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16.03.2013
Weiss
Meins bleibt meins
VON CAROLINE LINDEKAMP

Alle Idealisten bitte vortreten – mit all ihrem vergabefreien Hab und Gut auf dem Silbertablett. Vielleicht möchte ja der Rasenmäherbesitzer sein Gartengefährt gegen ein Dreirad tauschen. Vielleicht gibt’s für den Wok einen alten Krimi. Vielleicht für eine Bohrmaschine eine Woche Untermiete in der Altstadtwohnung.

Die Ziele der Sharing Economy mögen ehrenhaft sein, aber mal Hand aufs Herz: Der Mehrheit der Deutschen dürfte ihr Besitz entweder so teuer sein, dass sie ihn nur ungern mit Fremden teilt. Oder ihre Faulheit besticht das Streben nach alternativen Konsumformen, wenn es heißt, den Aufwand, den das Leihen und Verleihen mit sich bringt, zu stemmen. Die eigenen Besitztümer müssen umfassend im Netz präsentiert werden. Hat jemand Interesse, gilt es, die Übergabe zu organisieren, die Kaution und die Versicherung zu klären und schließlich die Rückgabe zu regeln. Das Prozedere steht in keinem Verhältnis, wenn es um einen Notenständer von 15 Euro Kaufpreis oder die Nudelmaschine für 20 Euro geht.

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Am ehesten lohnt sich das Sharing von wertigen Dingen – doch mit dem Wert steigt auch die Skepsis. Wer unter Umständen jahrelang für beispielsweise das eigene Auto gespart hat, empfindet eine andere Wertschätzung und Fürsorge für den fahrbaren Untersatz als der fremde Internetkontakt, der ihn sich für ein paar Euro leiht. Im zögerlichen Rücklauf auf den Sharing-Plattformen finden solche Bedenken ihren Ausdruck.

Wer nachhaltig konsumieren möchte, muss seine Anschaffungen genau überdenken und kritisch abwägen. Zum Teilen greift er auf die persönlichen Netzwerke im direkten Umfeld zurück, leiht sich die Bohrmaschine beim Nachbarn und hilft ihm gerne mit dem Bügeleisen aus. Verleiht er sein Auto an einen Freund, ist das Vertrauen da, dass es am Abend wieder heil in der Garage steht.
      
                 
      
              

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