Wie viele Bücher der vergangenen Jahrhunderte müssten wir umschreiben, würden wir in allen Werken der Weltliteratur auf politische Korrektheit pochen? In Märchen wird Gewalt verherrlicht, Minderheiten diskriminiert und mit sexuellen Anspielungen um sich geworfen – müssen die Bücher der Brüder Grimm deshalb umgeschrieben werden? Oder die Bibel? Schiller, Goethe, weil sie das herabwürdigende Wort "Weib" verwenden?
Das Problem ist doch: Wo fangen wir an, wo hören wir auf, die Werke längst verstorbener Autoren zu verändern? Literarische Werke sind auch Zeitzeugen. Und Zeit verändert sich. Nur wenige Kinder kennen noch Begriffe wie die Hobelbank beim Pumuckl oder die Schuhwichse in Ottfried Preußlers "Kleiner Hexe".
Kinderbuch: Verbot für Mohr, Neger und Co.?
Glauben die Kritiker allen Ernstes, Pippi Langstrumpf war Rassistin? Als Astrid Lindgren den ersten Band über dieses rotzfreche rothaarige Mädchen veröffentlichen wollte, fand sie keinen Verleger. Denn Pippi ist aufmüpfig, sie klaut, lügt, schläft mit den Füßen am Kopfende. Machen das deswegen alle Kinder, die diese Bücher lesen, ebenso?
Wir sollten den Kindern mehr zutrauen. Entwicklungspsychologen bestätigen: Auch Vierjährige verstehen, dass "Neger" früher etwas anderes bedeutete. Es ist doch eine Chance für Eltern, ihren Kindern beim Lesen zu erklären, dass derartige Begriffe gebräuchlich waren, aber heute nicht mehr verwendet werden. Verschweigen ist hier fehl am Platz.
Viele vergessen bei all der Aufregung: Kinder denken anders, sie sind direkt, sie hinterfragen. Und sie brauchen Andersartigkeit jeglicher Art, um Fantasie und Kreativität zu entwickeln. Viel wichtiger ist, was Eltern ihren Kindern vorleben. Nämlich ein friedliches Miteinander der Kulturen.