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16.02.2013
Interview
"Frauen sind Waagen auf zwei Beinen"
Susanne Fröhlich spricht im Interview mit Natascha Mahle über Schönheitsideale, Diätwahn, Frauenquote und welkes Fleisch.

Frau Fröhlich, viele Frauen leben in der Annahme, dass mit dem Erreichen der Traumfigur ihr Leben besser und schöner wird. Sie haben 25 Kilo abgenommen. Wurde Ihr Leben tatsächlich besser?
SUSANNE FRÖHLICH:
Nein. Das ist ein absoluter Trugschluss. Dünnsein ist in erster Linie praktischer. Man bekommt schönere Kleidung, da die Auswahl in großen Größen begrenzter ist. Außerdem kommt man leichter Treppen hoch. Aber ansonsten kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Glück hat nichts mit dem Gewicht zu tun. Da wird dem Gewicht zu viel Bedeutung beigemessen.

Was passierte mit Ihrem Selbstbewusstsein?
FRÖHLICH:
Probleme mit meinem Selbstbewusstsein hatte ich nie. Ich fand mich äußerlich immer ganz gut, obwohl ich natürlich wusste, dass ich nicht gertenschlank bin. Aber ich habe mich deswegen nie gegrämt.

Info

Allroundtalent

Susanne Fröhlich, geboren 1962 in Frankfurt am Main, ist Fernseh- und Rundfunkmoderatorin sowie Autorin. Sie gilt seit ihrem Bestseller "Moppel-Ich" (2004) als Galionsfigur des ewigen Kampfes mit den Pfunden. Die Mutter zweier Kinder moderiert die MDR-Büchersendung "Fröhlich lesen" und veröffentlichte vor kurzem ihre erste Yoga-DVD. Ihr erster Roman "Frisch gepresst" über die Protagonistin Andrea Schnidt wurde 2012 mit Diana Amft in der Hauptrolle verfilmt. Zuletzt erschien ihr Diät-Ratgeber "Diät–Deutsch/Deutsch–Diät".

War denn das Interesse des anderen Geschlechts plötzlich größer?
FRÖHLICH: Es gab ganz unterschiedliche Reaktionen. Manche Männer haben meine Abnahme überhaupt nicht bemerkt. Da habe ich mich zuerst darüber geärgert. Dann aber kam die große Freude. Das sind Männer, die sagen: "Ich schau nicht so genau. Ich sehe das große Ganze, und das gefällt mir oder eben nicht." Andere fanden meine Abnahme schade, die fanden rundere Frauen toll, das waren zu meinem Erstaunen sehr viele Männer.

Und die Frauen?
FRÖHLICH:
Das ist bei einer Abnahme sehr seltsam. Frauen schauen genau hin: Sie sehen auf den ersten Blick, ob jemand zu- oder abgenommen hat. Frauen sind Waagen auf zwei Beinen. Ich war bis dato für schlanke Frauen aus meinem Umfeld keine Konkurrenz. Ich war ja der Moppel und so per se auch ungefährlich. In dem Moment, in dem man Gewicht verliert, betritt man ihr schlankes Terrain. Das ist ihnen natürlich nicht recht. Deshalb kamen viele Kommentare wie zum Beispiel: Jetzt musst du aber aufpassen, dein Gesicht wird so schmal.  
Es wird immer wieder über Schönheitsideale diskutiert. Haben Sie den Eindruck, dass hierzulande der Einfluss dieser Ideale auf den einzelnen Menschen wächst?
FRÖHLICH:
Natürlich wächst der Druck. Was beschäftigt Mädchen mit zwölf? Viele versuchen ihre erste Diät. Meine Generation war mit zwölf Rollschuh laufen und Eis essen. Das Wort Diät kam in meinem damaligen Wortschatz überhaupt nicht vor. Der Körperkult und das vermeintlich perfekte Aussehen haben heute einen ganz anderen Stellenwert, es ist quasi eine Ersatzreligion. Zudem ist der Körperkult ein Zeitfresser. Die Stunden, die man exzessiv am Körper arbeitet, könnte man sinnvoller nutzen: eine Fremdsprache lernen, einen besseren Abschluss machen. So ist man vom Aussehen auch nicht abhängig – weil letztendlich der Kopf der entscheidende Faktor ist.Sie haben mit Yoga abgenommen. Praktizieren Sie es noch?
FRÖHLICH:
Ja. Ich mache täglich meine Übungen und zusätzlich noch Ausdauersport. Ich glaube, Sport ist sowieso der beste Garant, um erfolgreich abzunehmen. Ich habe für mich beschlossen, dass Schlankheit eine feine Sache ist. Aber in meinem Alter, mit 50, ist mir meine Fitness noch wichtiger.

Sie haben jüngst im Langenscheidt-Verlag ein humorvolles Diätlexikon herausgebracht. Ist das Thema Diät oder Übergewicht für Sie nicht auch mal langweilig geworden?
FRÖHLICH:
Doch, das Thema ist mir oft langweilig. Mit diesem Langenscheidt-Ratgeber versuchen wir – ich habe das Buch zusammen mit meiner besten Freundin, Constanze Kleist, geschrieben –, das Thema von einer humorvollen Seite anzugehen. Der Tonfall ist beim Thema Diät ja sehr streng: Askese, Verbote, Einschränkung. Deshalb wollten wir das Thema lustig aufbrechen.

Nervt es Sie, dass die Autorin Susanne Fröhlich immer als Diätratgeberin wahrgenommen wird?
FRÖHLICH:
Ich habe insgesamt 19 Bücher geschrieben, 3 davon sind aus dem Diätkosmos. Also gibt es weitere 16 Bücher, die viele andere Themen aufgreifen. Deshalb: Ich kann auch anders. Ein Grund ist sicher die Popularität von meinem Bestseller "Moppel-Ich". Ich habe diese Bezeichnung kreiert, also bin jetzt eben auch das personifizierte Moppel-Ich. Das finde ich nicht schlimm, da kann ich darüber lachen. Trotzdem bin ich froh, dass meine Bandbreite größer ist.

Sie sind die Autorin von "Diät– Deutsch" und "Mann–Deutsch". Welche Sprache ist schwieriger?
FRÖHLICH:
Ich denke, Diät. Männer sagen sehr klar, was sie wollen und was nicht. Das Fatale daran ist, dass Frauen häufig diese eindeutigen Aussagen zerlegen und interpretieren. Frauen resümieren ewig: Warum ruft er nicht an? Hat er keine Zeit? Ist er krank? Spinnt sein Telefon? Ans Naheliegende wird nicht gedacht: Er hat ganz simpel keine Lust oder kein Interesse.

Sie sind jetzt 50 Jahre alt. Was sind die größten Unterschiede zu den Zeiten, als Sie noch unter 30 waren?
FRÖHLICH:
Körperlich braucht man nicht rumlügen, da verbessert sich nichts. Das Fleisch wird welk, die Hormone machen die Flatter. Das ist nicht irre tragisch, denn umgekehrt bietet das Alter auch Vorteile: Man weiß besser, wo man steht, was man will. Ich kann viel besser nein sagen als vor 20 Jahren. Ich muss auch nicht mehr jedem gefallen.

Gibt es heute Ansichten von jungen Frauen, die Sie nicht verstehen und nachvollziehen können?
FRÖHLICH:
Ich kann es nicht leiden, wenn junge Frauen behaupten, der Feminismus hätte ausgedient. Bei uns verdienen Frauen für die gleiche Arbeit 21 Prozent weniger als Männer. Solange das so ist, brauchen wir den Feminismus mehr als dringend. Mittlerweile bin ich sogar eine Verfechterin der Frauenquote. Anders als durch diese gesetzliche Regelung kann ich mir nicht vorstellen, wie langfristig Frauen in Führungspositionen rutschen sollen.

Barbara Schöneberger wirbt für Kartoffelsalat, Dieter Bohlen für Bratwürste, Katarina Witt für Weight Watchers – und Susanne Fröhlich?
FRÖHLICH:
Ich würde nie Werbung für Weight Watchers machen, weil ich diese Methode nicht anwende. Weight Watchers ist Teil der Schlankheitsindustrie. Und was will eine Industrie? Geld verdienen. Ich bin generell skeptisch, was Werbung angeht. Einmal habe ich für kalifornische Mandeln geworben. Das waren unbehandelte, natürliche Mandeln, ein tolles Produkt. Ich muss hundertprozentig hinter einem Produkt stehen. Aber selbst dann lasse ich mich nicht gerne vor einen Karren spannen.

Kommentare
Frauen wurden mit dem Begriff "Selbstverwirklichung" geködert, sich für ihre Emanzipation einzusetzen. Die meisten hatten dabei ihre eigene Nachkriegsmutter im Blick, mehr oder weniger Trümmerfrau mit oder ohne Mann, deren eintöniges, im negativen Sinne eintöniges Schicksal sie nicht leben wollten. Kaum eine Frau hatte dabei vor, Mutterschaft für sich auszuschließen. Man wollte schlichtweg nicht mehr das alleinige, unterdrückte Dummchen und 7/24-Arbeitstier der Familie sein. Man stellte zunehmend geistige und kulturelle Ansprüche. Man entwickelte die Vorstellung, die Gesellschaft stärker, eben auch weiblich mitzuprägen, weil alleiniger männlicher Einfluss fragwürdig schien. Man dachte, die Welt friedlicher zu machen.

Aus den überwiegend idealistischen ehemaligen Vorstellungen ist nichts geworden. Frauen sind abhängiger denn je, ohne eine Chance auf wirtschaftliche Emanzipation zu haben. Nur 10 % der Milliardäre sind Frauen. Das Kapital, also verkürzt wenige Männer regieren die Welt intensiver als je zu vor.

Alles, was Frauen erreicht haben, ist, das Angebot von Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt annähernd verdoppelt zu haben und diesen Arbeitsfaktor damit wesentlich wertloser zu gemacht zu haben. Typische familiäre Arbeit, die früher ohne Fremdverwaltung, Abgaben und Steuern möglich war, ist für solche Familien heute fast unbezahlbar geworden. Man denke nur an Kitakosten für U3 oder stelle sich vor, man brächte Kleidung zum Ändern in eine Schneiderei. Was kostet solche Arbeit für 4 Stunden, wenn sie in Rechnung gestellt wird und wegen Außerhausarbeit eben nicht mehr abgabenfrei und nebenbei zu Hause erledigt werden kann. Eigene Kinder sind so teuer geworden, dass viele potentielle Eltern resignieren.

Für viele Frauen stellt sich das Ganze inzwischen so dar, dass sie statt einer eigenen großen Familie zu haben, die Wahl zwischen H4 und Altenpflege in Schichtdienst haben. Viele Frauen sind durch die heute geforderte Teilnahme am Arbeitsmarkt unter Niedriglohnbedingungen ständig krank! Geistige Anregung? Fehlanzeige! Weiblich Einfluss nehmen können? Fehlanzeige! Eigenes Geld für die Teilnahme an Kultur und Sport? Fehlanzeige! Das Geld reicht nicht.

Und die Männer? Sie haben abgebaut. Sie sehen sich nicht mehr in familiärer Verantwortung und haben entsprechend verlernt, solche zu übernehmen. Wenn das im Einzelfall anders aussieht, liegt es meistens daran, dass Opa sich kümmert, z.B. den Hausneubau nicht unerheblich finanziert.

Dumm gelaufen. Für alle.

Frauen haben bessere Chancen sich zu verwirklichen, in die Welt zu wirken, wenn sie sich auf ihre Arche-Rollen zurückbesinnen: Frau und Mutter werden. Das bedingt übrigens keinesfalls, dass jede Frau auch Mutter von eigenen Kindern wird. Das schließt auch keine Ausnahmen aus. Das meint eher die Philosophie, Gegenpole zu männlichen Rollen zu setzen. Gegenpole zu kultivieren.

Dabei gilt die Lebensweisheit schon immer: Das Weiche besiegt das Harte. - Auch so betrachtet gibt es überhaupt keinen Sinn, hart im Arbeitsleben zu werden wie ein Mann.

Der Vorkommentarin gebe ich recht im Anspruch eines jeden Menschen, natürlich leben zu wollen. Sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst zu verwirklichen. Hätten Frauen diesen Anspruch auf ihren Einfluss in eigenen Familien gestellt, wäre vielleicht etwas draus geworden. Last not least durch die Kriege sind ja viele Ansprüche tatsächlich verloren gegangen. Die Mankos, die Frauen in den 70er Jahren empfunden haben, bestanden ja. Vielen Männern fehlten männliche Vorbilder.

Sinnvolle Kurskorrekturen werden schwer...

Im adeo-Verlag erschien Ende 2013 das Anti-Feministen-Buch von Birgit Kelle: "Dann mach doch die Bluse zu". Es ist kein Werk, daß eine wie auch immer altbackene Heim- und Herdideologie als Gegenstrategie zum linken Feministendiktat propagiert, sondern maßgeblich jenen modernen Frauen mutmachen will, die sich heute in der BRD-Gesellschaft selbstbestimmt und vorrangig für die Familie, für eigene Kinder und gegen das ultimative kapitalistische Karrierestreben entscheiden.

Die Schriftstellerin macht in ihrem Werk deutlich klar: "Nicht alle Frauen wollen in einen Aufsichtsrat", auch wenn die politische Klasse vorauseilend gerade dies allen weiblichen Geschöpfen in der BRD unterstellen will und gesetzliche Regelungen dazu einfordert. Zudem prangert Kelles Buch den wachsenden Genderwahnsinn und gleichmacherischen Uni-Sex-Terror an, der als wahrgewordene Horrorversion zunehmend gesellschaftlich Druck auf die Frauen hier im Lande ausüben will. "Mein Vater ist kein Patriarch, mein Bruder ist kein Sexist und mein Ehemann ist auch nicht der Feind in meinem Bett", konstatiert Birgit Kelle nüchtern und beschreibt damit anschaulich, wie Männer heute durch die kranke systemimmanente linke Gender- und Feministensichtweise schon kriminalisiert wurden.

Ihr Credo lautet deshalb nicht wie das von durchgeknallten und familienfeindlichen Emanzen-Schlampen: "Wir haben abgetrieben!", sondern die Autorin stellt sich in ihrem Buch ganz hinter die Natürlichkeit der Mutterschaft, welche sich seit ihrer Existenz unideologisch bekennt: "Wir haben geboren!" Wahrer Sexismus unserer Zeit ist aber heute die gezielte Diffamierung jener Weiblichkeit, die sich bewußt und vor allem selbstbewußt für die Familie und traditionelle Werte entscheidet. Für alle Frauen, die so oder ähnlich wie Birgit Kelle denken, keine Lobby für ihre natürlichen Entscheidungen hier in Deutschland besitzen und trotzdem glücklich sind, hat die Autorin ihr Buch geschrieben. Männer als Leser sind natürlich auch willkommen.

Die dem linken Zeitgeist widerstrebende Journalistin zeigt sich kämpferisch, macht nicht nur Frauen Mut und fordert das Recht des vermeintlich schwachen Geschlechts auf wirkliche Selbstbestimmung ein, das in der westlichen Genderdiktatur immer mehr unter die Räder zu kommen scheint. "Dann mach doch die Bluse zu", aus dem Hause des adeo-Verlag, ist ein empfehlenswerte Silberstreif am Horizont des Bücherhimmels von einer selbstständig denkenden Frau geschrieben, die sich dem Gender- und Gutmenschenterror erfolgreich entziehen konnte.

Wichtig ist das man SICH wohlfühlt und das strahlt man dann auch aus. Problematischer wird es wenn die Pfunde sich in Richtung stark ungesund bewegen.
Ich mag Frauen mit etwas mehr deutlich mehr ;-)


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