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08.12.2012
Porträt
Roland Kaiser: Immer nur nach vorne sehen
Der Schlagerstar ist nach schwerer Krankheit zurück, diesmal auf der Leinwand
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Roland Kaiser | Porträt

Der Mann ist völlig entspannt. Wer das Vergnügen hat, Roland Kaiser in ein Gespräch über das Leben, die Liebe und natürlich die Musik verwickeln zu können, trifft auf einen Zeitgenossen, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt und jeden Augenblick genießt. "Wer hat diese Kekse gemacht?", fragt der Sänger, als er die knusprige Beigabe zum Latte Macchiato isst. Die Auskunft "eine holländische Bäckerei" beantwortet er witzelnd mit leichtem Berliner Zungenschlag: "Wenn mir davon jemand ein Kilo brächte, würde ich den Mann verklagen. So lecker sind die – unfassbar."

Die direkte Herangehensweise an die kleinen und großen Dinge des täglichen Lebens hat Roland Kaiser zur Maxime erhoben. "Man muss nicht alles so bierernst nehmen", sagt der Sänger, dessen Karriere 1976 mit dem "Frei, das heißt allein" begann, über seine Rolle im neuen Münsteraner "Tatort"-Krimi. Hier spielt Kaiser einen Schlagersänger mit dem Namen Roman König; Sendetermin im kommenden Frühjahr. Der Name sei von den Autoren sicher nicht zufällig gewählt, schmunzelt Kaiser. Parallelen zu seiner eigenen Biografie gebe es aber nicht. Der Tatort werde "spannend" und "unterhaltsam". Das sei entscheidend, findet der Sänger und lässt mögliche Einwände von selbsternannten Kritikern an seinem Schauspieldebüt bereits im Vorfeld an sich abprallen.

Info

Das sagt Roland Kaiser über . . .


Liebe: Das ist ein wesentlicher Motor unseres Lebens. Nicht nur die körperliche Liebe, sondern auch die Liebe zu Kindern oder Freunden.

Krankheit: Man merkt immer erst dann, wie wichtig die Gesundheit ist, wenn man sie nicht mehr hat.

Geld: Wenn man es hat und nicht einsetzt, um zu spekulieren, kann es beruhigen. Wenn man es als Lebenselixier betrachtet, ist es etwas Lähmendes.

Musik: Das ist die Sprache der Welt. (bth)

Sich mit den getroffenen Entscheidungen wohl fühlen zu können ist Roland Kaiser wichtig. So ist er der Liebe wegen nach Münster gezogen. "Hier gibt es alles, was der Mensch braucht. Das hat mich überzeugt von der Stadt, und ich bin ihr bislang treu geblieben." Allerdings fährt er auch heute noch öfters in sei-ne Geburtsstadt Berlin, eine Metropole, die er sehr spannend findet. "Berlin hat durch das Zusammenkommen der beiden Hälften Deutschlands enorm an Tempo gewonnen. Auf der anderen Seite hat die Stadt mehr sozialen Sprengstoff." Das Klima untereinander sei in Münster "ein wenig friedvoller".

Roland Kaiser passt sich nicht gern an

Um gutes Klima im weitesten Sinn geht es auch bei den Konzerten des Entertainers. Wo das Publikum ihm besonders gut gesonnen ist? Keine Ahnung. "Ich mag diese Anbiederei nicht. Die Leute wollen gut unterhalten werden, und wir agieren. Es gibt kein besseres und schlechteres Publikum, es gibt bessere und schlechtere Künstler. Es ist zu bequem, die Leute einzuordnen. Ich mag solche Kategorisierungen nicht." Für Roland Kaiser ist ein Live-Konzert "der Gipfel unseres Berufes".Stress empfindet der Künstler, der auch für Peter Maffay, Milva, Nana Mouskouri oder die Band Karat Liedtexte geschrieben hat, bei einer Tournee deshalb nicht. "Ich habe eine völlig andere Einstellung als früher. Früher habe ich sehr genau überlegt, was ich glaube, tun zu müssen, um Erfolg zu haben. Heute sage ich, ich gehe raus und habe Spaß. Und seitdem geht komischerweise alles viel besser." Insofern sei sein Leben einfacher als vorher, ist der 1952 in Berlin geborene Sänger überzeugt.

Das kleine Wörtchen "vorher" markiert eine Krise seines Lebens, die Roland Kaiser geprägt hat. Eine chronische Erkrankung machte es erforderlich, dass er 2010 eine Lungentransplantation vornehmen ließ, die er erfolgreich überstand. Schon im Frühjahr 2011 feierte er sein Bühnen-Comeback. Es ist "ein großes Geschenk, ein zweites Leben zu bekommen. Damit gehe ich bewusster um als mit dem ersten", sagt Kaiser. Es sei "eine besondere Aufgabe", mit diesem zweiten Leben umzugehen. Aufregung und Zorn haben hier keinen Platz mehr, zum Beispiel wenn er mit dem Auto im Stau steht. "Dann mache ich eben das Radio an."

Heute lebt der Schlagerstar mit einer Spenderlunge

Nur ein Jahr und vier Monate nach dem schweren Eingriff wieder im Showgeschäft sein zu können sei schnell gewesen, ist sich Kaiser bewusst. "Ich treibe jeden Tag meinen Sport. Meine Kondition ist besser als je", kann er heute sagen. Zu Unrecht sei das Thema Organspende in Deutschland in negative Schlagzeilen geraten. Es sei in erster Linie ein Verteilungsskandal gewesen, betont der Künstler. "Weder Organspender noch Organempfänger haben sich skandalös benommen."

Die Bereitschaft, sich einen Spenderausweis zuzulegen, sei ohne Grund zurückgegangen. "Wir erholen uns wieder", sagt Kaiser kämpferisch als Botschafter der Stiftung Deutsche Organtransplantation. Dass sich viele Menschen in Deutschland scheuten, sich für einen Organspendeausweis zu entscheiden, "liegt oft an mangelnder Information". Er wolle dazu beitragen, dies zu ändern.

Bei allem ehrenamtlichen Engagement und neben seiner neu gestarteten Karriere (seine Live-Tournee wird ihn am 21. März 2013 nach Bielefeld führen) hat der Star nach eigenem Bekunden auch "extrem viel" Zeit fürs Privatleben. "Ich bin ja ein begeisterter Flieger", erzählt er. "Ein Hobby, das mich sehr erfüllt und stressfrei ist." Schließlich gebe es oben keine Staus.

Flughafen Tempelhof - für Kaiser einer der schönsten Flughäfen der Welt

Von Kindes Beinen an habe er schon fliegen wollen. Er habe oft am Flughafen Tempelhof die Maschinen beim Starten und Landen beobachtet. "Das war immer spannend zu sehen." Erst viel später sei aus dem Traum Realität geworden. "Ich finde es traurig, dass man einen der schönsten Flughäfen der Welt schließt", sagt der Berliner bezogen auf den Airport Tempelhof. Den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld "sehe ich noch nicht in Betrieb". Angesichts der Probleme sagt Kaiser: "Da muss irgendwer vergessen haben, sich Gedanken zu machen."

Politisches Denken ist für das SPD-Mitglied Roland Kaiser selbstverständlich. Bereits im Jahr 2005 engagierte er sich mit Wahlkampfauftritten, um den Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder zu unterstützen. Wenn ihn die Parteiführung frage, "mache ich das auf jeden Fall wieder", sagt er mit Blick auf die Bundestagswahl 2013. "Man entscheidet heute so wenig", ist Kaisers Eindruck von großen Teilen der Politik. Hier ist Peer Steinbrück in seinen Augen anders, ihm räumt er gute Wahlchancen ein.

Dass die Politik allgemein immer öfter an die Grenzen des Machbaren stößt, stürzt Roland Kaiser aber ebenso wenig in eine Existenzkrise wie die sonstigen Herausforderungen des Daseins. Er lebt getreu dem Motto: "Ich schaue immer nach vorne. Vorne spielt die Musik."

" Am 21. März 2013 tritt Roland Kaiser in der Bielefelder Stadthalle auf. Karten gibt es unter www.erwin-event.de

Kommentare
Leider fehlt dem Autor dieses Berichtes der Mut zur Offenheit.

Anstatt nur von einer chronischen Erkrankung zu schreiben, wäre der deutliche Hinweis auf COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung), die aus Sicht von Fachpneumologen mehr und mehr zur Volkskrankheit wird, wünschenswert gewesen.

Weiterhin darf man sich mit einem wahren journalistischen Kreuz durchaus die Frage gestatten, warum für Herrn Ronald Keiler (so sein bürgerlicher Name) ungewohnt schnell ein Organ zur Verfügung stand, andere Betroffene jedoch bereits seit Jahren warten.

Das er nie die Liebe seiner eigenen Eltern bekommen hat, da ihn seinerzeit seine erst 17 Jahre junge Mutter wegen ihrer eigenen Unfähigkeit einer Pflegemutter übergab, mag ebenso erwähnt werden dürfen.


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