Eine Weltmacht im Eis. Die US-Hauptstadt Washington liegt still. 40 Zentimeter Schnee sind über Nacht gefallen. Und es schneit den ganzen Tag über weiter. Wir sitzen fest. Die Delegation aus NRW auf Staatsvisite in den USA ist stecken geblieben.
Im wahrsten Sinne des Wortes: Nach einem Besuch im German Historical Institute, lassen sich die Delegationsfahrzeuge nicht mehr aus den Schneeverwehungen befreien. Trotz aller Anstrengungen.
Regierungssprecher Hans-Dieter Wichter - geschult in zahlreichen schwierigen Situationen bei Auslandsaufenthalten unter anderem mit dem früheren Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) - schnappt sich eine Schippe und schaufelt ganze Schneeberge rund um die Autos weg.
Sogar Ministerpräsident Jürgen Rüttgers höchstselbst legt Hand an, um den Delegationsbus aus der Sackgasse zu drücken. Vergeblich. Es reicht nicht. Nach mehreren Befreiungsversuchen geben alle Helfer auf und suchen zu Fuß den Weg zurück ins Hotel am Weißen Haus.
Die Straßen sind nahezu frei von Menschen. Räummaschinen Fehlanzeige. Das öffentliche Leben der Stadt ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Nur vereinzelt sieht man Einwohner mit einer Schneeschaufel erfolglos gegen die Schneemassen ankämpfen.
Rüttgers' gesamtes Programm ist durcheinander geraten. Am Mittwochabend sollte es eigentlich los gehen in Richtung Los Angeles, dann weiter nach San Francisco und Santa Monica zu einem Treffen mit Gouverneur und Terminator Arnold Schwarzenegger. Das alles steht jetzt zur Disposition. An einen Abflug vom Washingtoner Flughafen ist derzeit nicht zu denken.
Das Drehkreuz liegt brach. Man kann ein wenig die Fassung darüber verlieren, wie hilflos die Weltmacht USA ist, wenn ein paar Zentimeter gefrorenes Wasser auf ihre Straßen fallen. Es ist noch immer, wie Alt-Kanzler Helmut Schmidt einer staunenden Welt die USA analysierte: "Obervolta mit Raketen."
Die Delegation hofft auf Donnerstag. Dann soll aller Schnee gefallen und der Flughafen wieder betriebsbereit sein. Vielleicht reicht es noch für San Francisco. Vielleicht aber war auch alles vergebens. Die Visite in den USA könnte dann schneller zu Ende sein als geplant.