Westerwelle ist ein politischer Widerling. So kalt seine Augen, so herzlos seine Politik. Alles Tun unterwirft er allein strategischen Überlegungen, nie der Sache. Es gibt kaum eine Äußerung von ihm, die inhaltlich geprägt ist. Auch wenn der FDP-Chef immer so tut. Stets geht es um eigenes Fortkommen, sein eigenes Bild in der Öffentlichkeit und den Erfolg seiner Partei. Wenn Politberater dem kalten Strategen raten, etwas mehr Wärme zu zeigen, persönlicher zu wirken, dann spricht er in allen seinen Reden und Talkshow-Auftritten plötzlich über "Herzensbildung". Als wenn das etwas bringen würde. Alles nur Berechnung und nicht Aufrichtigkeit. Solche Politiker brauchen wir nicht.
Als sein inzwischen umgekommener damaliger Parteivize Jürgen W. Möllemann im Bundestagswahlkampf 2002 versuchte, mit antijüdischen Sprüchen Punkte für die FDP zu sammeln, fiel Guido Westerwelle ihm nicht entschieden in den Arm. Im Gegenteil, mit wachsweichen Erklärungen billigte er die Zündelei. Weil er sich selbst Stimmen am rechten Rand der Gesellschaft erhoffte. Das stritt er natürlich scheinheilig ab.
Heute zieht der FDP-Chef wieder gegen Schwache, diesmal die Arbeitslosen zu Felde. Dabei ist er als Außenminister für sie gar nicht zuständig. Er sollte unser Land lieber besser nach außen vertreten. Auf internationalem Parkett steht er herum wie ein dummer Junge. Weil die FDP derzeit gerade mal wieder im Tief steckt und sein eigenes Ansehen auch, setzt Westerwelle auf Krawall. Nichts gelernt aus dem Wahlkampf mit Guido-Mobil und der Zahl 18 unter den Schuhsohlen. Die staatsmännische Fassade ist gefallen, der Mann entzaubert, kaum dass es mal nicht so gut läuft.