Das kann mir doch nicht passieren! Das trifft doch nur die anderen. Ich bin gesund und jung, jedenfalls noch nicht so alt, dass ich an den Tod denken müsste. Und eine Organspende benötige ich auch nicht." So leben viele Menschen vor sich hin. Und wie wir gern den Tod aus unseren Gedanken verbannen, tun wir es auch mit dem Thema Organspende.
Halt! Erstens kann sich diese Situation leicht ändern. Dazu bedarf es nicht mal eines dramatischen Unfalls. Schon morgen könnte durch eine schlichte Krankheit jeder von uns auf eine Organspende angewiesen sein. Zweitens kann jeder auch schnell in die Lage geraten, als Organspender konkret in Frage zu kommen. Wer dann diese Frage nicht vor seinem Tod persönlich beantwortet hat, mutet seinen Familienangehörigen eine sehr schwere Entscheidung zu. Die würden von den Medizinern gefragt. Das will ich meiner Frau und meiner Tochter ersparen. Schon aus Verantwortung für unsere Nächsten gehört eine klare eigene Entscheidung dazu.
Organe spenden - ja oder nein?
Das ist es nicht allein: Ich kann mit meinem Körper anderen helfen, Leben zu erhalten oder zumindest lebenswerter zu gestalten. Das ist eine große Sache.
Die Entscheidung darf jedoch nicht durch moralischen Druck fallen, sondern durch Überzeugung, die auf solider Information beruht und Zeit hatte zu reifen. Am aktuellen Skandal ist vieles sehr ärgerlich. Das System der Organspende und -verteilung ist in Verruf geraten. Einen positiven Aspekt kann ich diesem kriminellen Akt aber abgewinnen: Er hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt, wie es keinem Gesetzentwurf und keinem Appell möglich wäre. Wenn sich die Aufregung gelegt hat, werden die Spenderzahlen deshalb steigen.