Mehr als jeder Vierte ist schon einmal sitzen geblieben. Da nimmt es nicht wunder, dass die Liste der Sitzenbleiber lang ist: Harald Schmidt hatte fünf Fünfen und musste die 12. Klasse wiederholen, Peer Steinbrück hat die 8. Klasse nicht auf Anhieb geschafft, Winston Churchill scheiterte an Latein und Sport. Dennoch ist aus allen etwas geworden. Ist Sitzenbleiben also nicht so schlimm? Denkste.
Studien belegen, dass das Sitzenbleiben für Betroffene ein heftiger Rückschlag ist; sie müssen nicht nur den Klassenraum wechseln, sondern auch die Freunde, die Lehrer. Zudem kostet Sitzenbleiben den Steuerzahler eine Milliarde Euro – jedes Jahr. Das hat der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung berechnet. Milliarden, die anfallen, weil ein Personal- und Verwaltungsaufwand entsteht, wenn Schüler sitzen bleiben.
Schule: Hat die Ehrenrunde ausgedient?
Milliarden, die unser marodes Bildungssystem ruck, zuck wieder fit machen könnten – wenn man sie denn für Fördermaßnahmen ausgeben könnte und nicht dafür verwenden müsste, eine Strafmaßnahme wie das Sitzenbleiben zu finanzieren. Sitzenbleiben ist teuer, dumm und bringt keinen Schüler weiter. Denn jenen, die Probleme haben, hilft das Wiederholen einer Klasse nicht. Ohne vernünftige Förderung stoßen sie schnell wieder an ihre Grenzen. Forschungsergebnisse belegen das.
Die Wahrheit ist: Jeder Schüler hat ein individuelles Lerntempo. Gesteigert werden kann es nur, wenn das Lernumfeld angenehm ist – denn das erhöht die Motivation. Was beschönigend als "Ehrenrunde" bezeichnet wird, bewirkt das Gegenteil. Deshalb ist Sitzenbleiben von gestern. Wer in der Zukunft ankommen möchte, muss aufstehen.
Natürlich hängt es vom Einzelfall ab, ob Sitzenbleiben für Betroffene eher positiv oder eher negativ ist. Dasselbe gilt natürlich auch für das Gegenteil, also das Abschaffen des Sitzenbleibens. Spielt aber unterm Strich für die Zukunft keine Rolle, die übernimmt das Geld des Elternhauses.
Wer bei der Geburt eines Kindes Berufe und wirtschaftlichen Background des Eltern kennt, kann den schulischen Erfolg des Babys mit hoher Treffsicherheit vorhersagen, einschließlich einer Prognose, ob das Baby mal studieren wird.