tagsüber gut gelaufen sind. "Wir wissen aus den Forschungsergebnissen der Psychologie, dass man seine Sicht auf das Leben ändert, wenn man das mal ein Vierteljahr gemacht hat."

Klingt einfach, ist es aber nicht, weiß Dr. Rainer Dollase, pensionierter Professor für Psychologie an der Universität Bielefeld. Denn das negative Denken ist im Menschen verankert. "Es gibt viele Leute, die hängen sich neue Gardinen auf und denken als Erstes: ,Hoffentlich werden die nicht so schnell dreckig wie die alten.’ Da ist sofort eine negativ-besorgte Deutung der Realität, dieses Schema rastet bei vielen immer ein. Wer aber die ganze Welt melancholisch-besorgt wahrnimmt, der wird zwangsläufig unglücklich."

Neuroten haben es schwerer zufrieden oder glücklich zu sein

Positiv denken als Schlüssel zum Glück – doch was, wenn man als Miesepeter zur Welt gekommen ist? Genetisch liegt das nämlich durchaus im Bereich des Möglichen. "Tatsächlich sind in der Psychologie bestimmte Eigenschaften definiert, die von Geburt an in uns angelegt sind", sagt Ökonom Ruckriegel. "Wenn jemand zum Beispiel leicht emotional aus den Fugen gerät, sprechen wir von Neurotizismus. Dieser Jemand hat es dann tatsächlich schwerer, zufrieden oder glücklich zu sein. Aber auch daran kann man arbeiten."Ob nämlich Miesepeter oder Sonnenschein, Mann oder Frau, Deutscher oder Japaner, Koch oder Arzt: Wir brauchen alle die gleichen sechs Glücksfaktoren, um zufrieden zu sein. "Wenn man die kennt", so Ruckriegel, "kann man sie mit bestimmten Aktivitäten zum Klingen bringen." Dazu gehören gute soziale Bindungen, physische und psychische Gesundheit, persönliche Freiheit, innere Haltung (genau der Punkt, den wir maßgeblich beeinflussen können) und die materielle Abdeckung unserer Grundbedürfnisse nach Essen, Trinken und Wohnen.

Zuletzt hängt unser Glück davon ab, ob wir eine befriedigende Tätigkeit ausüben, in der wir uns – auch finanziell – fair behandelt fühlen. "Dabei geht es aber nicht um die Höhe des Einkommens", stellt Ruckriegel klar. Also macht Geld wirklich nicht glücklich? Stimmt auch nicht, weiß der Ökonom. "Wer ständig Angst hat, dass er seine Rechnungen nicht bezahlen kann, hat Stress und damit weniger Zufriedenheit im Leben."

Zufriedenheit hängt nicht unbedingt vom Einkommen ab

Andererseits zeigen Studien, dass zwar das Pro-Kopf-Einkommen in Industrieländern in den vergangenen 40 Jahren gestiegen ist – die Zufriedenheit aber nicht. Logisch für Psychologieprofessor Dollase: "Wir können uns auch an Glücksgefühle gewöhnen. In unseren westlichen Staaten ist es eine notwendige Folge des Wohlstands, dass die Leute merken: Durch Konsum werde ich nicht glücklicher. Es gibt eine Liste der 40 Ratschläge fürs Glücklichsein. ,Do what you love’, ,Tu, was du liebst’ ist Ratschlag Nummer neun."

Genau das ist aber der Haken: Die meisten Menschen wissen nämlich nicht, welche Aktivitäten sie glücklich machen, weiß die Gütersloher Diplompsychologin Maria Strukova. "Stattdessen haben sie Bilder aus Werbung und Fernsehen im Kopf, die wenig mit ihren persönlichen Komponenten des Glücks zu tun haben." Gar so schlecht sieht es aber gar nicht aus: Im Vergleich mit 98 Nationen aus aller Welt liegen die Deutschen in puncto Glück immerhin auf Platz 32. Wer unter den Top 3 rangiert, wird im Hinblick auf die 4:4-Fußball-Niederlage in der vergangenen Woche nicht verraten – das bringt Unglück.

Kommentare
Jeder ist seines Glückes Schmied ist nicht nur eine Falsche, sondern auch eine gefährliche Aussage...

Link unterdrückt sehe ich auch so. Oder besser gesagt, nicht jeder der unglücklich ist, hat selber daran Schuld. Währ ja noch schöner...

Da scheint etwas weiter oben aber jemand sehr unglücklich zu sein.

An dieser Untersuchung gibt es einiges zu bemängeln. Auch ohne notorischer Nörgler zu sein. Erstens hat uns dieser Positivismus zu nichts geführt. Sicher klappt das eine Zeit lang, die rosarote Brille aufzusetzen, dann geht es mir erstmal besser. Dafür brauche ich keine sogenannt wissenschaftliche Untersuchung. Wenn man das mal so ein paar Jahre durchzieht, wird es allerdings nicht nur komisch, was man so alles ach so positiv finden kann, sondern das positiv emfinden hat einfach keinen unterschied mehr zu anderen Gefühlen, und wird somit einfach neutral und dauerhaft. Damit lässt sich schwirig Leben. Es führt unweigerlich auf einen Punkt zu, an dem es so einfach nicht mehr weitergeht. Nein. Es ist und bleibt sehr wichtig, seine schwirigen Gefühle zu achten, damit ein Unterschied erhalten bleibt. Außerdem ist es auch notwendig, das es genügend Menschen gibt, die falsche äußerliche Umstände anprangern, dagegen demonstrieren und sich äußern, ansonsten wäre Demokratie garnicht möglich. Jeder ist seines Glückes Schmied ist nicht nur eine Falsche, sondern auch eine gefährliche Aussage.

Ich empfehle das "Handbuch zum Glück" von Florian Langenscheidt


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