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16.03.2013
Schwarz
Gemeinschaft durch teilen
VON OLIVER HEROLD

Deins? Meins? Unser! Der Tausch von Besitztümern ist endlich eine Art des Konsums, die allen nützt, die nicht nur Geld und Rohstoffe spart – und allein deswegen schon unterstützenswert ist –, sondern auch den sozialen Aspekt und die Gemeinschaft fördert. Wer in der sonst anonymen Nachbarschaft Bohrmaschine gegen Axt, Obst gegen Marmelade, Auto gegen Fahrrad oder Buch gegen DVD tauscht, kommuniziert mit Fremden – neue Freundschaften nicht ausgeschlossen.

Share Economy ist aber auch die logische Konsequenz unserer Zeit. Gefühlt hat jeder immer weniger Geld zur Verfügung, um gleichzeitig in Auto, Zelt, Mountainbike, Bohrmaschine, Tapeziertisch, Rasenmäher und Co. zu investieren. In Dinge also, die man vielleicht sowieso nur wenige Stunden am Tag oder wenige Male im Jahr nutzt, die Geld binden und die zwingen, anderswo Verzicht zu üben.

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Natürlich birgt Share Economy auch Risiken und Gefahren. Geht etwas kaputt, muss vorher abgesprochen, bestenfalls sogar vertraglich festgelegt werden, wer im Schadensfall haftet. Das allerdings betrifft nur den materiellen Bereich, denn das Prinzip des Teilens, Tauschens und Mietens ist ausbaufähig. Und wird vielerorts bereits praktiziert. Musik, Wohnungen, frei nutzbare Open-Source-Software oder die sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Kleidertauschpartys sind nur einige Beispiele, Zeit und Wissen könnten weitere sein.

Die Sharing Economy durchbricht den Kreislauf aus Produzieren, Konsumieren und Entsorgen, vielleicht läutet sie das Ende der Eigentumsgesellschaft mit dem damit verbundenen Materialismus ein. Status durch Besitz war gestern, Gemeinschaft durch Teilen könnte Zukunft sein.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Wenigstens hier merkt man, dass morgen Frühlingsanfang ist... Wenn sich das auch noch ein kleines bisschen auf die Wettertemperaturen übertragen könnte...

"Mysteriös" sollte eine Fee vielleicht nicht schockieren. Ihr Wort wundert mich allerdings, da ich dachte, ich verstände im Gegensatz zu Ihnen eher was vom Ent- als vom Bezaubern.

sagt zu dem Thema

"Jedem das seine - mir bitte das Feine"

@Christoph: Auch wenn ihr Kommentar etwas mysteriös anmutet, denke ich, etwas Wahres haben Sie angesprochen. Was viele Menschen in den letzten Jahrzehnten aus der Sexualität gemacht haben, kann schon bestürzen, erschrecken und traurig machen. Vor allem scheint sie kaum noch eine wahre und individuelle Angelegenheit zwischen Liebenden zu sein, sondern eher eine problematische Angelegenheit von Normen, Können + Leistungsdruck, der Angst Gefühle zu investieren...das "Gesicht zu verlieren". Ich wage nicht zu überlegen, für wieviele Menschen Geld machen aufregender als Liebe machen ist. Sexualität wird dann gefühlssparend gekauft. Die sexuelle Dienstleistung ist in der Arbeitswelt auf dem Vormarsch. Ähnlich wie beim Fleisch in allen "Kategorien".

Der Vorschlag der Fee ist vielleicht ganz gut, zumindest zum Üben. In unseren Breiten spricht man(n) über Sexualität ja oft so, als wär's ein Aufruf zum Bürgerkrieg, wie ein gewaltsames Aufbegehren gegen ein Totalverbot: Frauen wie Männer werden im sprachlichen Bewusstsein in Einzelteile zerlegt wie Schlachtvieh, Einfühlung wird durch technische Überlegenheit verdrängt, was bis zum Einsatz von Chemiewaffen wie K.O.-Tropfen und Pfefferspray gehen kann...
Tut mir leid, liebe Fee, wenn ich zum charmanten Flirt gerade nicht aufgelegt bin, da ich gerade ein bisschen vom Tagesgeschehen beeinflusst bin...



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