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01.05.2010
Udo Kraft: Der Mann an ihrer Seite
Die Wahlkampfständer seiner prominenten Ehefrau, Hannelore Kraft, repariert er. Sonst hat er mit Politik nicht viel am Hut.
VON PETER JANSEN

Familienmensch | FOTO: FRANK OSSENBRINK

Diesen Mann bringt so schnell nichts aus der Ruhe, weder die Tatsache, dass der mittlerweile 17-jährige Sohn so schnell wächst, dass man fast dabei zugucken kann, noch die Aussicht, dass seine Frau möglicherweise in ein paar Wochen zur Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen gewählt wird und auf ihn ganz neue und völlig ungewohnte Aufgaben und Pflichten zukommen können.

Info

Udo Kraft

Privat: Geboren am 26. September 1960 in Mülheim/Ruhr, verheiratet mit Hannelore Kraft
Werdegang: Auf dem zweiten Bildungsweg machte er sein Fachabitur, ein Studium brach er ab, wurde Elektroinstallateurmeister, arbeitete sieben Jahre selbständig und ist nun bei einem Immobilienunternehmen
Hobbys: Ski fahren, Tauchen, Basketball, Kochen, Krimis

Aber Udo Kraft, 49 Jahre alt, Elektroinstallateurmeister, allerdings nicht mehr selbständig, und Ehemann Hannelore Krafts, SPD-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl am 9. Mai, ist vor der neuen Rolle, die ihn vielleicht erwartet, nicht bange. "Ich werde da schon reinwachsen, und wenn da was gefordert wird, dann werde ich das locker mitnehmen", gibt sich der in Essen geborene und in der Nachbarstadt Mülheim aufgewachsene Sportfan ganz gelassen.

Vorbilder hat er jedenfalls nicht, weder Professor Udo Simonis, der kaum in der Öffentlichkeit aufgetretene Mann der früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis, noch Professor Joachim Sauer, ebenso zurückhaltender Gatte von Bundeskanzlerin Angela Merkel – die bislang einzigen Männer in Deutschland, die an der Seite prominenter Politikerinnen standen. "Und Professor muss man dafür ja auch nicht sein", lacht Kraft lakonisch.

Typisches Kind des Ruhrgebietes

Der hochaufgeschossene Mann mit dem jungenhaften Gesicht ist ein typisches Kind der Ruhrgebiets. Mit seinem ausgeprägten Dialekt und seinem trockenen Humor könnte er jederzeit neben Uwe Lyko alias Herbert Knebel, Fritz Eckenga oder Ludger Stratmann auftreten. Wie seine Frau kommt er aus dem Traditionsmilieu der größten Industrieregion Europas.

Nach der Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung, holte das Fachabitur nach, studierte Elektrotechnik, allerdings nicht bis zum Schluss, und wechselte auf die Meisterschule. Er machte sich früh selbständig als Elektroinstallationsmeister, musste allerdings nach sieben Jahren Konkurs anmelden, weil ihn einige Großkunden mit in die Pleite gezogen hatten. Seitdem arbeitet Kraft bei einer großen Mülheimer Immobiliengesellschaft. Kennengelernt hat er Hannelore Külzhammer, so der Mädchenname der SPD-Chefin in NRW und stellvertretenden Bundesvorsitzenden, vor gut zwei Jahrzehnten an Weiberfastnacht in einem Mülheimer Weinhaus. "Du hast damals aber Bier getrunken", erinnert sich seine Frau lachend. Die Verwandlung der studierten Volkswirtin und ehemaligen Unternehmensberaterin von einer Angestellten mit festen Arbeitszeiten zu einer Politikerin, die fast rund um die Uhr im Dienst ist, hat Udo Kraft "locker" aufgenommen, was ohnehin eins seiner Lieblingswörter ist.Die beiden, die nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt aufgewachsen sind und gleichzeitig dieselbe Grundschule besuchten, allerdings ohne sich heute aneinander erinnern zu können, haben über all die Jahre sowieso eine Wochenendehe geführt.

Die politische Karriere nicht angestrebt

Als selbständiger Handwerksmeister war zu Beginn der Mann meist bis in den späten Abend beschäftigt. Seitdem Hannelore Kraft 2000 erstmals in den Landtag gewählt und schon ein Jahr darauf zur Ministerin berufen wurde und erst recht, seitdem sie nach der Wahlniederlage 2005 zur Frontfrau der NRW-SPD aufrückte, ist sie ständig unterwegs und er häufiger zu Hause. Dabei hat Udo Kraft nie Lust verspürt, sich selbst politisch zu engagieren. "Dafür habe ich nie Zeit gehabt." Kein Wunder, denn neben Ausbildung und Beruf pflegt Kraft eine Reihe von Hobbies, nicht alle, aber die meisten davon typisch für seine Heimat an der Ruhr: Kickern, Flippern, Darts, Fahrradfahren, Laufen und dazu Skifahren im Winter und Tauchen im Sommer – da bleibt für stundenlange Sitzungen in Ortsvereinen und das Studium umfangreicher Parteitagsanträge in der Tat keine Zeit.

Politisch interessiert war Udo Kraft allerdings immer: "Ich wusste schon, wer an der Macht war, wer in Bonn und Düsseldorf regiert hat."Auch heute ist das Haus der Krafts, in dem seit einigen Jahren auch seine Schwiegermutter lebt, zwar ein Ort für politische Gespräche, aber nicht für große kontroverse Debatten. "Sie gibt einen kurzen Tagesbericht und erzählt, was passiert ist. Ich sage dann, was ich davon halte." Dabei stimmen die beiden in allen wichtigen Fragen überein. "Mir fällt nichts ein, wo ich sagen müsste, was meine Frau da macht, ist politisch nicht in Ordnung", sagt Udo Kraft nach kurzem Nachdenken.

Auch der 17-jährige Sohn Jan – "der ist politisch viel interessierter als ich in dem Alter" – tickt auf derselben Wellenlänge wie Mutter und Vater, dessen politischer Einsatz sich im Wahlkampf darauf beschränkt, demolierte Dreiecksständer zu reparieren. Jan ist vor kurzem bei den Jusos eingetreten, der Nachwuchsorganisation der SPD, und liefert sich hitzige Debatten mit seinen Freunden in der Schule. Dabei steht für ihn die Politik auch nicht an erster Stelle: Neben der Schule zählt für ihn vor allem Basketball. Jan Kraft ist ein hoch talentierter Nachwuchsspieler und hofft, demnächst in der neuen Jugend-Bundesliga antreten zu können. Udo Krafts Fußballherz schlägt zweitaktig, in der ersten Bundesliga für Borussia Dortmund ("obwohl mein bester Freund fanatischer Schalke-Fan ist"), in der zweiten Liga für den MSV Duisburg, der allerdings zu Krafts Kummer seine Aufstiegsträume mal wieder begraben muss. Gelesen wird viel, vorwiegend Krimis, "aber auf zehn Krimis kommt auch ein Sachbuch". Musik jeglicher Richtung ("außer Volksmusik höre ich praktisch alles gerne") schallt aus den Boxen, vor allem über die aktuellen Hits hält ihn Sohn Jan auf dem Laufenden.

Und als wären das alles nicht schon genug gute Eigenschaften für einen Jungen aus dem Ruhrgebiet, kann Udo Kraft auch noch kochen. Und er tut es gerne und macht es gut, wie er glaubhaft versichert, "und nicht streng nach dem Kochbuch", fügt er mit einem strafenden Blick auf seine Frau hinzu. Das hatte sie nämlich mal in einem Zeitungsinterview behauptet, was ihm wohl ziemlich hämische Kommentare im Freundes- und Kollegenkreis eingetragen hat. Dabei legt er Wert darauf, seine Fantasie in der Küche walten zu lassen und selbst aus lauter Resten noch was Leckeres zu zaubern.

Wenn die SPD-Spitzenkandidatin nach einem langen Wahlkampftag erschöpft nach Hause kommt, dann baut er sie wieder mit ganz schlichter Hausmannskost auf, "am liebsten Bratkartoffeln mit Spiegelei oder strammer Max", ruft Hannelore Kraft.


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