Sie hocken hinter Hecken, lauern hinter Laternen und warten hinter Wänden; sie rüsten Jahr für Jahr weiter auf, als führten sie einen Hightech-Krieg gegen Außerirdische. Wer Deutschlands Straßenränder genau in Augenschein nimmt, gewinnt den Eindruck, der Staat führt einen Existenzkampf gegen die Autofahrer.
Lange Objektive richten sich in ganzen Batterien von vier bis fünf Geschützen dicht hintereinander auf die passierenden Fahrzeuge. Auf dem OWD in Bielefeld steht der Autofahrer einer Panzerdivision gegenüber, so bedrohlich sind die Kanonenrohre, die ihm entgegenstarren. Da erschreckt sogar der korrekteste Verkehrsteilnehmer. Als Unfallschwerpunkt war die Stelle nie aufgefallen. Auf der B 64 Paderborn Richtung Höxter lauert alle paar Kilometer ein Blitzkasten. Es geht um alles. Autofahrer, die mal ein paar km/h zu viel drauf haben, sind die Staatsfeinde Nummer eins. Und die Überkorrekten klatschen artig Beifall.
Blitzer: Schutz oder Abzocke?
Es reicht eine Behörde allein nicht, um Hatz auf Pkw zu machen. Der Fahrzeuglenker, der der Polizei mit ihrem engmaschigen Netz an Geschwindigkeitskontrollen mit knapper Not entkommen ist, rauscht wenige Meter später mit Sicherheit dem Ordnungsamt in die Falle. Das hat sich diesmal als Mülleimer getarnt. Zahltag zugunsten der Gemeinde. Und der Kämmerer reibt sich die Hände.
Jetzt legt Innenminister Jäger noch eins drauf und bläst zur nächsten Jagd. An 1.400 Orten wurde am Freitag geblitzt, und der Sozi ist stolz wie Oskar. Klar – alles nur wegen der Verkehrssicherheit. Wenn es so wäre, stünden die Kontrolleure nicht als Wegelagerer genau dort, wo es am meisten Geld bringt, sondern an neuralgischen Punkten. An Bushaltestellen oder vor Schulen.