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28.08.2010
WEISS
Die Fleißigen werden bestraft
VON MARTIN KRAUSE

Ja sicher: Wer Lust und Kraft hat, sollte die Möglichkeit bekommen, über den 65. Geburtstag hinaus zu arbeiten. Meinetwegen bis er 75 ist. Gerne auch bis zum Umfallen. Das schont die Rentenkasse. Ein Gewinn für alle Seiten. Doch die Basis dafür darf nicht dieses Machwerk mit dem umständlichen Titel "Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze" sein, das die Große Koalition 2007 auf die Bundesbürger losgelassen hat. Denn die Rente mit 67 ist eine Zumutung, deren Bedeutung mancher, der heute voll im Saft steht, vielleicht noch gar nicht ganz begreift.

Dabei trifft die schlichte Stammtischmeinung voll ins Schwarze. Wer sich sein Leben lang für Job und Firma krummgeschuftet, sich fleißig reingekniet und aufgerieben hat, wird obendrein noch finanziell be-straft, wenn er dann reif ist für die Rente. In Wahrheit geht es dem Staat doch nur um Kürzungen: Wer künftig vor 67 in die Rente will, muss in der Regel höhere Abschläge hinnehmen als heute. Selbst wer erst mit 65 schlappmacht, hat dann oft keinen Anspruch auf das volle Geld. Wer vom Chef gar vorzeitig aus dem Betrieb gekegelt wird, ist doppelt gekniffen.
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Rente mit 67: Arbeiten bis zum Umfallen?




Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit muss freiwillig sein

Betroffen sind nicht nur Beschäftigte in körperlich anstrengenden Jobs, in denen es nur eine kleine Minderheit bis 65 schafft. Auch viele vermeintlich lockere Büroarbeiten schlauchen so, dass sich die Ältesten nur mit Mühe auf den Sesseln halten. Die (schon heute mögliche) Verlängerung der Lebensarbeitszeit muss daher freiwillig bleiben. Interesse hat mancher, zumal Arbeit die Haushaltskasse besser füllt als Rente. Aber der Zwang muss weg.

Rente mit 67 droht obendrein auch die Arbeitslosigkeit zu erhöhen. Die Sozialdemokraten spüren längst, was sie sich damit eingebrockt haben. Bei den Christdemokraten dauert manches eben etwas länger. Aber an Fehlern, die sich aus der Welt schaffen lassen, muss ja keiner festhalten.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Ich glaube ja immer noch nicht, dass längeres Arbeiten unbedingt die Rentenkassen schont. Wer arbeitet, wird zwar bezahlt. Aber dabei ist es doch gar nicht gesagt, dass er dabei auch gesellschaftlichen Wohlstand produziert: Gerade in der Konkurrenzwirtschaft werden doch Gelder häufig nur an sich gerissen, bevor die Konkurrenz sie sich schnappt.

Endlich mal ein sinnvolles Thema! Allerdings geht die Diskussion am Kern vorbei. Eine Altersvorgabe für den Renteneintritt ist völliger Schwachsinn. Es müssen ganz neue Kriterien her. Etwas gerechter wäre es, wenn es Rente nach ca. 40 Jahren im Beruf gäbe. Mit 65 Jahren haben manche nicht einmal 35 Jahre gearbeitet, während andere auf fast 50 Jahre kommen. Klar ist doch wohl auch, dass unterschiedliche Berufe ganz unterschiedlich belasten, wobei man hier einmal prüfen sollte, ob es mit der Menschenwürde vereinbar ist, wenn heutzutage noch Menschen mit gerade mal 50 durch ihre Arbeit körperlich kaputt sind. Dass man mit 60 auch als Bürohengst langsam die Schnauze voll hat, ist verständlich, aber wohl kaum mit der Situation eines Handwerkers vergleichbar, der unter berufstypischen Schäden am Skelett, einer Staublunge etc. leidet.

Außerdem wird in unterschiedlichen Berufen ganz unterschiedlich viel verdient. Wieso ist das Renteneintrittsalter im Unterschied dazu Branchen übergreifend identisch? Das ergibt weit weniger Sinn als er unterschiedliche Lohn.

Ältere Mitarbeiter in Frührente zu schicken, ist auch keineswegs eine Garantie für Ausbildungsstellen, denn oftmals handelt es sich um verschleierte Rationalisierungsmaßnahmen, sodass die Stellen gar nicht mehr neu besetzt werden und die Arbeit aufs restliche Personal umverteilt wird.

Wesentlich besser wäre eine Lastverringerung mit steigendem Alter durch leichtere Arbeiten oder weniger Wochenstunden. So verringert sich zwar das Einkommen, ist aber immer noch deutlich oberhalb einer Rente. Zudem fallen die Leute nicht von 100% ins Nichts, sondern können sich langsam daran gewöhnen mehr Freizeit zu haben und Möglichkeiten finden, diese sinnvoll zu nutzen. Das könnte jedoch die Lebenserwartung deutlich steigern, was eventuell gar nicht erwünscht ist.


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