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22.06.2013
Portät
Korinna Kramer: Von wegen Püppchen
Vor zwei Jahren gewann die heute 28-Jährige ein Model-Casting bei Stefan Raab
VON CAROLINE LINDEKAMP

Gewann ein Model-Casting

Ein hübsches Gesicht mit kleiner Stupsnase und runden Wangen, lange, blond gesträhnte Haare, eine zierliche Statur und blaue Augen. Wenn sie lächelt, legt sie den Kopf schräg und neigt das Kinn, und wenn sie spricht, zwitschert sie beinah ein wenig und klimpert immer mal mit den Wimpern. Korinna Kramer ist der Typ Frau, den man wohl nicht treffender als mit "süß" beschreiben kann. Das weiß die Moderatorin – die vor allem als Show-Assistentin von Stefan Raab bekannt sein dürfte – damit spielt sie gerne und betont doch immer wieder, dass sie nicht nur niedlich sei. Deswegen habe sie sich auch lieber bei dem Model-Casting von Raab als bei dem von Heidi Klum beworben. "Für ,Germany’s Next Topmodel‘ bin ich mit 1,70 Metern ja eh zu klein", sagt die 28-Jährige, ohne sich darüber zu ärgern. "Ich fand es vom Format her eigentlich auch cooler. Bei Heidi Klum ist es mehr mädchenhaft, und ich sehe mich nicht als Mädchen, sondern als Frau."

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Zu Gast bei Korinna Kramer

Eine ganze Reihe Fotos hat Korinna Kramer schon in ihrem kleinen Studio auf der himmelblauen Tapete hängen. Darauf posiert sie mal mit Carolin Kebekus, mal mit Joko und Klaas, mal mit Lena Meyer-Landrut oder Helge Schneider, den Talk-Gästen in ihrer Sendung "Stups". Knapp 15 Minuten nehmen die Promis auf ihrem Sofa Platz und plaudern mit Kramer. Vor jedem Interview geht die 28-Jährige mit einem Foto ihres Gastes zu einer Umfrage auf die Straße und befragt Passanten zu dem Promi. Kein Gast darf gehen, wenn er sich nicht zusammen mit Kramer per Handy-Kamera fotografieren lässt. Das Ergebnis landet gerahmt auf der Studiowand. Die Sendung läuft auf dem Internet-Kanal www.myspass.de.

Bei "TV Totals next schöne Frau, die was auf dem Kasten hat und, wenn’s geht, noch etwas mehr kann, als Kleider von A nach B über den Laufsteg zu tragen", gab die heute 28-Jährige ferngesteuert von einer Konkurrentin über einen Knopf im Ohr den Clown in der Einkaufsstraße, moderierte eine Quizshow, balancierte über einen schwankenden Balken und punktete im Finale schließlich mit einem Schwank aus ihrer Kindheit. "Ich habe früher im Kindergarten immer meine Popels mit meiner Freundin getauscht", erzählte sie damals auf Stefan Raabs fahrender Couch, klimperte wieder mit den Wimpern und lachte mit dem Publikum über die Geschichte. "Aber es kommt ja noch besser: Wir haben die getauscht, dann gegessen und fanden das echt geil."

Die 28-Jährige wirkt sympatisch und authentisch

Die Gelassenheit und ihr gesundes Selbstvertrauen machen Korinna Kramer sympathisch, lassen sie angenehm uneitel und authentisch wirken. So erscheinen bei ihr auch Floskeln glaubwürdig, wenn sie etwa sagt: "Wenn die Kamera an ist, blende ich sie völlig aus. Es ist wirklich, als würden wir uns normal unterhalten." Lachend fügt sie hinzu: "Die sagen mir schon immer, ich soll in die Kamera gucken." Kramer lacht gerne über sich selbst, sie nimmt sich nicht zu ernst, ohne sich dabei lächerlich zu machen. Und vielleicht machte diese Eigenschaft auch den Unterschied zu ihren Konkurrentinnen bei "TV Totals next schöne Frau". "Ich glaube schon, weil ich keine Scheu habe, irgendwelche Dinge zu tun. Vielleicht auch, dass ich nicht so verstärkt auf das Aussehen reduziert werde", sagt Kramer. Immerhin: Kurz nach ihrer Popel-Anekdote bei Pro 7 zeigten die Fernsehkameras sie auf einem übergroßen roten Samtstuhl im Flitterregen. "Wir schauen mal, was wir in den nächsten Wochen und Monaten mit dir anfangen können. Wir werden dich hin und wieder für die ein oder andere Aufgabe einsetzen", sagte ihr Stefan Raab damals vor laufender Kamera, während er sie in die meterlange goldene Gewinnerinnenschärpe wickelte.Seitdem ist Kramer Stefan Raab treu geblieben. Bei seinen Sonderformaten wie "Quizboxen" und "Schlag den Raab" mimt sie die Show-Assistentin, für "TV Total" macht sie gelegentlich Promi-Interviews auf dem roten Teppich oder andere Außendrehs. "Mein Lieblingsjob ist immer noch einer meiner ersten. Da haben wir bei der Zahnmesse gedreht. Ich habe vorher eine Zwiebel und Knoblauch gegessen, und dann haben wir die Leute veräppelt. Das war super." Seit diesem Frühjahr moderiert sie zudem ihr eigenes Talk-Format: "Stups". Für eine knappe Viertelstunde empfängt sie Promis in ihrem Studio und plaudert mit ihnen. "Ich finde es supertoll, wenn ich selber interviewe, Fragen stellen und nachforschen kann", sagt Kramer.

Kramer ist zufrieden mit dem was sie macht

"Stups" läuft nur im Internet, und die Folgen werden je nach Gast fast 8.000-mal (mit Joko und Klaas), ein anderes Mal nicht mal 1.500-mal (mit Helge Schneider) angeklickt. Eine verlorene Castingshow-Siegerin mehr, dürften böse Zungen sagen: Raabs Randfigur und ein eigenes Format ohne nennenswerte Reichweite. Doch bei der Kramer ist das anders. Sie ist wirklich zufrieden mit dem, was sie macht, gehört nicht zu denen, die unbedingt ins Fernsehen wollen für ein wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Ihre Schwester, selbst mal TV-Moderatorin, habe ihr immer gesagt, sie solle doch was machen, bevor sie zu alt ist. "Ich bin ja schon 28, und dann habe ich einfach meine Bewerbung für das Casting abgeschickt." Die Siegerehrung lief ganz ohne Tränen und große Gefühlsausbrüche ab. "Und außer meinem Beruf hat sich seitdem nicht so viel verändert, nur dass ich jetzt mehrmals in der Woche nach Köln fahre."

Vorher hat Kramer in Dortmund Autos verkauft, Premium Cars von Jaguar oder Aston Martin, und das würde sie auch wieder machen. "Ich interessiere mich halt für Autos. Sonntags schaue ich mir gerne Autosendungen an oder schraube an meinem BMW rum. Ich kann selber mein Wischwasser auffüllen, ich kann selber Reifen wechseln und all so was machen." Sie sei sehr grobmotorisch, deswegen läge ihr das wohl mehr. "Ich kann zum Beispiel ganz schlecht Nagellack auftragen und bin froh, wenn das jemand für mich macht", sagt Kramer, um noch mal zu betonen, dass sie doch gar nicht mädchenhaft sei.

Sie liebt das Familienleben und lebt in Holzwickede, etwas außerhalb von Dortmund, und findet es dort schön, weil es so ländlich ist – gerade jetzt im Vergleich zu Köln, wo es immer voll sei und sie immer nach einem Parkplatz suchen müsse. "Das ist ein bisschen ein Weltensprung, wenn man in Köln ist und mit der Medienbranche zu tun hat und dann nach Hause fährt und nur auf Wald schaut."

Übermäßige Ziele hat Kramer nicht. Bei einem ihrer Einsätze am roten Teppich würde sie gerne mal Charly Sheen interviewen und vielleicht ein Bier mit ihm trinken. Ihre Leidenschaft für Autos und ihren Job möchte sie verbinden und gerne ein Automagazin moderieren. Sie würde im Fernsehen aber keine Schminktipps geben. "Das passt jetzt nicht zu mir." Natürlich nicht.


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