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02.02.2013
Porträt
Kathy Weber - Mit voller Kraft
Kabel1-Moderatorin im Porträt
VON ANNEKE QUASDORF

Kabel 1 Moderatorin

In Prenzlauer Berg ist es eisig an diesem Januartag. Mit schnellen Schritten eilen die Berliner übers breite Trottoir dem nächsten Café oder Restaurant zu, während ihnen der kalte Wind um die Ohren pfeift. Glücklich, wer da zu Hause bleiben kann. Kathy Weber gehört zu den Glücklichen. Hellwach schallt ihre Stimme aus der Gegensprechanlage eines restaurierten Altbaus. "Durchs große Tor ins Hinterhaus, Erdgeschoss, bitte!" Dort ragt bereits der dunkle Schopf der 32-Jährigen aus der Wohnungstür.

In der Wohnküche brennen Kerzen auf dem grünen Holztisch, und es ist schön warm. Normalerweise hätte die Moderatorin es heute auch nicht so gemütlich, sondern würde im Büro sitzen. Aber ihr Freund hat sich die Hand gebrochen und muss nach einer Operation beaufsichtigt werden. "Und so mach ich heute eben die Krankenschwester", sagt sie und lacht, während der Pechvogel mit der eingegipsten Hand im Schlafzimmer verschwindet.

Ungelegen kommt der Tag Zwangspause in den eigenen vier Wänden der quirligen Berlinerin nicht. Hektik und Unterwegssein bestimmen ihr Leben schließlich oft genug. Als Moderatorin der Kabel 1-Formate "Abenteuer Leben – täglich neu entdecken" und "K 1. Das Magazin" ist sie permanent unterwegs, pendelt zwischen Berlin und München, reist zu Außendrehs, besucht Premieren. Frei einteilen kann sie sich die Zeit nicht, sondern muss stets das Wichtigste im Auge behalten: Sohn Ziv, fünf Jahre alt. Klingt stressig. Ist es manchmal auch. "Ich rühre halt in allen Pötten. Ich bin eine Löwenmama, bin unglaublich gern Mutter und Hausfrau. Aber ich arbeite auch unglaublich gern und bin gerne unterwegs. Das widerspricht sich natürlich alles und muss gut mit den Menschen drum herum besprochen werden."

Info

Werdegang

Kathy Weber wird am 10. September 1980 in Steinheim geboren. Nach dem Abitur studiert sie BWL, bevor sie das Studium abbricht und sich am Frankfurter Logo-Institut zur Moderatorin ausbilden lässt. Danach absolviert sie ein Volontariat beim Fernsehsender RTL. Moderationen der Sendung "Alles Nick" des Kindersenders Nickelodeon, der "Goldenen Kamera" und der "Kids Choice Awards" folgen. Im Januar 2013 nahm Weber an der Sendung "Das Perfekte Promi Dinner" des Senders VOX teil und gewann.

"Ich wusel rum, das bin ich!"


Vor allem braucht es eine Menge Energie, aber in dieser Hinsicht muss man sich bei Weber keine Sorgen machen. Wenn sie so an ihrem Küchentisch sitzt und von Arbeit, Sohn und den Dingen erzählt, die sie sonst noch bewegen, dann ist ihre Tatkraft fast mit den Händen zu greifen. Das weiß sie auch. "Ich wusel rum, das bin ich. Ich habe Lust, mit meinen lieben Menschen Spaß zu haben, ich spreche gerne laut, ich wirbel herum, ich habe gerne Menschen um mich herum, die ich betüddel."

Öfter schon hat Weber sich mit dieser Rührigkeit und Entschlossenheit selbst aus ordentlichen Krisen gezogen. Beim ersten Mal ist sie 20 Jahre alt und steckt kreuzunglücklich im BWL-Studium in Münster fest. Der Stoff gefällt ihr nicht, die Leute noch weniger, und so verbringt die Profi-Reiterin ihre Zeit entweder auf ihrem Pferd oder mit Jammern. Bis ihr eine genervte Freundin auf einer Party den Kopf zurechtrückt. Geh doch zum Fernsehen, da passt du gut hin, lautet der Ratschlag. Der verfängt, und noch in derselben Nacht trifft die junge Kathy ihre Entscheidung: Sie wird Moderatorin. In den nächsten Wochen bricht sie das Studium ab, organisiert sich ein Praktikum in Düsseldorf – und verkauft ihr Pferd. "Das stand einfach fest. Und das hab ich dann durchgezogen." Hat sie. Bis heute reizt sie die Herausforderung, Themen so zu verpacken, dass sie beim Zuschauer ankommen. "Ich muss nicht unbedingt vor die Kamera, aber ich habe Spaß, davor zu arbeiten."Bei der zweiten Krise ist die Situation weitaus ernster. Mittlerweile ist Weber in Berlin gelandet, wo sie gemeinsam mit Bürger Lars Dietrich die Kindersendung "Alles NICK" moderiert. Nebenbei führt die 27-Jährige für das ZDF Interviews am roten Teppich, die Karriere läuft. Dann wird sie schwanger, ungeplant. Kein Problem in ihren Augen. "Ich dachte: Sagst du denen halt Bescheid, und dann finden wir eine Lösung." Die Lösung besteht darin, dass sie im vierten Monat vor die Tür gesetzt wird, ohne Absicherung, ohne Perspektive. "Das war eine harte Zeit für mich, weil sich alle Klischees vom Kind als Karriereknick bestätigten und ich mit meinem Weltbild voll danebenlag. Ich bin eigentlich ein sehr positiver, lebensbejahender Mensch, der vorher immer gesagt hätte: Wo ist das Problem? Das war nicht leicht für mich zu verkraften, und es hat mich viel Energie gekostet, damit umzugehen."

Weil sie aber die ist, die sie ist, versinkt sie auch jetzt nicht in Selbstmitleid oder Lethargie, sondern gründet mal eben ein Unternehmen: ihre eigene Moderatorenschule. Ganz schön mutig, oder? "Ich weiß nicht, ob das was mit Mut zu tun hatte. Ich habe einfach immer so viel Spaß an Sachen. Die Idee kam mir damals, und wenn ich von etwas überzeugt bin, dann setze ich das auch um." Sagt’s und lächelt, während ihre Augen vor Lebenslust funkeln.

Webers Kennzeichen: Ihre hellgrünen Augen


Überhaupt müssen diese Augen beschrieben werden: Riesig sind sie, von einem ungewöhnlich hellen Grün, und sie bilden einen reizvoll weiblichen Kontrast zu Webers kurzem, burschikosem Haarschnitt. Wenn sie dann noch in hautengen Jeans und High Heels vor der Kamera posiert, dann ist Kathy Weber definitiv ein Hingucker. Wer diese Person allerdings in Prenzlauer Berg sucht, wird nicht fündig werden. Hier ist die 32-Jährige zu Hause, und zu Hause sein bedeutet: sich einkuscheln und mit der Familie gemütlich sein. Einen Topf Suppe kochen. Kamin anmachen. Filme gucken. "Mein Sohn ist auch so. Er sagt immer: ,Mami, ist heute ein Tag, wo wir den ganzen Tag im Schlafanzug zu Hause herumlaufen können?‘ Und dann gehen wir auch im Jogger einkaufen."

Tage wie diese gibt es jedoch zu wenige. Deshalb hängt an der Kühlschranktür ein Zettel mit den Worten: "Für alles, was ich tun will, ist genug Zeit und Raum vorhanden." Webers Leitsatz für 2013. "Aber wenn ich meinen Schreibtisch so angucke, weiß ich jetzt schon, dass es wieder eng wird", sagt sie und blickt zweifelnd zum zierlichen Sekretär, auf dem sich die Unterlagen stapeln. "Manchmal hätte ich am liebsten einen regelmäßigen Nine-to-five-Job." Kurzes Überlegen. "Aber ich weiß auch, dass das auf Dauer wahrscheinlich nicht so gut zu mir passen würde." Stimmt.


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