Heimaturlaub macht dumm. Wer seine Ferien immer nur in Deutschland verlebt, schadet sich selbst und seiner Familie. Unser Hirn will gefordert werden, kulturell und emotional. Doch eine Fahrt im Familienvan an die Ostsee ist ungefähr so erlebnisreich wie Fußnägelschneiden. Größter Spannungsmoment des Heimaturlaubs ist, ob die Ehefrau auch ausreichend gekochte Eier für die Fahrt eingetuppert hat.
Viel spannender ist schon der Moment, wenn der Magen kurz flau wird und das Flugzeug abhebt. Als Ziel: unbekannte Gefilde oder wenigstens Sonne. Schon im Landeanflug fängt die Seele an zu baumeln. Vorfreude auf Entspannung und/oder Erlebnis macht sich breit. Das bringt die im Alltag zumeist weichgeklopften Emotionen so richtig in Schwung und sorgt für gute Laune.
Ferien nur im eigenen Land?
Diese Stimmung wird in den Wochen des Urlaubs durch die fremde Kultur weiter gesteigert. Es sind kleine, aber feine Momente des Glücks, wenn man erstmals in New York nach dem Weg gefragt wird oder in Spanien das erste Gespräch mit einem Einheimischen führt und dabei merkt, dass die wenigen Spanischstunden sich schon auszahlen. Solche Momente kennt der Deutschland-Urlauber nicht. Er kann sogar zu seiner Currywurst problemlos ein Weizen bestellen. Kein Nachdenken. Hauptsache deutsch. Hauptsache bekannt.
Bleibt das Lieblingsargument der Heimaturlauber: Deutschland hat viel zu bieten. Das mag auf wenige Flecken des Landes zutreffen. Aber eine Liebeserklärung in Paris hat nicht nur mehr Romantik, sondern auch höhere Erfolgsaussichten als in Pinneberg. Ein Sonnenuntergang über Manhattan ist allemal unvergesslicher als über Mannheim. Und ein kühles Bier schmeckt in Barcelona besser als in Bottrop.
Darum: Wegfahren, lernen und das Leben genießen.