Ich war das ganze Jahr über vernünftig. Ich habe den Müll getrennt, habe Wasser gespart und meistens daran gedacht, das Licht auszuschalten. Aber Silvester wird es so weit sein: Ich gebe der Unvernunft nach und werde nach Herzenslust böllern.
Natürlich weiß ich, dass ich das ausgegebene Geld zum Fenster rausschmeiße. Ich weiß auch, dass Böllern viel Müll produziert und dass es gefährlich sein kann. Aber sein wir doch mal ehrlich: Es macht einfach einen Heidenspaß! Wenn die Funken der Raketen am Himmel verglühen, die Fontänen sprühen und die Knallfrösche hüpfen, bin ich in meinem Element. Das kann wahrscheinlich nur verstehen, wer selbst schon in jungen Jahren mit der Böllerei in Kontakt gekommen ist.
Silvester: Mit Böllerei oder in aller Stille?
Schon Tage vor dem Jahreswechsel habe ich vor der Zeitung gehockt und aus den bunten Prospekten voller Knaller einen Mix zum Gruß an das neue Jahr zusammengestellt. Und wenn das Geld nicht reichte: Vom Opa gab’s noch was dazu. Denn auch der konnte das Böllern nicht lassen. Und so wird es kommen, dass ich auch in diesem Jahr am Silvesterabend in der Dunkelheit stehe und Flammen und Zündschnüre zusammen bringe.
Denn so verhält es sich eben mit schönen Erinnerungen und Traditionen gleichermaßen: Man kann sie nicht rational erklären. Sie bereiten Freude, ohne dass man genau versteht, warum.
Also lasst es krachen am Silvesterabend. Deckt euch mit Kanonenschlägen, Brummkreiseln und Raketen ein. Genießt die kindische Freude. Die Vernunft kehrt immer schon am nächsten Tag zurück: Böllerreste zusammenfegen und so schon am guten Gewissen für das Knallen im nächsten Jahr basteln.
Ich empfehle einen fruehmorgendlichen Katerspaziergang in sozialen Brennpunkten der Stadt Bielefeld. Das sieht es am Neujahrstag teilweise aus wie in einem Kriegsgebiet. Man kann sich jedes Mal ausmalen, was das wohl wieder gekostet hatte.
Ansonsten stimme ich dem Autor zu. Boellern macht Spass. Nur sollte das jeder fuer sich erarbeiten und nicht auf Kosten des Sozialstaates das Geld in die Luft jagen.