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05.01.2013
Interview
Matthias Schweighöfer im Interview
"Ein Mann muss wissen, was er will"

Als Regisseur der bittersüßen Komödie "Schlussmacher" zeigt der 31-Jährige sich als sensibler Beziehungs-Beobachter.
Mit Rüdiger Sturm sprach er über Liebe, Flugangst und die Trennung von der Mutter seiner Tochter.      
    Herr Schweighöfer, der Untertitel Ihres neuen Films lautet "Liebe ist nichts für Feiglinge". Stimmen Sie dem zu?
MATTHIAS SCHWEIGHÖFER: Das kann ich unterschreiben. Liebe braucht einen langen Atem. Das heißt, du musst den Mut haben, lange Strecken zu gehen und alles für eine Liebe zu tun.

Und das tun Sie selbst auch?
SCHWEIGHÖFER: Ja, selbst wenn es dann mal einen harten Aufprall geben kann. Feige in der Liebe war ich nur als Jugendlicher. Da war ich sehr schüchtern. An eine Situation kann ich mich gut erinnern. Ich muss etwa 15 gewesen sein. Ich war mit einem Mädchen im Kino, es lief "Hot Shots 2", und während des Abspanns guckte ich die ganze Zeit auf die Leinwand, um zu sehen, wer da mitspielte. Sie dagegen schaute ständig mich an, weil sie mich küssen wollte.

Nun geht es in Ihrem Film aber eher um das Ende einer Liebe. Sie spielen darin den aufstrebenden Manager einer Trennungsagentur. Gibt es heute keine so engen Partnerschaften wie früher mehr?
SCHWEIGHÖFER: Ich finde, das Beziehungsleben ist enger und kurzlebiger geworden, was ich sehr schade finde. Denn die Leute sind egoistischer, und diese Haltung bringen sie in die eigene Beziehung ein. Weil sie mit sich selbst so viel zu tun haben, haben sie für den anderen keine Augen mehr. Das ist sehr schade.

Aber auf Sie trifft das hoffentlich nicht zu.
SCHWEIGHÖFER: Ich achte sehr auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe. Ich gebe mir immer Mühe, dass sie sich wohl fühlen. Gleichzeitig versuche ich, Leute, die sich nur um die eigene Achse drehen, zu meiden. Die tun einem einfach nicht gut. Mit denen solltest du Schluss machen.

Leider gibt es zu diesem Film auch eine Parallele zu Ihrem Privatleben – im vergangenen Jahr trennten Sie sich von Ihrer langjährigen Freundin . . .
SCHWEIGHÖFER: Die Parallele ist mir natürlich aufgefallen. Es ist so absurd, dass ich schon wieder lachen musste. Aber diese Trennung ist bei uns noch lange nicht gegessen.

Wobei Ihre Filmfigur den Wert einer Männerfreundschaft entdeckt. Ist so eine Beziehung stärker als die Liebe in einer Partnerschaft?
SCHWEIGHÖFER: Zu einer Männerfreundschaft gehört, dass du gemeinsam Pferde stehlen und Scheiße bauen kannst. Das schafft eine sehr starke Beziehung, die auch nie erschüttert werden kann. Sie ist bedingungslos. Aber es gehört bei Männern auch nicht viel dazu, um so eine Freundschaft zu schließen.Aber was macht denn den Unterschied zwischen wahren Männern und Frauen aus?
SCHWEIGHÖFER: Ein wahrer Mann ist entscheidungsfreudig. Das hat mir mal mein Freund Milan Peschel gesagt, der die zweite Hauptrolle in "Der Schlussmacher" spielt und der auch Patenonkel meiner Tochter ist. Er ist glücklicher Vater von zwei Kindern und hat eine ganz feste Beziehung. So wie er seine Familie hinkriegt, ist er ein echtes Vorbild für mich. Ein Mann muss wissen, was er will; etwas Schwammiges ist doof. Das macht auch Frauen wahnsinnig. Die wollen wissen, woran sie sind, ob sie mit diesem Mann ein Leben stemmen können.

Und Frauen sind nicht entscheidungsfreudig?
SCHWEIGHÖFER: Ich gebe es zu: Ich kenne viele Frauen, die sehr geradlinig sind. Da stehe ich manchmal daneben und denke mir: "Ach du Scheiße, die ist aber stark." Und gleichzeitig gibt es viele Männer, die sehr schwammig sind.

Haben Sie durch Ihren Film etwas über Beziehungen gelernt?
SCHWEIGHÖFER: Es gibt die Szene, wo meine Freundin in dem Film zu mir sagt: "Erzähle mal was von dir." Mir ist da wieder klar geworden, dass du erst mal erfahren musst, mit welcher Person du in einer Beziehung zu tun hast. Kommunikation ist das Wichtigste. In einer anderen Szene heißt es, dass die große Liebe mit der Zeit entsteht. Und das ist richtig. Man darf das nicht so einfach aufgeben.

Beruflich geht es rund bei Ihnen. Brauchen Sie nicht mal eine Pause?
SCHWEIGHÖFER: In der Hinsicht trete ich jetzt auf die Bremse. Mir ist wichtig, Zeit für Familie und Freunde zu haben. Vor kurzem habe ich meine engste Freundin getroffen, und wir haben festgestellt, dass wir uns in diesem Jahr nur dreimal gesehen haben.

Ist das also Ihr Vorsatz fürs neue Jahr?
SCHWEIGHÖFER: Ja, aber vor allem habe ich zwei Vorsätze: Ich wünsche mir, dass ich mehr Mut habe, mich in ein Flugzeug zu setzen. In den letzten elf Jahren bin ich zweimal geflogen. Und ich möchte mehr Zeit mit meiner Tochter verbringen. Das ist das Wichtigste.

Was machen Sie, wenn sich eines Tages Ihre Tochter für Männer interessiert?
SCHWEIGHÖFER: Davor werde ich sie wohl eher beschützen. Aber sie soll lernen hinzufallen und dann auch wieder aufstehen. Dadurch lernt sie mehr, als wenn ich ihr etwas zeige. Sie macht ohnehin, was sie will, und das ist gut.


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