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23.03.2013
Magazin
Komm doch, lieber Frühling
Licht, Wärme und Hormone: Warum wir das Frühjahr so herbeisehnen – und warum wir es auch wirklich brauchen
VON PAULA BERG

Frühling? | FOTO: PITOPIA

Reden wir doch mal übers Wetter: Was ist denn das für ein März? Meteorologisch betrachtet kein ungewöhnlicher. Aber Hand aufs Herz: Wir warten doch schon seit Wochen darauf, dass Schnee, Wolken und Minusgrade endlich verschwinden und wir Wintermantel und Stiefel nicht mehr brauchen, oder? Bisher sind aber sowohl der meteorologische am 1. als auch der kalendarische Frühlingsbeginn am 20. März zumindest im nördlichen Teil Deutschlands vergangen, ohne dass wirklich etwas passiert wäre. Na gut, drei Tage Vorgeschmack gab es neulich. Aber die sind seit dem neuerlichen Wintereinbruch ja auch irgendwie schon wieder vergessen. Mit dem Wetter ist es halt immer so eine Sache ...

Worauf aber immer Verlass ist, ist unser persönliches Frühlingsgefühl: Jahr für Jahr gibt es da diesen einen Tag. Wir verlassen morgens das Haus, und die Luft riecht irgendwie anders. Wärmer als noch am Tag zuvor, sinnlicher. Und dann ist es so weit. Von da an beginnen die Blumen zu sprießen, die Sonne scheint öfter und länger, die Welt wird wieder bunter.

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Gut gegen Müdigkeit

Eine Nebenwirkung des Wetterumschwungs im Frühling ist die Müdigkeit. Der Organismus muss sich auf die veränderten Bedingungen umstellen und das kann sehr anstrengend sein. Darum ist jetzt genau die richtige Zeit für eine Extraportion Frühlingspower:

1. Zweimal am Tag Obst, dreimal Gemüse oder Salat liefern wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Eine Portion ist eine handvoll.

2. Viel Wasser oder ungesüßte Tees bringen den Kreislauf auf Trab. 1,5 Liter sollten es täglich mindestens sein.

3. Bewegung an der frischen Luft macht fit. Am besten ist es, Sport zu treiben, aber auch ein halbstündiger Spaziergang drei mal die Woche tut gut. Vielleicht laufen Sie einfach mal öfter vom Büro nach Hause. Schließlich ist es ab dem 31. März auch wieder eine Stunde länger hell.

Auch in uns Menschen passiert in dieser Zeit so einiges. Es setzen biologische Prozesse ein, die das Leben schöner machen. "Wenn es im Frühling heller und wärmer wird, sind wir mehr draußen. Die Sonne regt den Körper nach dem lichtarmen Winter dazu an, vermehrt Serotonin auszuschütten, ein Hormon, das maßgeblich unsere Stimmung beeinflusst", erklärt Roland Kopp-Wichmann, Psychologe und Coach aus Heidelberg. "Außerdem verändern wir passend zur Jahreszeit unsere Kleidung: Dunkles bleibt eher im Schrank, wir kleiden uns leichter und farbenfroher und wirken auf andere freundlicher. Das alles bewirkt, dass wir im Frühling lockerer sind."

Ein schöner Nebeneffekt sind die Frühlingsgefühle. In der wohligen Wärme der ersten Sonnenstrahlen verlieben wir uns nämlich tatsächlich schneller als im Winter. "Durch all die positiven Veränderungen sind wir in dieser Zeit mit uns selbst zufriedener als noch ein paar Wochen zuvor", sagt Kopp-Wichmann. "Und genau darum können wir gelassener auf andere Menschen zugehen. Wir haben weniger Hemmungen, das Flirtpotential steigt." Aber nicht nur Fremden gegenüber sind wir offener, das Ganze gilt auch für den eigenen Partner. "Auch ihn können wir in dieser eigenen Hochstimmung wieder durch die rosarote Brille betrachten."

Evolutionsbiologisch betrachtet ist das ein Trick der Natur, um das Fortbestehen des Lebens zu garantieren. Obwohl der Mensch für die Familiengründung heute nicht mehr auf Jahreszeiten und Lichtmengen angewiesen ist, sind diese Informationen in unserem Erbgut verankert. Unser Körper weiß, dass die Umweltbedingungen nach Ende der Frostperiode besonders günstig für Fortpflanzung und Aufzucht von Nachwuchs sind. Darum sinkt die Konzentration des Schlafhormons Melatonin im Blut, parallel dazu spielen die Sexualhormone verrückt, und jede Menge Botenstoffe rauschen durch den Körper.Da sind zum Beispiel Endorphine, die Glücksgefühle erzeugen. Dazu das schon erwähnte Serotonin; außerdem Dopamin, das eine Art Rausch bringt – und gleichzeitig die Gewissheit, monogam leben und Kinder haben zu wollen. Doch leider ist all das zeitlich begrenzt. Von März bis etwa Ende Mai fühlen wir uns jung und frisch, erwachsene Menschen manchmal wieder wie Teenager. Danach geht alles zurück zur Tagesordnung.

"Es wäre natürlich toll, wenn man diesen Zustand permanent aufrechterhalten könnte", sagt Kopp-Wichmann. "Aber leider funktioniert das nicht. Diese extremen Gefühle werden ja gerade durch den Wechsel vom dunklen Winter zur hellen Jahreszeit ausgelöst. Irgendwann gewöhnt sich der Körper an das Licht – und sogar an die gute Laune. Ich glaube aber, dass so ein dauerhaftes Hochgefühl auch gar nicht erstrebenswert ist. Schließlich ist es ja gerade der Reiz des Neuen und Langersehnten, der uns glücklich macht."

Damit hat Kopp-Wichmann wohl recht. Aber die Liebe ist im Frühling ja nicht das einzige Schöne, die Natur hält noch viel mehr bereit: Schneeglöckchen und Krokusse etwa, die nach der Schneeschmelze ihre Köpfe ins Licht recken. Ihnen folgen Narzissen und Tulpen, kurz darauf Maiglöckchen, Flieder und Pfingstrosen. Die Sportsaison im Freien beginnt, Wald- und Strandspaziergänge, Radtouren und Picknicks.

Auch das macht glücklich, denn: "Wir Menschen sind nichts anderes als Naturwesen", sagt der Natursoziologe Dr. Rainer Brämer aus Marburg. "Unsere Sinne und Fähigkeiten, die wir von unseren Vorfahren ererbt haben, sind optimal auf ein Leben in der Natur zugeschnitten, draußen können wir uns voll entfalten." Davon hat sich unsere hochtechnisierte Welt allerdings so weit entfernt, dass sie uns zunehmend einseitig belastet. Brämers Meinung nach können wir uns davon am besten durch Auszeiten in der Natur erholen.

"Dauerhafter Stress kann schon durch die Begrünung der unmittelbaren Umgebung oder den Kontakt mit Tieren gelindert werden", sagt er. "Von Spitzenbelastungen erholt man sich aber am besten durch einen kurzen, möglichst bewegungsreichen Aufenthalt im Grünen. Psychologisch gesehen geht dann unsere mentale Ermüdung wieder in anstrengungslose Aufmerksamkeit über."

Der Frühling ist also genau das, was wir jetzt brauchen – und er kommt ganz bestimmt!


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