Es beginnt: das nervige und stressige Buhlen um die Auszeichnung "Ich bin der tollste Weihnachtskoch". Aber nicht mit mir. Schon die Vorstellung ist ein Graus. Nach stundenlangen Einkäufen werden die selbsternannten Spitzenköche erst mal zu Künstlern. Beuys zumindest wäre stolz, wenn er sehen könnte, wie sich in den Küchen des Landes kiloweise Butter und Sahne in einer Fettecke stapeln.
Stundenlang wird dann die Weihnachtsgans im Ofen gedreht, übergossen, mit einem Bratenthermometer malträtiert. Der Herd läuft auf Hochtouren, müssen doch Kohl und Kartoffeln in Bataillonsmengen irgendwie gar werden. Dann noch eine Messerspitze hiervon, ein paar Gramm davon. Totales Generve. Immer. Besonders aber an Weihnachten, den eigentlich besinnlichen Tagen.
Kochen:Schlicht oder opulent?
Diese sollte der Koch lieber mit seiner Familie und seinen Freunden verbringen. Aber statt sich um sie zu kümmern und ihren Geschichten zu lauschen, wird jedes Gespräch unterbrochen von "Ich muss noch den Braten übergießen" oder "O Gott, die Füllung, ich glaube, ich habe die Butter vergessen". Schluss damit.
Es ist ein Irrglaube, dass Weihnachten nur mit Ente, Gans und Stunden in der Küche ein tolles Fest wird. Lieber einfache Gerichte zubereiten. Und sich nicht von den Hobby-Gourmets in die Fertigproduktecke drängen lassen. Eine sensationelle Thai-Suppe braucht nur wenige Handgriffe und Minuten. Ebenso ein schnelles Curry oder ein heiß-kalter Nachtisch. Alles ohne Fertigprodukte.
Der Festschmaus wird so erst zum unvergesslichen Erlebnis: Wegen des Geschmacks, vor allem aber, weil der Koch das Wertvollste, was er hat, seinen Liebsten schenkt: Zeit. Die können damit mehr anfangen als mit Gänsekeulen.