Billiger Rotwein, auf Herdplatten erhitzt und mit allerlei Würze vollgepumpt – schon beim Gedanken an eine solche Schlempe müsste dem Genießer eigentlich gründlich der Magen rotieren. Der Weihnachtsmarkt aber hat seine eigenen Gesetze: Urplötzlich mutiert das alkoholische Gesöff zum Kulturgut und erfährt schon zur Mittagszeit gesellschaftliche Akzeptanz.
Wo sonst jede Zigarettenpause von den kritischen Augen des Chefs begleitet wird, jeder Obdachlose mit Bierflasche im Ansatz verachtende Blicke auf sich zieht und komasaufende Jugendliche die Schlagzeilen dominieren, sind es oftmals sogar die Vorgesetzten selbst, die zum Sturm auf die Glühweinbuden der Innenstadt blasen. Ist schließlich gesellig und kann dem Betriebsklima nur gut tun.
Mittagspause mit Glühwein?
In Wahrheit aber ist das Gegenteil der Fall. Begleitet von französischen Pfannkuchen-Imitaten und überzuckerten Mandeln wird der überteuerte Fusel gleich becherweise in den Schlund gekippt. Damit die Revolte im Magen auch so richtig in Fahrt kommt gibt es gegen Aufpreis noch einen ordentlichen Schuss Hochprozentigen oben drauf. Und wenn man sich dann bei Minusgraden und dem unsäglichen Gedudel der Wolfgang-Petry-Weihnachts-CD um den Heizpilz drängelt – heißa, dann hält man es kaum aus vor Gemütlichkeit. Viel zu spät erst ruft einem die alkoholgeschwängerte Blutbahn ins Gedächtnis, auf welch fatale Weise man den eigenen Körper soeben malträtiert hat.
Es braucht kein Genie um festzustellen, dass die Arbeitsresultate anschließend vor Lustlosigkeit und Mängeln geradezu strotzen. Und die Krankmeldung am nächsten Tag ist nur noch reine Formsache. Adieu, Produktivität!