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23.03.2013
Schwarz
Ein bisschen geht nicht
VON CARSTEN HEIL

Ein Leben ohne Klarheit und Konsequenz treibt wie eine Nussschale auf dem stürmischen Meer. Jede Böe verändert die Richtung. Ein Ziel ist weder zu erkennen noch zu finden. Zum Glauben gehören Überzeugung, Festigkeit bei allem begründeten Zweifel, Übung und positive Erfahrung mit seinem Schöpfer. Die Erfahrungen kommen übrigens von allein, wenn man sich einlässt. Wer sich in Glaubensfragen mal hier, mal da bedient, gerade so, wie es ihm nach der Mütze ist, erhebt sich selbst zum Gott. Und dafür ist der Mensch mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten nicht geeignet.

Vom Glauben erwarten wir Menschen Trost und Hoffnung in besonders dunklen Zeiten, Hilfe im Umgang mit uns selbst und unserem täglichen Scheitern, eine Antwort auf die Frage: Was kommt nach dem Tod? Weitere Fragen treiben uns um: Wo kommen wir her? Welchen Sinn hat das Leben? Wo gehen wir hin? Wir werden keine wirklich befriedigenden Antworten bekommen, wenn wir uns den Glauben selbst zusammenstellen. Deshalb kann es keinen hilfreichen Glauben geben, der ein bisschen auf Horoskope, ein bisschen auf die Bibel, ein wenig auf fernöstliche Weisheit setzt. Das ist Wellness-Glauben ohne Konsequenz und auch ohne Hilfe, ohne Trost.

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Glauben: klassisch oder selbst gemacht?




Sinn im Leben zu finden ist anstrengend. Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit gibt es genug. Es geht nicht um Frömmelei, schon gar nicht darum, anderen Menschen etwas vorschreiben zu wollen. Aber in Glaubensfragen geht es um Entschiedenheit. Die muss jeder Mensch für sich selbst finden. So wenig wie "ein bisschen schwanger" geht "ein bisschen hier glauben, ein bisschen da". Wie ein Mensch seinen Glauben lebt, ob in großer Gemeinschaft (Kirche) oder im kleinen Kreis, spielt dann kaum eine Rolle.


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Kommentare
Die Frage ist natürlich interessant:
"Woher kommt die Tradition des Ostereis?"
Meines Wissens gibt es ja nirgends die Anweisung: "Du sollst gekochte Eier anmalen, verstecken, suchen lassen und dann wochenlang im Kühlschrank liegen lassen."
Im ersten Moment habe ich gedacht, es könnte auf ein germanisch-heidnisches Fest zurückgehen, das vor der Christianisierung hierzulande begangen wurde. Aber das Ei auf dem Sederteller des jüdischen Pessachfests, auf dem in diesen Tagen des Auszugs aus Ägypten gedacht wird, könnte auch Vorbild gewesen sein.

@Haribo:
"Alle die Tod und Teufel nicht fürchten, müssen Männer mit Bärten sein...."
Ich habe gehört, in den Gewässern vor Somalia soll dieser alte Piratensong wieder ein echter Hit sein...

Übrigens, wenn ich das Leben noch mit einem letzten Bisschen Gelassenheit begegne, dann liegt das nicht daran, dass ich auf ein Leben nach dem Tod vertraue, sondern daran, dass ich weiß, dass das letzte Hemd keine Taschen hat.

Früher, als die Menschen noch glaubten hatten Sie keine Angst vor dem Tod. Heute hat fast jeder Angst.

Wer als gläubiger Mensch alleine auf die Klassiker setzt, die ihm meistens schon als Kleinkind vorgesetzt werden, scheint mir doch sehr bequem und typisch mainstream anspruchslos. Eher halte ich es für logisch, dass man mit 30 oder 60 Jahren andere Glaubensüberzeugungen vertritt als mit 3 Jahren oder 13 Jahren.

Entschieden widerspreche ich der Behauptung, dass der Mensch nicht zum Gottsein geeignet ist. Ich stelle an mich selbst den Anspruch, auch göttlich und Göttin zu sein. Genauso selbstverständlich erhebe ich andere Menschen und Lebewesen zu meinen Göttern, an die ich glaube wie an mich selbst. Lebensweisheiten, die für mich plausibel sind, übernehme ich ohne weiteres aus der Bibel. Mich überzeugen dazu die universellen Gesetze. Gott lässt sich in allem finden. Es gibt keinen Grund, einzelne Aspekte, Richtungen oder was auch immer auszuklammern. Es gibt jedoch viele Gründe, organisierten Religiösen, Amtskirchen usw., die dazu noch missionieren wollen und für den Mißerfolgsfall mit Sanktionen nach dem Leben drohen, zu mißtrauen. Päpste halte ich für Realsatire.

Was den Wellness-Glauben angeht, sind auch die etablierten religiösen Dogmen historisch gemachte Mischungen, die sich ändern können: Von Ostereiern in der Bibel keine Spur, der Buß- und Bettag war offenbar auch nicht gottgewollt.
Aber Herrn Heil seinen ganz persönlichen Bezug zum Heiligen zu lassen, ist sicherlich diejenige seiner Forderungen, die ich am ehesten akzeptieren kann.



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