Schrift

02.03.2013
Schwarz
Strafe von gestern

Mehr als jeder Vierte ist schon einmal sitzen geblieben. Da nimmt es nicht wunder, dass die Liste der Sitzenbleiber lang ist: Harald Schmidt hatte fünf Fünfen und musste die 12. Klasse wiederholen, Peer Steinbrück hat die 8. Klasse nicht auf Anhieb geschafft, Winston Churchill scheiterte an Latein und Sport. Dennoch ist aus allen etwas geworden. Ist Sitzenbleiben also nicht so schlimm? Denkste.

Studien belegen, dass das Sitzenbleiben für Betroffene ein heftiger Rückschlag ist; sie müssen nicht nur den Klassenraum wechseln, sondern auch die Freunde, die Lehrer. Zudem kostet Sitzenbleiben den Steuerzahler eine Milliarde Euro – jedes Jahr. Das hat der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung berechnet. Milliarden, die anfallen, weil ein Personal- und Verwaltungsaufwand entsteht, wenn Schüler sitzen bleiben.

Umfrage
Schule: Hat die Ehrenrunde ausgedient?




Milliarden, die unser marodes Bildungssystem ruck, zuck wieder fit machen könnten – wenn man sie denn für Fördermaßnahmen ausgeben könnte und nicht dafür verwenden müsste, eine Strafmaßnahme wie das Sitzenbleiben zu finanzieren. Sitzenbleiben ist teuer, dumm und bringt keinen Schüler weiter. Denn jenen, die Probleme haben, hilft das Wiederholen einer Klasse nicht. Ohne vernünftige Förderung stoßen sie schnell wieder an ihre Grenzen. Forschungsergebnisse belegen das.

Die Wahrheit ist: Jeder Schüler hat ein individuelles Lerntempo. Gesteigert werden kann es nur, wenn das Lernumfeld angenehm ist – denn das erhöht die Motivation. Was beschönigend als "Ehrenrunde" bezeichnet wird, bewirkt das Gegenteil. Deshalb ist Sitzenbleiben von gestern. Wer in der Zukunft ankommen möchte, muss aufstehen.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Wie bei den alten Griechen gilt auch bei uns heute noch, schulischer Erfolg hängt in erster Linie von der sozialen Herkunft, sprich Geld im Elternhaus ab.

Natürlich hängt es vom Einzelfall ab, ob Sitzenbleiben für Betroffene eher positiv oder eher negativ ist. Dasselbe gilt natürlich auch für das Gegenteil, also das Abschaffen des Sitzenbleibens. Spielt aber unterm Strich für die Zukunft keine Rolle, die übernimmt das Geld des Elternhauses.

Wer bei der Geburt eines Kindes Berufe und wirtschaftlichen Background des Eltern kennt, kann den schulischen Erfolg des Babys mit hoher Treffsicherheit vorhersagen, einschließlich einer Prognose, ob das Baby mal studieren wird.

Guten Abend,

ich hoffe doch sehr zum Wohle der Schüler, dass einige der Kommentatoren NICHT den Lehramtsberuf ausüben. Den Äußerungen nach zu urteilen, handelt es sich jedoch leider um "Betroffene". Sollte dies tatsächlich der Fall sein, bin ich enttäuscht über die Ansichten von sogenannten Bildungsbeauftragten. Habe ich es etwa missverstanden, dass ein/e Lehrer/in auch einen pädagogischen Auftrag hat? Und gehört dazu nicht auch, jedes Individuum gemäß seinen/ihren Fähigkeiten zu fördern? Sollten tatsächlich Defizite bestehen, dann ist eine individuelle Förderung sinnvoll und angebracht, ja sogar vonnöten!
Manche hier vertreten aber eher die Ansicht Lehrer müssten sich wie im Militärdienst verhalten. Das Prinzip "survival of the fittest" sollte meiner Meinung nach jedoch nicht im Klassenraum an der Tagesordnung sein. Das Leben ist tasächlich kein "Wunschkonzert". Dies triff auf Jobs in der freien Wirtschaft tatsächlich mitunter zu.Verweigert man einem Kunden die Zusammenarbeit, weil er nicht versteht, was man ihm gerade zum 100. mal erklärt hat, droht einem in der Regel zu Recht die Kündigung. Wie gut, dass man als Lehrer diese Konsequenz ja zum Glück nicht fürchten muss.

Zu behaupten, dass Harald Schmidt, Peer Steinbrück und Churchhilll ihre Ehrenrunde unbeschadtre überstnaden haben, ist ja wohl auch ein wenig weltfremd.

Unter Politikern, Lehrern und Eltern mag der Sinn des Sitzenbleibens umstritten sein. Die meisten Eltern scheinen sogar auf dem Standpunkt zu stehen, dass Sitzenbleiben sinnvoll ist. Doch die meisten Bildungswissenschaftler denken so wie Herr Mischer: Sitzenbleiben ist nicht sinnvoll. Haben sie alle ihr Klassenziel verfehlt? Als Vater von zwei Kindern, die demnächst in die Schule kommen, stelle ich mir durchaus diese Frage. Die Diskussion erinnert mich ein wenig an die Diskussion um die Gesamtschulen, die einst in konsverativen Kreisen als Teufelswerk galten, mittlerweile aber in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Doch die meisten Studierten, die sich professionell mit dem Thema Bildung befassen, sagen, dass selbst das Erreichte auf diesem Gebiet nicht ausreicht. Sie sagen, dass es sinnvoll wäre, wenn es in Deutschland nur eine Schulform gäbe. Dafür führen sie verschiedene Argumente ins Feld, die ich nicht alle anführen möchte. Ich möchte auf folgende Frage hinaus: Wie kommt es eigentlich, dass die Wahrnehmung zwischen Bildungsexperten und dem Mann auf der Straße sich so sehr unterscheidet? Leben die Wissenschaftler denn alle im Elfenbeinturm?

Die Wahrheit ist: Jeder Schüler hat ein individuelles Lerntempo

Das ist richtig! Und jede Klasse hat ein Klassenziel und ein Schuljahr Zeit es zu erreichen. Ein Schüler, der das vorgegeben Ziel in der vorgegebenen Zeit nicht erreicht, gehört entweder auf eine weniger anspruchsvolle Schulform. Alternativ hat er durch die Ehrenrunde die Chance, zu beweisen, dass er dort wo er ist doch richtig ist.

Alles andere ist Kuschelpädagogik, die nur dazu taugt, die Statistiken aufzuhübschen, nicht aber dazu, Schüler zu Mitglidern unsere Leistungsgesellschaft zu formen, die in der Lage sind, dem im Arbeitsleben herrschenden Druck standzuhalten. Ein Arbeitnehmer, der seine Ziele nicht erreicht bekommt eben kein angenehmeres Arbeitsumfeld geschaffen, oder einen anderen Vorgesetzten, ihm werden auch keine Aufgaben erlassen, weil er zu langsam ist. Er fliegt raus und das zu Recht. Je eher unsere ach so modernen Reformpädagogen das begreifen, desto besser ist es für die Schüler, denn die Schule soll diese auf das Leben vorbereiten.



 Seite 1 von 2
weiter >
  >>



Anzeige

Die Uhren werden umgestellt!
Es gibt Filme, die braucht eigentlich kein Mensch. Davon gibt es sogar sehr viele. Auch "Zombiber", der am Donnerstag in den deutschen Kinos startet, ist einer davon – eigentlich. mehr

ACHIM BLOMENKAMP KOCHT: Kürbissuppe mit Knoblauch
Alle an einem Tisch – dieser Ausdruck bekommt im Restaurant-Café Kachelhaus eine ganz neue Bedeutung. mehr




Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik