Der Mensch hat immer zwei Möglichkeiten, auf Ereignisse zu reagieren: Er kann klagen und jammern. Oder er macht das Beste draus. Das gilt sogar für die Jahreszeiten. In diesem Sinne: Wie schön, dass es den November gibt. Ein klarer Monat, mit durchweg schlechtem Wetter. Hoffnung auf die letzte Spätsommersonne kann man – anders als noch im Oktober – getrost begraben. Dann wird auch keine Hoffnung enttäuscht. Ist doch prima.
Über Novemberdepressionen sollte man nach Möglichkeit lachen. Nur weil es draußen mehr regnet und stürmt als in anderen Monaten, kann doch ein gesunder Mensch nicht in Traurigkeit und Melancholie verfallen. Nichts als Selbstmitleid. Und selbst wenn: Es tut auch mal ganz gut, die dunkleren Abende und den Herbst zu nutzen, über den Herbst des Lebens nachzudenken. Der kommt genauso gewiss wie der November. Ruhigere Musik hören – das an dieser Stelle schon mal empfohlene "Deutsche Requiem" von Johannes Brahms oder "November-Rain" von Guns N’ Roses –, bei Gesprächen mit Freunden oder der Familie ein gutes Glas Rotwein leeren und über Weltanschauungen, den Sinn des Lebens, kurz: über Gott und die Welt philosophieren. Ins Kaminfeuer blicken und nur sinnieren, einfach sein, ein Buch lesen. Das alles bleibt im schnellen, lebenshungrigen Sommer auf der Strecke. Gehört aber zum Leben.
November: Mehr als Schwermut?
Wem das nicht reicht, der kann sich in die Sauna setzen und schon mal auf die Weihnachtszeit freuen. Und verlieben kann sich der Mensch auch im Herbst, nicht nur im Mai. Wunderbar auch, wenn im November der kulinarische Kalender umgestellt wird: Grünkohl mit westfälischer Wurst, eine knusprige Gans. Nein, der November ist ein toller Monat, besser als zum Beispiel der März. Der ist widerlich, weil es endlich Frühling werden soll, das Wetter aber immer Winterrückfälle hat. Mensch, was willst du mehr? Endlich November!!!
"Gefunden" setzt Suche voraus. Ich suche aber nicht. Ich lasse mich überraschen! Das ist viel spannender.