Sonnabend, 26.05.2012
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10.02.2010
Rüttgers' Staatsvisite stecken geblieben
US-Hauptstadt Washington ist eingeschneit
AUS DEN USA BLOGGT NW-CHEFREDAKTEUR THOMAS SEIM

Angeschoben | FOTO: THOMAS SEIM

Eine Weltmacht im Eis. Die US-Hauptstadt Washington liegt still. 40 Zentimeter Schnee sind über Nacht gefallen. Und es schneit den ganzen Tag über weiter. Wir sitzen fest. Die Delegation aus NRW auf Staatsvisite in den USA ist stecken geblieben.

Im wahrsten Sinne des Wortes: Nach einem Besuch im German Historical Institute, lassen sich die Delegationsfahrzeuge nicht mehr aus den Schneeverwehungen befreien. Trotz aller Anstrengungen.

Regierungssprecher Hans-Dieter Wichter - geschult in zahlreichen schwierigen Situationen bei Auslandsaufenthalten unter anderem mit dem früheren Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) - schnappt sich eine Schippe und schaufelt ganze Schneeberge rund um die Autos weg.

Sogar Ministerpräsident Jürgen Rüttgers höchstselbst legt Hand an, um den Delegationsbus aus der Sackgasse zu drücken. Vergeblich. Es reicht nicht. Nach mehreren Befreiungsversuchen geben alle Helfer auf und suchen zu Fuß den Weg zurück ins Hotel am Weißen Haus.

Die Straßen sind nahezu frei von Menschen. Räummaschinen Fehlanzeige. Das öffentliche Leben der Stadt ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Nur vereinzelt sieht man Einwohner mit einer Schneeschaufel erfolglos gegen die Schneemassen ankämpfen.

Rüttgers' gesamtes Programm ist durcheinander geraten. Am Mittwochabend sollte es eigentlich los gehen in Richtung Los Angeles, dann weiter nach San Francisco und Santa Monica zu einem Treffen mit Gouverneur und Terminator Arnold Schwarzenegger. Das alles steht jetzt zur Disposition. An einen Abflug vom Washingtoner Flughafen ist derzeit nicht zu denken.

Das Drehkreuz liegt brach. Man kann ein wenig die Fassung darüber verlieren, wie hilflos die Weltmacht USA ist, wenn ein paar Zentimeter gefrorenes Wasser auf ihre Straßen fallen. Es ist noch immer, wie Alt-Kanzler Helmut Schmidt einer staunenden Welt die USA analysierte: "Obervolta mit Raketen."

Die Delegation hofft auf Donnerstag. Dann soll aller Schnee gefallen und der Flughafen wieder betriebsbereit sein. Vielleicht reicht es noch für San Francisco. Vielleicht aber war auch alles vergebens. Die Visite in den USA könnte dann schneller zu Ende sein als geplant.


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Kommentare
Großartig, dass er den Karren mit bloßen Händen aus der Schneewehe drücken will. Ob er dran hängen geblieben ist? Er könnte ja auch mal mit der Zunge ausprobieren, ob die wirklich festklebt, wenn man kaltes Metall anleckt... ;) Ich hätte sehr gerne zu der Schaufelaktion noch ein kleines Video gesehen. Beim nächsten Mal, Herr Seim, nehmen Sie noch ne kleine Kamera mit und versorgen uns mit Bewegtbildern, ja? Bin gespannt auf die nächste Folge!

@ Skeptiker: Ich stimme vollkommen zu! Das Land ist sowieso klam und der "Chef" meint er müsste ins Ausland fahren. Geldverschwendung. Politisch oder Wirtschaftlich bringt das rein garnichts!

Wie es aussieht, hat Herr Seim im USA-Schnee die journalistische Distanz bewahrt und nicht in das "Anschieben" der nordrheinwestfälischen Politik eingegriffen - gut so.

Bitte Herr Thomas Seim, würden Sie bitte meine soeben an dieser Stelle geäußerten Fragen an Herrn Rütgers weitergeben. Meinen Namen gebe ich Ihnen bei Bedarf gerne per Mail bekannt. Auf meine Stimme kann er jedenfalls nicht mehr zählen. Und das nach 40 Jahren CD-Wähler. Dankeschön

Was will der eigentlich in den USA? Anders gefragt, wer hält ihn für so wichtig, dass er ihn unbedingt kennenlernen und mit ihm reden muss? Meint Rüttgers, dass eine solche Vergnügungsreise AUF UNSERE KOSTEN ihm in der Wählergunst weiter hilft? Ich erkenne in einer solchen Reise auf Kosten der Steuerzahler und Zeiten leerer Kassen eine bodenlose Unverschämtheit. Meine Stimme bekommt er jetzt garantiert nicht mehr.



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Als Präsidentin des Deutschen Bundesrates brach die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Samstag zu einer fünftägigen Reise nach Israel und Palästina auf. Thomas Seim, Chefredakteur der Neuen Westfälischen, begleitet sie auf ihrer ersten Auslandsreise als Ministerpräsidentin und berichtet täglich.

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