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27.02.2010
VEIT SCHÄFERMEIER
Veit Schäfermeier: Bestechend gut
VON ANKE GROENEWOLD

Andere zieht es im Urlaub an den Strand. Veit Schäfermeier hat seinen Urlaub aufgespart, um am Bielefelder Theater das Musical "The Scarlet Pimpernel" einzustudieren. An den Wochenenden steht der gebürtige Herforder zudem noch als Winnetouch im Musical "Der Schuh des Manitu" in Berlin auf der Bühne.

Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Film von Michael ("Bully") Herbig und läuft seit Dezember 2008 im Theater des Westens. Schäfermeier ist seit Anfang an dabei und spielt den schwulen Bruder des Apachen-Häuptlings Abahachi. "Das ist eine total unterhaltsame, schnelle und witzige Show", schwärmt der 32-Jährige. "Ich hätte vorher nicht gedacht, dass man einen Film so gut auf die Bühne bringen kann. Selbst Leute, die mit dem Film nichts anfangen konnten, finden die Show toll." Sicher, Schäfermeier ist befangen. Aber auch die Musicalfans können nicht genug bekommen vom schrillen Spektakel. Die Laufzeit wurde bis Ende Mai verlängert.

Wie motiviert sich ein Musicalstar über ein Jahr lang, siebenmal die Woche in einem einzigen Stück aufzutreten? "Bei Komödien ist das leichter, weil das Publikum sehr unterschiedlich ist", sagt Schäfermeier. "Es reagiert plötzlich an anderen Stellen, ist mal stärker dran, mal weniger. Man muss sich seine Punkte suchen, wie man sich motivieren kann. Manchmal ist die Freundin von jemandem aus dem Ensemble im Stück, dann spielt man eben für die."

Zwischen Bielefeld und Berlin pendeln

Bis Ende Mai wird Schäfermeier also zwischen Berlin und Bielefeld, zwischen Wildwest-Parodie und Mantel-und-Degen-Musical pendeln. Letzteres sei zwar vom Grundtenor her dramatisch, "aber es ist zu verrückt, um ganz ernst zu sein", sagt Schäfermeier. Winnetouch ist hochtourig und exaltiert, Sir Percy Blakeney eine schillerndere Figur mit hohem Humorfaktor. Ein bisschen dramatisch, aber nicht so düster wie die Doppelrolle in "Jekyll & Hyde", mit der Veit Schäfermeier 2007/08 am Bielefelder Theater einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. In "The Scarlet Pimpernel" könne er zudem mehr singen. "Ich bin froh, dass ich beides machen kann."

Schon während seiner Ausbildung am Wiener Konservatorium stand Schäfermeier auf der Bühne. Er hat genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, was er seiner Stimme und seinem Körper zumuten kann. "Die Stimme findet irgendwann ihren Weg, wie sie durch die Show kommt", sagt er gelassen. Eine spezielle Herausforderung bringt "The Scarlet Pimpernel" dennoch mit sich: Schäfermeier muss fechten. Das Stück spielt zur Zeit der Französischen Revolution. Sir Percy gründet ein Untergrundkommando, das Adelige vor der Guillotine rettet. Es soll brutal zur Sache gehen, wenn Percy und sein Gegenspieler Chauvelin (Alexander Franzen), Exgeliebter seiner Frau, im Finale die Klingen kreuzen. Das Training sei körperlich und mental anstrengend. Und nicht ganz ungefährlich. "Aber das ist auch gut so. Wenn wir nicht mehr mit Angst rausgehen, machen wir Fehler und verletzen uns."

Perfekte Verwandlung

Den Künstler reizt es, in Figuren schlüpfen zu können, die so ganz anders sind als er selbst. Schäfermeier braucht die Zeit in der Maske und die äußerliche Veränderung, damit die Verwandlung perfekt wird. "Dann traue ich mir mehr und tue Dinge, die gegen meinen eigenen Charakter sind – das macht Spaß."Und wie ist der Mensch Veit Schäfermeier? "Ich glaube, ich bin total langweilig", sagt der Künstler. Es klingt keine Spur kokett. "Ich bin keiner, der sich an die Rampe stellt – ta-da, da bin ich. Ich lebe das auf der Bühne aus. Deswegen muss ich das im Privatleben nicht, da bin ich eher so Schlaftablette." Das nun nicht gerade. Aber Schäfermeier ist im Gespräch angenehm entspannt und unkompliziert. Er ist selbstsicher, lässt aber kein Star-Gehabe erkennen. Dabei hat er seit Jahren einen eigenen Fanclub. Deren Mitglieder hinterlassen auf seiner Website rührende Kommentare. Und sie nehmen weite Reisen auf sich, um seine Auftritte zu erleben, fahren von Wien nach Bielefeld, von Hamburg nach Löhne. Dort wuchs er auf, besuchte die Realschule, machte Abi, leistete Zivildienst an der Löhner Jugendkunstschule. Vergangenen Juni gab er mit Eva Danner ein Konzert in der ausverkauften Werretalhalle – was er gern wiederholen würde.

Info
Karriere

Veit Schäfermeier wurde 1977 in Herford geboren und wuchs in Löhne auf. Schon als Grundschüler stand er als Zauberer auf der Bühne. Er begann seine Musicalausbildung 1998 am Konservatorium der Stadt Wien. 1999 gewann er den ersten Preis beim Landesgesangswettbewerb NRW in der Sparte Musical und den Förderpreis des Bundesgesangswettbewerbs in Berlin. Sein erstes Engagement hatte er 2000 im Theater an der Wien im Musical "Mozart!". "Jekyll & Hyde" sang er in Bremen, Wien, Köln und Bielefeld. In Hamburg war er in "Tanz der Vampire" zu sehen. "Les Misérables" führten ihn nach Berlin und ans Landestheater Detmold. Zuletzt verkörperte er den Fred Hoffman in der Welturaufführung des Udo-Jürgens-Musicals "Ich war noch niemals in New York" in Hamburg und den Winnetouch in "Der Schuh des Manitu" in Berlin. Ab 6. März steht er in "The Scarlet Pimpernel" im Theater Bielefeld auf der Bühne. Veit Schäfermeier im Internet: www.veitschaefermeier.com.


Wie es war, nach Löhne zurückzukehren? "Normal", sagt er und macht eine Pause. "Es ist nur komisch zu sehen, dass es hier Leute gibt, die wissen, wer ich bin." Ein Mädchen, das dieselbe Realschule besucht, auf der auch Schäfermeier war, hat ihm ins Gästebuch geschrieben: "Jetzt haben wir alle ein ganz anderes Gefühl, auf diese Schule zu gehen." "Ja, das macht mich stolz", sagt Schäfermeier und lächelt. An diese Begeisterung musste er sich freilich erst gewöhnen. "Am Anfang war es komisch, dass man nicht gleich aus dem Theater nach Hause gehen konnte, weil da Leute standen, die wussten, wer man ist, und etwas von einem wollten."

Musical ist kultig

Musical ist kultig, und im Internet spricht sich schnell herum, welche Show es bringt und welche nicht. Die Kritiken sieht Schäfermeier mit gemischten Gefühlen. "Die Fans sind extrem für oder extrem gegen einen. Ich musste erst lernen, damit umzugehen", gibt er zu. Gerade negative Kritik sei hart, "weil man sich nicht verteidigen kann". Auf der Straße erkannt wird er nicht. Selbst wenn er seine dunkle Jacke mit dem dezenten gelben Schriftzug "Schuh des Manitu" trägt. "Ich habe bis auf ,Ich war noch niemals in New York‘ immer nur Rollen gespielt, in denen ich so verwandelt war, dass mich hinterher keiner erkannt hat." Schäfermeier erweckt nicht den Eindruck, dass er das bedauert.

Freizeit ist gerade knapp für den 32-Jährigen. Zumal er gerade seine Berliner Wohnung renovieren lässt. Das Auswählen von Fliesen & Co. war aufwendig. "Ich bin handwerklich begabt, und es macht mir auch Spaß, aber im Moment geht es zeitlich gar nicht", sagt er. In den kostbaren Momenten zwischen Proben und Auftritten, und sei es in der Kantine des Theaters, sitzt der Macintosh-Fan am Laptop, um Fotos zu bearbeiten, meist Porträts von Kollegen und Freunden. "Das macht mir am meisten Spaß", sagt er, "Leute schön zu machen."


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