Politiker werden in Deutschland viel zu schlecht bezahlt. Auch wenn alle Polit-Kritiker jetzt gemeinsam aufheulen. Jede Diätenerhöhung wird reflexhaft von großem Schimpfen begleitet. Das ist bitter, dumm und klingt nach Neid und Missgunst. Gutes Geld für gute Arbeit, das sollte auch für die Männer und Frauen in unseren Parlamenten gelten. Die meisten von ihnen machen gute Arbeit und mühen sich nach Kräften. Und: Wer mehr arbeitet, sollte auch mehr Geld bekommen. Sicher, ein Parlamentarier verdient mehr als ein Handwerker, Lehrer oder Sachbearbeiter.
Ohne dem Einzelnen zu nahe treten zu wollen: Aber arbeiten die Genannten regelmäßig auch am Wochenende? Haben sie ständig eine 45- bis 55-Stunden-Woche mit Terminen bis spät in den Abend? Läge ihnen daran, die Hälfte des Jahres fern der Familie in der Bundes- oder Landeshauptstadt zu leben? Wären sie zufrieden mit Zeitverträgen, die nur vier oder fünf Jahre laufen? Bei jeder Wahl droht dem Abgeordneten, nicht aufgestellt oder nicht gewählt zu werden. Es gibt genug Beispiele, bei denen ein Parlamentarier nach einer Legislaturperiode im Bundestag plötzlich vor dem Nichts stand, eine Ex-Volksvertreterin fand sich als Putzfrau wieder (was nicht ehrenrührig ist). Wie sollen sich qualifizierte Männer und Frauen für den wichtigen Beruf des Politikers interessieren, wenn sie erstens leicht abserviert werden können und zweitens nicht mal so gut verdienen wie mit gleicher Qualifikation in der Wirtschaft?
Mehr Geld für unsere Politiker?
Den Wahlbürgern sollte schon die Selbstachtung gebieten, ihre Vertreter angemessen zu bezahlen. Denn wollen wir wirklich von Menschen vertreten werden, die selbst schlecht versorgt sind? Zu einer gewissen Unabhängigkeit auch als Schutz vor Korruption und Bestechung trägt eine ausreichende Bezahlung bei. Deswegen sollte der Souverän etwas großzügiger sein und nicht bei jeder Diätenerhöhung von "Taschen vollstopfen" reden.