Montag, 13.02.2012
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13.02.2010
Michael Vesper: Aus der Wilden Liga auf den Olymp
VON INDRA KLEY

In Bielefeld startete der Grüne seine politische Karriere. Heute träumt er nicht mehr von Regierungsposten, sondern von den Winterspielen in München.  

Sportlich sieht anders aus. Okay, groß und robust ist er. Aber schnittig? Eher behäbig. Repräsentabel. Immerhin stimmt der Duft: Sobald sich die Türen der stattlichen Limousine schließen, fühlt man sich wie in einem wendigen Sportflitzer. Es riecht nach Kraft, Energie, Dynamik. Genau das richtige Bouquet für einen Dienstwagen, dessen Nutzer hauptamtlich für den Sport wirbt.

Für einen Moment ist man sich nicht sicher, wer zuerst wie ein Wunderbaum Marke "Energy" gerochen hat. Der Innenraum des Audi? Oder der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, der sich vorm Interview hinters Steuer schwingt, um sich im adretten Foyer der in der Nachbarschaft gelegenen Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes fotografieren zu lassen. Der zweckmäßige DOSB-Bau war zu brav fürs Bild. Zehn Minuten später sitzt er wieder in seinem Büro, bereits fürs Gespräch.

Mit viel Herzblut bei der Sache

Engagiert sei er schon immer gewesen, mit viel Herzblut bei der Sache, sagen Menschen, die Michael Vesper kennen – das erklärt, warum der Herr Generaldirektor trotz knappen Zeitplans dem Wunsch des Fotografen entspricht. Auf seine Wirkung nach außen sei er sehr bedacht, nehme sich manchmal vielleicht ein wenig zu wichtig, sagen dieselben Leute – auch das erklärt Vespers prompten Einsatz für ein gutes Bild. Er weiß eben, was gespielt wird. Und ist damit sehr erfolgreich. Vom im "AKAFRIK" (Aktionskreis Afrika) engagierten Dekanatsassistenten wurde er zum Landesvorsitzenden der Grünen. Zum Geschäftsführer der ersten grünen Bundestagsfraktion in Bonn. Zum Landtagsabgeordneten in Düsseldorf. Zum NRW-Minister. Zum stellvertretenden Ministerpräsidenten. Und schließlich zum obersten Sportfunktionär.

Dass er Karriere machen wird, damit hat er bereits Ende der 1970er Jahre gerechnet, als er sich am Aufbau der Bunten Liste in Bielefeld beteiligte, die 1980 in den Grünen aufging. "Man gründet eine Partei, um in die Parlamente zu kommen. Sonst bleibt man soziale Bewegung", konstatiert Vesper. "Wenn man in den Parlamenten drin ist, dann will man auch regieren. Wer das nicht will, wird schnell unattraktiv." Er wollte. Also regieren. Nicht unattraktiv sein. Aber das Thema hatten wir schon.
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Wahlniederlage Auslöser eines Richtungswechsels

Zehn Jahre lang ging das gut: Sein Stück Macht über Nordrhein-Westfalen, das er als Kabinettsmitglied und stellvertretender Ministerpräsident in den Händen hielt, konnte er erfolgreich unter drei Vorgesetzten – Rau, Clement, Steinbrück – verteidigen. Der Knall kam mit der Landtagswahl 2005, bei der die rot-grüne Koalition ihre Mehrheit einbüßte. Für Vesper Grund genug, eine neue Taktik zu wählen. "Die Wähler haben aus mir völlig unverständlichen Gründen gesagt, sie wollten jetzt eine andere Regierung", sagt der 59-Jährige nonchalant. "In so einer Situation sollte man auch mal das Spielfeld wechseln."
Info
Geboren wurde Michael Vesper am 6. April 1952 in Köln. 1973 zog er nach Bielefeld, wo er Mathematik und Soziologie studierte. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern (12, 11 und 6 Jahre) in Köln. Sohn Daniel (29) wohnt in Bielefeld.

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Er wechselte. Manch einem erschien der Transfer von Eintracht Rot-Grün NRW zum 1. DOSB Frankfurt vielleicht etwas zu radikal. "Als Grüner denkt man ja eigentlich eher daran, Wilde-Liga-Manager zu werden oder so und nicht gleich der oberste Sportfunktionär", sagt eine Parteifreundin. "Andererseits fand Michael es auch immer gut, so ein bisschen Tabubrecher zu sein."

Der Klischee-Grüne ist er sowieso nie gewesen. Zwar wohnte er damals in Bonn als Fraktionsgeschäftsführer in der "berühmten Kirschallee 6", der Hausgemeinschaft, in der auch Gerhard Schröder lebte. Doch statt mit seinen Parteifreundinnen und -freunden zu stricken, machte er sie mit Girokonten vertraut. Und trank den ein oder anderen guten Wein mit ihnen. "Das ist auch so ein Vorurteil, dass grün sein und genießen können was Unterschiedliches wäre", schmunzelt er.

Auch heute noch der Troubleshooter

Generaldirektor wird seine Position beim DOSB offiziell genannt. Vesper bezeichnet sich selbst auch als "Troubleshooter" – als Vermittler, als Problemlöser. Wie schnell er gleichermaßen zu jemandem wird, der die Probleme, die er lösen muss, überhaupt erst abfeuert, wurde bei den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 deutlich. Als Chef de Mission der deutschen Mannschaft geriet er wegen Äußerungen zur Internetzensur der chinesischen Regierung in die Kritik.

Zu Unrecht, wie er betont. "Ich habe da etwas gesagt, was viele vorher und viele nachher auch gesagt haben, was eine Tatsache ist. Dieser eine Satz ist dann isoliert worden, und es ist so getan worden, als würde ich die Internetzensur in China irgendwie rechtfertigen. Das habe ich zu keinem Zeitpunkt gesagt oder gemeint."

Bei den Winterspielen in Kanada ist DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank Chef des deutschen Teams. Michael Vesper will sich ganz auf die Olympia-Bewerbung München 2018 konzentrieren. Ein bisschen Werbung machen im Deutschen Haus. "Wir haben an sich ein gutes Gefühl, weil München einfach eine überzeugende Bewerbung auf die Beine bringt", gibt sich Vesper optimistisch. "Aber am Ende entscheidet nicht die Stimmung, am Ende entscheiden nicht die Medien, sondern am Ende entscheiden 110, 115 IOC-Mitglieder." Die Winterspiele nach Deutschland zu holen, das ist sein großer Traum. Dass Arminia Bielefeld den Aufstieg schafft, sein kleiner.

Und was kommt dann? Vielleicht noch ein Seitenwechsel? "Ja, aber im Moment denke ich nicht daran. Ich gucke keine Stellenanzeigen durch, sondern bin hier mit Leib und Seele dabei. Und gerade wenn wir München holen, dann würde ich natürlich gerne weitermachen wollen bis 2018." Sportlich sieht so aus.


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