Schrift

27.11.2012
Kommentar
Sterben und Tod
Sinn gebend
VON CARSTEN HEIL

Carsten Heil

Alle reden vom Sterben und vom Tod. In den Medien wird in diesen Tagen vor dem Toten- und Ewigkeitssonntag über kaum ein Thema mehr geschrieben als darüber: Themenwoche, Schwerpunkthefte, Bücher, Sondersendungen und auch die Politik beschäftigen sich mit den letzten Fragen des Lebens. Sterbehilfe, Organspende, Hospizbewegung, Friedhofskultur, Umgang mit Verlust und Trauer, um nur einen kleinen Ausschnitt zu nennen.

Das ist gut und sinnvoll. Denn je intensiver wir Menschen uns zu Lebzeiten mit unserem unausweichlichen Ende auseinandersetzen, desto größer sind die Chancen auf ein gelingendes Ende. Natürlich kann niemand das Sterben üben, aber die Vorbereitungen darauf werfen keinen Schatten des Todes auf das Leben, sondern Licht auf den Tod. Nur vor dem Hintergrund des Todes kann Leben sinnvoll gestaltet werden – weil Entscheidungen und Verhalten nicht unendlich korrigierbar, sondern durch die menschliche Endlichkeit endgültig sind. Genuss wird wertvoller, Leid erträglicher.
Wir Menschen müssen entscheiden, WIE wir leben, was wir machen und was wir lassen wollen. Wir müssen die Zeit nutzen. Heute, morgen, immer.

Am Sonntag ist Toten- und Ewigkeitssonntag, Anlass, sich mit den letzten und vielleicht wichtigsten Dingen des Lebens zu beschäftigen. Er rückt die christliche Jenseitshoffnung in den Mittelpunkt der Gedanken. Das Neue Testament sieht mit dem Tod nicht alles als beendet an. Wenn man so will, fängt nach christlicher Vorstellung dann erst das eigentliche, schöne Leben an, weil der Mensch bei Gott, seinem Schöpfer, ankommt und geborgen ist.
Andere Religionen, Lehren und Ansätze gehen anders mit dem Thema um. Gemeinsam ist allen Überlegungen, dass sie Trost spenden angesichts des Todesschreckens. Denn Sterben ist nicht schönzureden. Und da muss jeder Mensch die ihm gemäße Art finden, mit dem Tod umzugehen oder um einen lieben Menschen zu trauern.

Das geht nur in der Auseinandersetzung. Einigen Menschen kann selbst das Leiden und Sterben eines nahen Angehörigen helfen und im besten Fall sogar ein wenig irdischen Sinn entwickeln. Auch wenn der Schmerz über den Verlust wohl den Rest des Lebens anhalten und immer eine Leerstelle bleiben wird.

Diese Übung wird aber immer schwieriger, weil Sterben und Tod ausgelagert worden sind: in Heime, Krankenhäuser, Hospize. Gleichzeitig will die Mehrheit der Deutschen (66 Prozent) aber zu Hause sterben. Das ist schwer möglich, weil das Alter häufig Einsamkeit bedeutet und die durchökonomisierte Welt den Angehörigen keine Möglichkeit bietet, sich um die Sterbenden zu kümmern. Die Angst des Einzelnen vor der Auseinandersetzung mit dem Tod kommt hinzu.

Doch es gibt viele Berichte von Pflegenden, die in der Pflege Gewinn erfahren haben. Eine gewagte These: Vielleicht hat die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Tod dazu geführt, dass immer mehr Menschen in der westlichen Zivilisation der Sinn im Leben verlorengegangen ist.

Mail an den Autor: carsten.heil@ihr-kommentar.de

Kommentare
Ich kenne einen der hat selbst Angst vor dem Fegefeuer bezeichnet sich in Werbeanzeigen als wahre Frohnatur obwohl er selbst Menschen einäschern ließ die nie die Absicht hatten eingeäschert zu werden.
Diesen Menschen werden seine Taten einholen.Er sieht in seinen Werbeanzeigen sehr schlecht aus.
Den Rest macht die Bildzeitung denn bei schmutzigen Geschichten sind die immer da ob vor Gericht oder auf dem Friedhof.


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder




Weitere Nachrichten
Kommentar
Vorbildlich
Den Aufstieg von Arminia Bielefeld in die 2. Bundesliga kommentiert Chefredakteur Thomas Seim. mehr

Kommentar
Rosen für die Alltagshürden
Mit dem Muttertag beschäftigt sich der Kommentar von NW-Volontärin Katy Hackel. mehr

Kommentar
Partnerschaft statt Machtdemonstration
Der stellvertretende NW-Chefredakteur Carsten Heil kommentiert Deutschlands Stellung in Europa. mehr

Kommentar
Elitedenken
Das Thema Steuerhinterziehung kommentiert NW-Redakteur Stefan Schelp. mehr




Nachrichten
Westerwelle: Syrien-Konferenz alles andere als sicher
Damaskus/Washington - Der syrische Staatspräsident Baschar al-Assad befürchtet eine militärische Intervention des Westens in seinem Land. "Täglich... mehr

Rund 70 Verletzte bei Zugunglück nordöstlich von New York
New York - Rund 70 Fahrgäste sind bei einem Zugunglück im Feierabendverkehr nordöstlich von New York verletzt worden. Der Zusammenstoß zweier Züge... mehr

SPD und Grüne attackieren de Maizière wegen "Euro Hawk"
Berlin - Seit wann sind die gravierenden Zulassungsprobleme bei dem gescheiterten Drohnen-Projekt bekannt und warum wurde erst so spät die Reißleine... mehr

Merkel zu langer Privataudienz beim Papst
Rom - Privataudienz der Bundeskanzlerin beim Papst in Rom: Angela Merkel (CDU) ist am Pfingstsamstag von Franziskus zu einem gut 45-minütigen... mehr

Festspiele werden zum Tatort: Panik nach Schüssen in Cannes
Cannes - Erst ein spektakulärer Juwelendiebstahl, dann Schüsse: Die Filmfestspiele in südfranzösischen Cannes werden zum einem echten Krimi-Tatort.... mehr





Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format