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24.11.2012
Porträt
Andreas & Chris Ehrlich: Magische Brüder
VON CAROLINE LINDEKAMP

Magische Brüder

Andreas Ehrlich: Es begann mit einer völlig entzaubernden Erkenntnis. Fasziniert vom Zauberer Don Alfredo aus Herford, bettelte der achtjährige Andreas um ein Kunststück. Schließlich bekam er eine Dose, in der – natürlich nur beim richtigen Zauberspruch – Bonbons erschienen. Die kamen aber gar nicht aus dem magischen Nichts, sondern mussten vorher in das Geheimfach gefüllt werden.

Christian Ehrlich: Es begann mit einer völlig entzaubernden Erkenntnis, der Begegnung mit der Erdanziehungskraft. Als Assistent beim vier Jahre älteren Zauberbruder sollte der kleine Chris auf einer selbstgebauten Schwebekonstruktion in die Höhe steigen. Es ging höher und höher und plötzlich ganz tief hinab. Die Illusion hat das elterliche Wohnzimmer der Familie Ehrlich aus Herford nie verlassen.

Heute, über zwanzig Jahre später, sitzen die Brüder Ehrlich in ihrer Zauberschmiede in Bünde und erzählen aufgeregt von den Superlativen ihrer Karriere: Sie starten die größte Tour, die Magier je auf die Beine gestellt haben. Sie bekommen Anfragen von Magier-Promis wie David Copperfield und Uri Geller. Und erst die begeisterten Rückmeldungen vom Publikum nach der großen Bühnen-Premiere!

Wie der 34-jährige Andreas so erzählt, strahlt der Junge durch, wie er mit großen, faszinierten Kinderaugen vor dem Zauberer Don Alfredo gestanden haben muss und seine Bonbondose bekam. "Ich habe immer wieder gefragt, bis er mich endlich eingeladen hat." Andreas’ erster Zauberwettbewerb endete trotzdem auf einem weit abgeschlagenen letzten Platz.

Info

Auf großer Deutschlandtour

"Träume erleben!" heißt die große Tour der Ehrlich Brothers mit über 30 Auftritten in der ganzen Republik. Die gebürtigen Herforder haben in ihren Jahren als Zauberer zahlreiche Tricks entwickelt: Sie lassen einen Baum aus dem Nichts wachsen, kochendes Wasser in Sekunden gefrieren oder verbiegen stählerne Bahnschienen. "Wir haben und gefragt, warum Uri Geller mit dem Verbiegen von einfachen Löffeln so bekannt werden konnte?", sagt Chris Ehrlich.

Wir haben gesagt, lasst doch mal Bahnschienen biegen. Jeder hat uns einen Vogel gezeigt, und heute ist es ein weltweit gebuchter Act."

"Träume erleben": Samstag, 22. Dezember, um 16.30 und um 20.30 Uhr in der Stadthalle Bielefeld.

Mit einem breiten Grinsen und in der Dramaturgie eines Witzes erzählen die Brüder von ihren Rückschlägen, wie man diese rückblickend halt schätzen lernt, wenn es dann doch gut läuft. Aber es lässt erahnen, wie viel Hartnäckigkeit und Arbeit hinter der Zaubererkarriere steckt. Auch die Käbbeleien der Brüder kommen beim Interview wie ein einstudierter Sketch rüber.

"Natürlich wird gestritten, und es wird sich auch manchmal angeschrien", sagt Andreas. "Aber es gibt das bedingungslose Vertrauen und immer so Phasen, wo der eine den anderen etwas mitreißen muss. Wir haben so viele Künstlerkollegen, die sich zusammengetan und dann wieder getrennt haben. Aber die Ehrlich Brothers – und das bekommen wir oft zu hören – sind ein Fels in der Brandung." Chris: "Wir haben ja auch die Chance, uns zu trennen, aber warum sollten wir? Es macht einfach zu viel Spaß zu zweit." Die Heimat und die Familie als Grundlage für die Arbeit ist in der Ehrlich-Zauberschmiede in jedem Winkel zu spüren. Während auf der Bühne Lichteffekte, Geräuschkulisse und Showeinlagen über das Publikum hereinbrechen, hat die Zentrale nichts Abgehobenes. Das Klinkekerhaus am Rande von Bünde erscheint mehr als Familienwohnsitz. Tatsächlich lebt Andreas mit seiner Frau und drei Kindern dort. Chris hat eine Wohnung in Enger.Vielleicht braucht es auch bei aller Begeisterung für die Magie den Bruder an der Seite, um aus der bürgerlichen Sicherheit einen entschlossenen Schritt Richtung Showbühne zu wagen. "Mit 13 habe ich in einem Interview mal gesagt, ich wolle nie davon leben", erinnert sich Andreas. "Diese Einstellung wäre vielleicht was anderes gewesen, wenn wir Künstlereltern gehabt hätten", meint Chris.

Während sein älterer Bruder nach dem Abi zunächst versuchte, Mathe-Studium und Zauberei unter einen Hut zu bekommen, sparte sich Chris den Umweg über die Uni. "Du hast dich auch immatrikuliert und wusstest nicht genau, wo die Reise hingeht, aber du warst nie richtig in einer Vorlesung, weil wir ja direkt zusammengearbeitet haben." Chris lehnt sich zurück und zieht fordernd die Augenbraue hoch: "Vielleicht bin ich ja der Mutigere von uns beiden." Die kleinen brüderlichen Sticheleien.

Überwiegend für Unternehmen inszenierten sie rund um den Globus ihre Zaubershows. Zersägten bei der Weihnachtsfeier den Firmenchef, ließen beim wichtigen Kundenabend Lastwagen verschwinden oder ein reiches russisches Brautpaar aus einer kitschigen Rahmengeschichte erscheinen.

In Bünde offenbaren auf den ersten Blick nur die vielen, wahllos über die Regale verteilten Zauberer-Pokale den Beruf. Auf dem Tisch liegen ungleichmäßig zusammengerollte Pläne. Ein Blick auf die detaillierten Skizzen verrät die harte Arbeit und die Kreativität hinter den Illusionen, die auf der Bühne mit so viel Leichtigkeit rüberkommen. Angestaubt soll Zauberei bei den Ehrlich Brothers nicht wirken. Große Bühnenproduktionen von Pur, Tabaluga und Michael Jackson sind Inspiration für ihre Shows. Der Stil passt: Die Haare wild gelegt, schmale Jeans mit spitzen Schuhen, Jackett und Hemd natürlich mit Applikationen.

Die Show haben sie längst verinnerlicht. Wenn sie ihre Anekdoten erzählen, wirbeln sie mit den Händen Rankenmuster in die Luft, dehnen die Vokale wie ein Märchenonkel: "Vor langer, langer Zeit habe ich noch mit Feuer experimentiert", erzählt Andreas. Er ließ einen brennenden Stoffhasen aus einem Zylinder erscheinen. "Dass er nicht mehr ausging und die Bühne brannte, war aber nicht geplant." Er schnipst laut mit den Fingern, als würde der brennende Hase gleich wieder erscheinen.


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