Schrift

23.03.2013
Weiss
Wahrheit ist überall
VON KATY HACKEL

Gestern bin ich ausgetreten. Ein längst überfälliger Schritt. Zölibat, Missbrauchsskandal, Kondom- und Abtreibungsverbot, Ausgrenzung von Homosexuellen und fehlende Gleichstellung von Mann und Frau: Seit Jahren frage ich mich, ob der Gott, an den ich glaube, das – unsere Kirche – so gewollt hätte. Nein. Das möchte und kann ich nicht glauben.

Ich glaube an einen Gott, der die Menschen lässt, wie sie sind, und sie alle gleichermaßen liebt. An einen Gott, der niemanden für einen Fehler ins ewige Höllenfeuer schickt. Mein Gott ist barmherzig – kein Richter über richtig und falsch, sondern Hoffnungsgeber und Zufluchtsort für jedermann. Ob ich diesen Gott in einer einzigen Religion finde, weiß ich noch nicht. Aber ich begebe mich auf die Suche.

Umfrage
Glauben: klassisch oder selbst gemacht?




Hinduismus, Buddhismus, afrikanische Religionen – was spricht dagegen, sich umzusehen und das für sich anzunehmen, wovon man überzeugt ist? Ist es nicht ehrlich und konsequent, nur das zu glauben, wohinter man auch tatsächlich steht? Erst dann kann ein Glaube echt und tief sein. Und nichts anderes hätte Gott gewollt. Ein Sprichwort besagt: "Wahrheit ist überall." Ich bin mir sicher, das ist auch beim Glauben der Fall. Sinn im Leben findet man nicht durch die Kirche, sondern vor allem, wenn man sich mit sich, mit dem, was einem wichtig ist, auseinandersetzt.

Aus dem Christentum nehme ich für mich viele Sachen an – beispielsweise viele der zehn Gebote, an die sich einige streng gläubige Christen besser halten sollten, als sie es tun. Vielleicht verknüpfe ich diese mit Aspekten des Buddhismus wie der Freiheit und dem Leben ohne Dogma oder mit Grundzügen der afrikanischen Religion wie der hohen Wertschätzung der Natur. Ich bin mir sicher: Kirche ist nicht Glaube, sondern ein altes, brüchiges Gefäß, in das Glauben gegossen wird. Aber wozu? Glauben sollte fließen.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Leider gibt es nicht den individuellen Gott von dem Frau Hackel träumt. Ich kann mir zwar einen Gott in meinen Gedanken zusammenstellen und von ihm träumen aber davon wird Gott nicht so, wie ich ihn haben will. Ich kann mir z.B. die Frau Merkel so vorstellen wie ich will. Sie wird sich wegen meinen Vorstellungen nicht ändern.

Entweder man glaubt nicht an Gott oder man sucht den wahren Gott. Dieser wahre Gott existiert unabhängig von meiner Fantasie und dann muss ich akzeptieren das er so ist wie er ist.

Wären wir alle gläubiger würde es viel mehr Kinder geben und zwar glückliche Kinder und die Zahl der Scheidungen würde drastisch sinken. Das es heute aber kaum noch das WIR sondern so gut wie nur noch das ICH gibt, wird das mit meinem Wunsch nichts mehr werden. Ich müsste "Gott" eigentlich verfluchen, denn wie konnte er mir vor 2 Jahren meinen Mann wegnehmen? Krebs, ok, oder wahr es Leidensersparnis? Wahrscheinlich. Jedenfalls ist es in der heutigen Gesellschaft verdammt schwer 3 Kinder allein groß zu kriegen. Schonmal gar nicht einen "neuen" Mann kennenzulernen. Sobald einer erfährt das ich Kinder habe, fährt er auch schon. Auf Nimmerwiedersehen.

Natürlich gibt es auch glückliche, zufriedene Gläubige in der christlichen Kirche. Wahrheit gibt es tatsächlich überall. Dort schlichtweg nur viel weniger und seltener als außerhalb ihres Umfelds.

Nach meinem Eindruck reorganisieren sich die christlichen Kirchen gerade. Hielt man die Leute früher über ein schlechtes Gewissen bei der Stange, indem man sie zu chronischen Sündern machte, weil die vorgegebenen Ideale tatsächlich ja nicht wirklich gelebt werden konnten, versucht man es heute mit Nutzen wie Gemeinschaft, Verständnis für alles und jedes usw. Die katholische Kirche sucht Auswege zum Zölibat gesichtswahrend zu finden und Frauen zuzulassen. Fließt nicht mehr genug Geld kann man durchaus sehr flexibel werden. Es geht ja schließlich nur um Geld.

Repräsentiert martins Kommentar wirklich seine eigene Meinung oder sucht er gezielt nach den richtigen Antworten auf seine ihm eigene Art ? ;-))
Irgendwas menschliches fehlt hier ganz klar.
Zur Umfrage : Bei diesen Antwortmöglichkeiten aucht man sich über eine geringe Beteiligung nicht wundern. Große Auswahlmöglichkeiten gibt es hier nicht. Bei der NW sieht es so aus: Entweder man entscheidet sich für die großen Kirchen oder man steht als wankelmütiger Geist da. Man muss sich hier weder an strikte Richtlinien halten (denn darum geht es nicht) noch sucht man sich seinen "Glauben, wie es mir gerade passt" (denn darum geht es hier auch nicht)...sehr schlecht gewählte Ausdrucksweise, wer gibt schon gerne seine Stimme für sowas ??!!

Wie kann man sich einer Religion anvertrauen, deren eigene Geschichte voll ist von Gewalt und Versagen - von der Inquisition bis zum Kindesmissbrauch? Die wahre Leidenschaft der Kirche (und anderer Religionen) ist es, Macht auf die Menschen auszuüben und ihnen ein Ideal vorzuhalten, an dem sie lebenslänglich scheitern werden. Wer glaubt, der hofft auf ein besseres morgen, das niemals kommt. Aber ein Leben ohne Hoffnung ist für die meisten Menschen einfach nicht vorstellbar. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb die Verbrechen der Kirche letztlich hingenommen werden. Und hat irgendjemand schon mal einen Menschen getroffen, der durch seinen Glauben wirklich zufrieden geworden ist und sich von den Leiden seiner Vergangenheit befreien konnte? Und für eine Verheißung, die sich nicht erfüllt, gibt es einen einfachen Begriff: Betrug.



 Seite 1 von 2
weiter >
  >>



Anzeige

Die Uhren werden umgestellt!
Es gibt Filme, die braucht eigentlich kein Mensch. Davon gibt es sogar sehr viele. Auch "Zombiber", der am Donnerstag in den deutschen Kinos startet, ist einer davon – eigentlich. mehr

ACHIM BLOMENKAMP KOCHT: Kürbissuppe mit Knoblauch
Alle an einem Tisch – dieser Ausdruck bekommt im Restaurant-Café Kachelhaus eine ganz neue Bedeutung. mehr




Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik