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19.01.2013
Interview
Jan-Gregor Kremp: "Einsamer Wolf kommt ganz gut"


Im Interview: Jan-Gregor Kremp

Herr Kremp, der Kommissar ist einer der gefragtesten Charaktere unserer Zeit. Wie spielt man einen guten?
JAN-GREGOR KREMP:
Ich glaube, es gibt so viele Kommissare und so viele Krimis, weil es das Einzige ist, was wirklich läuft. Und weil es einfach umzusetzen ist. Wenn man sich ein bisschen mehr Mühe geben würde, würden auch andere Sachen Quote kriegen. Aber zu Ihrer Frage: Ich finde, ein Kommissar muss wach sein. Authentisch. Er muss Strenge haben und Weisheit. Er muss eine Projektionsfläche sein, den Zuschauer an seinen Gedanken teilhaben lassen. Einsamer Wolf kommt auch ganz gut.

Info

"Ist mir so passiert"

Am Donnerstag, 31. Januar, tritt Jan-Gregor Kremp mit seinem Soloprogramm "Ist mir so passiert" im Bielefelder Stadttheater auf. Er erzählt Geschichten, die er an den verschiedenen Schauplätzen seines Lebens sammeln konnte, spricht, singt und dichtet über seine Kindheit, seinen Beruf, seinen Fußballverein und seine Wahrnehmung der Welt. Da erobern dann für kurze Zeit der desillusionierte Souffleur oder der Schauspieler, der das Spielen selbst beim Warten in der Bäckerei nicht lassen kann, die Bühne. Tickets gibt es ab 10 Euro bei Neuer Westfälischer, Lippischer Landeszeitung und Haller Kreisblatt und über www.erwin-event.de.

Das Gebrochene, das darf nicht fehlen, oder?
KREMP:
Schon. Eigentlich möchte man ja auch gar nicht genau wissen, warum der Kommissar der ist, der niemals lockerlässt. Mit der Realität hat das wahrscheinlich wenig zu tun. Das hört man ja auch immer wieder von den Kollegen aus dem wahren Leben, die sagen: Das würden wir nie so machen. Dann sage ich: Aber wenn ich jetzt erst mal zeige, wie ich mich zweieinhalb Stunden durch Papierkram wühle und nix finde, dann schalten die Leute auf jeden Fall ab. Was ich völlig überflüssig finde, ist diese ganze Rumfummelei im Privatleben des Kommissars, was oft versucht wurde. Das sollte man ganz und gar weglassen.

Im vergangenen Jahr standen Sie auf einmal voll im Fokus, als Sie bei "Der Alte" einstiegen. Dabei drehen Sie seit Jahrzehnten, haben lange Theater gespielt. Ist es ernüchternd, wenn sich auf einmal alle wegen einer Rolle für einen interessieren?
KREMP:
Man gewöhnt sich in dieser Branche schnell ab, auf der Suche nach Feedback zu sein; dabei wird man nämlich verrückt. Ich habe oft ganz viel dummes Zeug gehört für die Sachen, die ich mit Herzblut gemacht habe. Von daher klopfe ich mir nicht auf die Schulter, wenn die Leute sagen: Ach, guck mal, da kommt der neue "Alte"; ich muss aber auch nicht ausspeien deswegen. Sonst landet man da, dass man mit negativem Feedback zufrieden ist, und geht ins Dschungelcamp. Und das wollen wir ja vermeiden.

Außerdem bietet Ihnen "Der Alte" etwas, das Sie lange Jahre vermisst haben: Planungssicherheit.
KREMP:
Das stimmt. Ich habe die finanzielle Unsicherheit dieses Berufes oft als Belastung empfunden. Als freischaffender Schauspieler muss man sehen, wo man bleibt. Und es ist oft nicht einfach, die ersten Monate im Jahr nicht zu wissen, was kommt, ob was kommt. Momentan wird überall eingespart, und von daher bin ich im vergangenen Jahr sehr zufrieden gewesen, dass ich einfach mal sagen konnte: Ich weiß, was ich bis Dezember 2013 zu tun habe.Sie haben lange Jahre Theater gespielt, am Burgtheater Wien, am Schauspielhaus München, am Staatstheater Hannover. Warum haben Sie aufgehört?
KREMP:
Weil ich das Gefühl hatte, dass es irgendwann nicht mehr um die Sache ging, sondern um den Spielplatz der Regisseure. Wenn das Käthchen von Heilbronn sich vor dem Ritter in den Staub wirft, dann soll da eine bedingungslose Liebe erzählt werden, und dann kommt so ein Heini und sagt: Wir spielen das im Schlamm, mit Monitoren und in anderen Klamotten. Da habe ich gedacht: Und wo ist da das Stück? Da suche ich mir doch lieber meinen eigenen Spielplatz, sollen die doch machen.

Wobei es in der aktuellen Fernsehlandschaft sicherlich nicht einfacher ist, attraktive Projekte zu finden.
KREMP:
Das ist richtig. Deshalb ist es ja auch kein Wunder, dass ich bei einem klassischen Format gelandet bin, das es schon seit 30 Jahren gibt. Weil das genau das ist, was mir womöglich noch am meisten entspricht.

Ist Ihr Bühnen-Soloprogramm, mit dem Sie seit zweieinhalb Jahren touren, da eine Flucht?
KREMP
: Nein, das Programm ist die perfekte Mischung aus allem, wofür ich mich immer begeistert habe: Bühne, Schauspiel, Musik. Wenn man mich fragt, was ich gerne machen würde, dann sage ich: Genau das!

Trotzdem hatten Sie Respekt vor den ersten Aufführungen.
KREMP:
Die meisten Leute wissen ja gar nicht, dass ich vor dem Fernsehen zehn Jahre Theater gespielt und davor Musik studiert habe. Die müssen ja gedacht haben: Was will denn der, was macht denn der? Der ist doch bloß Schauspieler.

Ist die Musik für Sie dann jetzt Job oder Freizeit?
KREMP:
Freiheit! Und Freizeit. Gott sei Dank hat es nicht den Stempel: Du musst damit dein Geld verdienen. Deshalb kann ich mich nach Feierabend ganz entspannt ans Klavier setzen und abschalten. Musik war bei uns zu Hause immer wichtig. Mein Vater war Musiker und hat sich richtig krummgelegt, damit alle seine sechs Kinder Instrumente lernen konnten. Ich durfte Klavier lernen, Orgel, Trompete, war im Schulorchester, war bei meinem Vater im Orchester, habe Tanzmusik gemacht. Ich habe immer Musik gemacht.

Und trotzdem das Musikstudium abgebrochen für die Schauspielerei. Was hat Ihr Vater dazu gesagt?
KREMP:
Das war schwierig. Kann ich auch verstehen. Wenn mein Sohn heute käme und sagen würde: Pass mal auf, ich werde Astronaut oder Wrestler, dann würde ich auch dumm gucken.

Und würden Sie ihm die Schauspielerei empfehlen?
KREMP: Nein, würde ich nicht. Ich kenne so viele Leute, die das unbedin
gt wollen und die auch richtig gut sind. Und die haben keine Chance, irgendwo Fuß zu fassen. Und ich kenne Leute, die so schlecht sind, dass ich den ganzen Tag Knochen kotzen könnte, und die spielen da so rum und sind Publikumslieblinge. Das würde ich ihm gern ersparen.

Das hört sich so an, als ob Sie ziemlich genervt sind von der Branche.
KREMP:
Mich stört, dass sich unsere Gesellschaft mit ihrem kurzsichtigen, kapitalistischen Denken in die falsche Richtung bewegt, das Schiff vor die Wand fährt. Hauptsache, weg vom Altbewährtem. Eigentlich möchte ich mich tatsächlich am liebsten in meinem eigenen Gärtchen bedienen, meine Marmelade einmachen, meinen Rosmarin pflücken, mittags schön kochen. Und dann gehe ich an mein Regälchen, wo alle meine Bücher stehen, nix mit Elektronik oder iPad, und suche mir meine Lektüre aus. Mache meine Musik. Und von dem anderen Mist möchte ich wirklich nichts wissen.


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