Echte Fahrradfahrer brauchen keinen Motor unterm Sattel. Wer weder alt noch krank ist oder seine Brötchen als Postbote verdient, sollte sich nicht so anstellen, auf seine Muskelkraft vertrauen und selbst was auf die Kette bringen.
Deutschland ist Europameister – im Zunehmen. Hierzulande leben die beleibtesten Menschen des Kontinents, zwei Drittel der Deutschen sind übergewichtig. Und auch weltweit holen wir rapide auf. Auf der Liste der Industrieländer mit den fettesten Einwohnern liegen nur noch die Vereinigten Staaten vor uns – und zwar hauchdünn. Etwas mehr Bewegung täte also der Mehrheit unserer Gesellschaft gut. E-Bikes jedoch machen jede Radtour zur Farce.
Fahren mit Elektrorad: Ist das noch Sport?
Die Faulpelz-Fahrräder sind nicht nur schwer unsportlich, sie bringen auch selbst bis zu 30 Kilo auf die Waage. Treppen und andere Hindernisse sind so für kaum jemanden zu überwinden. Und wer es doch schafft, all das Heavy Metal wieder aus dem Keller zu wuchten, fragt sich spätestens im Hausflur, weshalb er noch mal 2.000 Euro für sein Mittelklasse-E-Bike hingeblättert hat. Für den Preis gibt’s in jedem aufgeräumten Fahrradladen zwei federleichte Rennräder mit flotten 21 Gängen.
Und sind wir doch mal ehrlich, besonders lässig sieht es auch nicht aus, wenn man sich über den tiefen Einstieg auf den barocken Oma-Sattel schwingt, direkt über der klobigen Batteriebox. Eben noch ein Blick auf den Füllstand, dann einen in den Rückspiegel – fehlt nur noch der ledernde Sattelgepäckträger mit Gemeindewappen aus der Uckermark; ein ideales, weil flaches Terrain für das Seniorenfahrrad. Denn Serpentinen sind mit dem klotzigen Akku am Rahmen nur schwer zu manövrieren.
Ist der Gegenwind wirklich mal zu stark, der Berg zu steil oder hat der Muskel zum Ende der Partie tatsächlich zugemacht, gilt weiterhin das alte Biker-Credo: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.