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07.07.2012
SCHWARZ
Unbedingt!
VON CARSTEN HEIL

Nach Indien sollte es gehen. Zwei Wochen. Und dann noch rauf ins nepalesische Hochland. Eine Freundin freute sich wie narrisch auf den großen Jahresurlaub mit ihrem Partner. Und dann? Eine Woche früher als geplant kehrte sie zurück. Völlig niedergeschlagen, gestresst. Der Freund mit Nierenkoliken in irgendeinem abgelegenen Krankenhaus, sie selbst wegen Kälte schwer erkältet und angenervt von den unterirdischen hygienischen und sonstigen Zuständen.

Ich bekenne mich als Langweiler und bleibe in Deutschland. Lieber jedes Jahr Timmendorfer Strand, Langeoog oder Isny in den Alpen. Deutschland ist eines der abwechslungsreichsten und schönsten Länder auf wenig Raum. Warum sollte ich da tagelang unterwegs sein, um an unbekannten Gestaden zu landen, die Gefahr des Drecklochs inbegriffen?

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Die Fans der Interkontinentalreise tun sich den Stress doch nur an, damit sie sich später vor den Freunden dicketun können. "Seht her, ich war in Kenia zur Safari. Ich bin ein interessanter Typ." Dass sie von Ungeziefer geplagt wurden, gestresster nach Hause kommen, als sie losgefahren sind, Wochen vorher belastende Impfungen über sich ergehen lassen mussten, verschweigen sie.

Als Ausrede fürs Fremdgehen muss bei den Fernreisenden immer das Wetter herhalten, das angeblich in Deutschland so schlecht ist. Unsinn. Im Strandkorb ist es auch ohne Sonne schön, Windsurfen kann man bei Regen. Hauptsache, es regnet waagerecht. Und wenn gar nichts mehr hilft, geht man in die Sauna oder shoppen. Herrlich. Selbst Kultur und Besichtigungsstätten hat Deutschland so viele zu bieten, dass sich viele andere Urlaubsziele damit nicht messen können. Fernurlaub? Nein danke.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
@Babbs: Natuerlich wird mit Apple geprotzt und das reichlich. Das faengt schon damit an, die Leute die Verpackung von Apple-Produkten fotografieren und z.B. bei FB reinstellen oder in die eigene Vitrine reinstellen. Andere transportieren mit Tueten vom Apple-Store bewusst auch andere Produkte. Es soll sogar Kaeufer und Verkaeufer geben, die Apple Verpackungen kaufen bzw. verkaufen, gesehen bei ebay. Wer dann so ein mobiles Geraet von Apple hat, zeigt es gern in der Oeffentlichkeit, was er hat. Ueberall wird das Geraet rausgeholt und wesentlich offensiver zur Schau gestellt als bei anderen Brands der gleichen Kategorie. Ich lasse den Apple-Fanatikern gerne ihre Show, aber verglichen mit Fernreisen ist Protzen mit Apple nicht nur einfacher, sondern auch billiger.

@Stefan: Also die Aktion mit der Supermarktkasse noch mit dem Moskau-Ticket habe noch nie erlebt. Mag sein, dass es solche Fernreisetypen gibt. Ich selbst bin in meinem Leben schon in vielen verschiedenen Laendern gewesen und habe nie damit geprotzt(der Satz ist informativ, nicht protzend). Ich kenne auch keine Fernreisefans, die dieses tun. Auch noch Dreitagebaerte und Computer als Protzsymbol anzusehen, dazu fehlt mir wirklich die Phantasie.

Ich habe keine Ahnung, Herr Stromberg, wieso Sie davon ausgehen, dass mit Produkten von Apple geprotzt wird. Das ist doch auch wieder nichts anderes als ein Vorurteil, dass Sie selber u.a. Stefan vorwerfen. Protze ich, nur weil ich ein Apple Produkt besitze? Nun, dann habe ich ein Problem, denn ich setze seit weit mehr als 10 Jahren Apple Pordukte ein. Vor 10 Jahren wurde ich noch über dieses "Nischenprodukt" belächelt, heute wird mir vorgeworfen, ich würde damit protzen? Und muss ich mich auch dafür entschuldigen, dass ich einen Audi fahre und nicht einen Skoda, Daccia o.ä.?

@ Peter Stromberg: Also Herr Stromberg, das Protzen geschieht auf eine sehr subtile Art. Da wird an der Supermarktkasse "versehentlich" schon mal das australische Geld herausgeholt und damit kommentiert, dass man sich nach dem tollen Urlaub im Outback erst mal wieder an das deutsche Geld gewöhnen müsse. Oder in der Warteschlange beim Bäcker fällt "rein zufällig" das Ticket der Moskauer U-Bahn auf den Boden, was dann lapidar mit den Worten "bei unserem Städteausflug nach Moskau mussten wir auch ständig in der Schlange stehen" begleitet wird. Achten Sie da mal drauf. So sind sie, diese Fernreisenden. Alle! Aber ich gebe Ihnen auch recht! Es gibt auch andere Wege, sich selber darzustellen und zu protzen. Aber Herr Heil und ich gehören zum Glück nicht dazu! Von uns beiden fährt beispielsweise keiner einen Mercedes. Wir bevorzugen beide eher das Schlichte und bemühen uns darum, möglichst unauffällig durchs Leben zu gehen. Deshalb lassen wir uns auch keine angeberischen Dreitagebärte mehr wachsen. Ich selber habe deshalb auch für mich und unsere Großfamilie beschlossen, nur noch Urlaub in Schildesche (evtl. auch noch Babenhausen) zu machen. Alles andere ist uns definitiv zu protzig. Den Computer schaffen wir jetzt auch ab. Demnächst erledige ich das alles nur noch in der Stadtbibliothek. Und dort leihen wir dann auch die Bücher aus, die uns bilden. Da müssen wir nicht extra in die Antarktis reisen.

Wer solch einen Artikel verfasst, bei dem möcht ich doch gern wissen, wo er denn bisher im Ausland war, dies alles beurteilen zu können! Denn nicht überall auf der Welt ist es so schlimm, wie gesagt wird! Wenn ich an so manche Ecke in deutschen Großstädten denke, kommt auch nicht grade Urlaubsstimmung auf! Sich die schönen Orte in Deutschland zu nennen, ist meiner Meinung nach, nun doch ein wenig zu einfach! Das einfachste ist doch vllt alle 2-3 Jahre mal ins Ausland zu gehen und die andere Jahre hier zu verbringen!

@Stefan: Keine Ahnung, wie Sie und Herr Heil darauf kommen, dass die Leute Fernreisen buchen, um zu protzen. Es gibt wahrlich andere Dinge, womit man deutlich mehr protzen kann. Mit Autos und Produkten von Apple wird zum Beispiel reichlich geprotzt und das tagtaeglich. Sowas zeigen die Leute taeglich, nicht nur Bekannten, Kollegen und Nachbarn, sondern auch Unbekannten: Schaut her was ich habe.

Bei Fernreisen ist das eher die grosse Ausnahme oder hat Sie schon einmal ein Unbekannter angesprochen und gesagt: "Ey Du, ich war da und da und habe im 5-Sterne-Hotel, nachdem ich auf Safari oder Hochseeangeln war." .

Und was das Protzen von Nahzielurlaubern und Campern angeht, so erkennt man diese an den zahlreichen Aufklebern, die zeigen sollen, wo man schon ueberall war.

Ich bin fest davon ueberzeugt, dass Fernreisen bilden. Hier in der NW ist ein Artikel zu einem Paar aus Bielefeld, das die Welt umsegelt. Herr Heil und Sie koennen ja mal lesen und feststellen, dass Fernreisende auch nicht immer die typischen Touris sind, die Safari-Touren buchen.



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