Wo kommen wir denn da hin? Wenn an den Schulen das Sitzenbleiben abgeschafft wird, wie jetzt in Niedersachsen von der neuen rot-grünen Landesregierung geplant, gibt es gar kein Mittel mehr, notorische Schwänzer, Leistungsverweigerer und Faulpelze an die Arbeit zu bekommen. Es ist Lebenserfahrung, dass der Mensch gern mit der Anstrengung nachlässt, wenn nicht ein gewisser Druck vorhanden ist. Und die Sorge vor dem Sitzenbleiben erzeugt Druck. Ohne den hätten wir zwar keine Sitzenbleiber mehr, aber eine zunehmende Bugwelle von Schülerinnen und Schülern, die Jahr für Jahr weniger mitkommen und immer mehr Schulfrust ansammeln. Denn es glaubt doch niemand, dass das deutsche Schulsystem in der Lage sein wird, die Schwachen mit Sonderprogrammen auf das erforderliche Leistungsniveau zu hieven. Und den Nachweis, dass dieser Weg günstiger ist, hat keiner erbracht.
Darüber hinaus entwickeln sich Menschen unterschiedlich und sind sehr verschieden. Wenn ein Schüler erst etwas später aufwacht und erkennt, dass Wissen, Erkenntnis und Leistung einen Selbstzweck haben und nicht für den Lehrer oder die Schule erbracht werden, hat er dazu auf der Ehrenrunde Gelegenheit und kann gleichzeitig das Versäumte gut nachholen. Der spätere Unterricht in Fremdsprachen zum Beispiel baut auf dem Wissen (Vokabeln) der Unter- und Mittelstufe auf. Da ist es nicht schlecht, wenn die entsprechenden Schüler etwas mehr Zeit haben.
Schule: Hat die Ehrenrunde ausgedient?
Mag sein, dass sie das Klebenbleiben als Niederlage erleben oder als Scheitern. Das aber gehört zum Leben und sollte nicht dramatisiert werden. Es wird auch später im Berufsleben nicht jedes Weiterkommen auf dem Silbertablett serviert. Nicht immer ist der leichte Weg der langfristig erfolgreiche. Falsch ist folglich, das Sitzenbleiben zu streichen – richtig wäre es, Sitzenbleibern intensive Aufbauhilfe und Begleitung zu geben.