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24.11.2012
WEISS
Vorglühen ist erlaubt

Endlich. Adventszeit, Genusszeit. Vorglühen ist erlaubt und gesellschaftsfähig – und sorgt schon mittags für eine schwungvolle, gut gelaunte Arbeit am Nachmittag. Wo sonst schon mal die ostwestfälische Brummigkeit durch die Büros wabert, flanieren jetzt immer öfter lässig-launige Ostwestfalen über die Flure mit glühweingeschwängerter Lust auf Plausch hier und Schwätzchen da. Und daran kann auch die volksmusikalische Billigvorweihnachtsmusi vom Glühweinstand im Hüttendesign nichts ändern.

Ein alkoholisches Heißgetränk zur Lunch-Zeit, wie es neudeutsch amerikanisiert ja heißt – Mittagsschlaf war gestern und ein grimmiges "Mahlzeit!" vorgestern –, beflügelt auch die schwermütigste Ostwestfalen-Seele, die mit der dunklen Jahreszeit hadert. Was den Rest des Jahres zu Recht verpönt ist, wird in der Vorweihnachtszeit zum geselligen Ritual.

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Mittagspause mit Glühwein?




Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass der Alkohol (ein guter Glühwein hat mindestens 7 % Vol.) Ursache für die gelösten Seelen nach dem Genuss des Volkspunsches ist. Vielmehr sind es, historisch nachweisbar, die Gewürze. Schon im Mittelalter erfreuten sich sogenannte Würzweine wie etwa der Hypocras bei den Menschen an kalten Tagen großer Beliebtheit. Der Geschmack ähnelte sehr dem heutigen Glühweinabgang mit der wärmenden Wirkung von Zimt, Gewürznelken, Sternanis und Zitronenschalen. Dass das alkoholhaltige Heißgetränk zum Aphrodisiakum wird, liegt natürlich auch an der romantisch-versöhnlichen Vorweihnachtszeit, die einfach danach ruft, alle Gegensätze einzuebnen und die Probleme auf morgen zu vertagen.

Durch übermäßiges Ernstnehmen ist im Übrigen noch kein Problem schneller gelöst worden. Insofern ganz ostwestfälisch, und auch gerne ein wenig schunkelselig, ist die kalte Jahreszeit: Adventszeit, Genusszeit. Vorglühen ist erlaubt.

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Kommentare
Tagchen "Feder" (kein Name?!): Dann sind wir einer Meinung. Frohes Fest und guten Rrrrrrrutsch.

Frau Wienströer, glauben Sie ernsthaft, Frauen sind besser und dem Alkohol total angewidert abgeneigt? Die sind manchmal viel schlimmer!! Da ich Weihnachtsmärkten eh nichts abgewinnen kann, ist mir egal, wer sich mit Glühwein vorglüht oder nicht. Es sind doch alle Erwachsen oder sollten es sein, also ist jeder für sich selber verantwortlich. Nicht jeder, der Alkohol konsumiert, ob auf dem Weihnachtsmarkt, zu Weihnachten zu Hause oder zum Jahreswechsel, ist automatisch ein Alkoholiker. Oder regen Sie sich generell gegen Alkohol auf? Den kann man auch genießen und nicht zum "vorglühen" mißbrauchen.

Frau Geschechtsgenossin: Vorglühen ist NICHT erlaubt!

Die bewiesen gut tuenden Gewürze kann man auch im heißen Tee genießen. Dabei bleibt der Kopf jedenfalls nüchtern.

Was er bei dem Alkozeugs nicht bleiben kann. Und plötzlich ist ab Mittag grad die männliche Spezie gut auf Draht. Bestens erkennbar an den deutlich zotigen Sprüchen die dann kommen. Aphrodisiert bis unter die Haarspitzen sind sie dann! Das muss ich mir nicht antun! Zumal sie dann Abends weiter machen wollen, generös dazu einladen und spätestens nach dem zweiten Turbogetränk sagen "Dich würde ich gerne näher kennenlernen". Dabei gab es bis dahin nie ein "du". Ekelhaft so etwas!

Sollen die sich Abends einen reinpfeifen, zu Hause ihre Frauen mit den kotzübel stinkenden Fahnen beglücken. Und dann morgens den dicken Brummi auf dem Hals tragen. Dann sind sie wenigstens still, denn Mitleid kriegen sie dafür nicht.

Und: Wieso wird eigentlich ein Weihnachtsmarktbesuch immer öfter mit Saufen assoziiert? Schrecklich! Zieht sich hin bis Heiligabend, da kommt natürlich, wegen der inzwischen eingetretenen Gewöhnung, auch automatisch der "gute Rote" reichlich unter den Baum und in die Birne. Hallelujah geradeaus singen? Das Kunststück kann nicht mehr gelingen. Wie auch bei der Überglühtheit? Nichtmal mehr die männliche Beglückung der Frau funktioniert. Wie auch? Ausgeglüht das "Teil". Frohe Weihnachten im Trockendock!

Zwischen den Tagen dann schwitzendes Entbehren, herbei hoffen von Silvester, nochmal richtig Gas saufen unter dem Deckmantel dieses Tages, um dann Neujahr vollends im wahrsten Sinn des Wortes zusammen zu brechen was nur geht. So etwas würde man dann am liebsten für ein paar Tage in der Entgiftung abliefern, denn das Gejammer und Gezeter was dann kommt ist kaum auszuhalten.

Da bleibe ich, wie Sie Frau Glosemeyer, lieber Single und kann mich köstlich über den ganzen Murks amüsieren. Mein Diesel-Polo darf fast unbemerkt gerne vorglühen, aber ich mit Sicherheit nicht.

Nun kommen die "Herr"-schaften sicher fix aus den Ecken gekrochen und werden versuchen das alles zu dementieren. Lasst es! Es gelingt Euch nicht. Auch 2012 nicht, wie in all den Jahren zuvor und danach. Ihr werdet immer einen "Grund" zum Saufen finden. Wie beim Fußball. Haben sie gewonnen: Na klar, halligalli den Sieg beschütten! Haben sie verloren: Was war das für ein Mistspiel. Das musste man erstmal wegspülen. Also: Schön ruhig bleiben und erstmal nachdenken. Ach ja (Mega-Tipp): Kinderpunsch macht Männer stark!



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